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Berufspolitik
BDI aktuell
Oktober 2014
9
Rund 250 Kliniken droht wegen aku-
ten Geldmangels das Aus, rund 16
Prozent der 2000 Krankenhäuser in
Deutschland waren 2012 von der In-
solvenz bedroht. Das sind doppelt so
viele wie noch vor zwei Jahren, haben
Forscher um Boris Augurzky vom
Rheinisch-Westfälischen Instituts für
Wirtschaftsforschung im Rahmen des
akutellen Krankenhaus Rating Report
des Rheinisch-Westfälischen Instituts
errechnet. Laut dem Report, der an-
lässlich des Hauptstadtkongresses
Mitte Juni vorgestellt wurde, müssten
über 13 Prozent der Kliniken ihre
Pforten bis zum Jahr 2020 schließen,
wenn sie keine Zuschüsse mehr bekä-
men.
Trotz der jährlichen Steigerungen
der Kassenausgaben haben laut des
neuen Reports 35 Prozent der Häuser
zuletzt einen Jahresverlust geschrie-
ben, zwei Jahre vorher waren es nur
16 Prozent. Die Kliniken in Ost-
deutschland schneiden bei der Aus-
wertung wirtschaftlich betrachtet bes-
ser ab als die in Westdeutschland. In
Nordrhein-Westfalen befinden sich
zum Beispiel etwa 50 der landesweit
rund 400 Kliniken in akuter Geldnot.
Im Jahr 2012 schrieb jede dritte Kli-
nik in Nordrhein-Westfalen rote Zah-
len.
2015 droht eine Verschlechterung
Die wirtschaftliche Situation der
deutschen Krankenhäuser ist 2012
demnach deutlich schlechter gewor-
den. Die vor der Bundestagswahl
2013 beschlossenen Finanzhilfen für
Krankenhäuser tragen lediglich zur
Entspannung der Lage in den Jahren
2013 und 2014 bei. 2015 droht ohne
Gegenmaßnahmen aber wieder eine
Verschlechterung. Auf mittlere Sicht
bleibt die Lage also angespannt, weil
die Kosten stärker steigen als die Er-
löse und zu wenig investiert wird. Fa-
zit der Studienautoren: Mehr Geld
für Krankenhäuser, vor allem für Zu-
sammenführungen und Spezialisie-
rungen!
Grundlage der Reportdaten sind
die Geschäftszahlen von 2012, die
auch als Basis für eine Hochrechnung
für die 2013 und 2014 diente. Analy-
siert wurden mehr als 600 Bilanzen
von fast 1000 Krankenhäusern.
Grundsätzlich teilen sich in
Deutschland die Bundesländer und
die Kassen die Finanzierung der
Krankenhäuser. Eine Klinik hat einen
Rechtsanspruch auf staatliche Förde-
rung für Investitionen, wenn sie in
den Krankenhausplan des jeweiligen
Bundeslandes aufgenommen worden
ist. Während den Ländern immer
wieder vorgeworfen wird, ihren Ver-
pflichtungen nicht ausreichend nach-
zukommen, steigen die Kassenkosten
in dem Bereich seit Jahren ständig an.
Die Länder tragen die Kosten für In-
vestitionen an Gebäuden und Aus-
stattung. Die Kassen bezahlen die
laufenden Kosten, also vor allem die
Behandlungen der Patienten.
Ein Hauptproblem der Kranken-
häuser ist die schwache Ertragskraft,
heißt es im Rating-Report. Vor allem
in ländlichen und schrumpfenden
Regionen gilt es, neue Konzepte zur
Gesundheits- und Notfallversorgung
zu erarbeiten. Jede zweite Klinik kann
nicht selbst genügend Geld aufbrin-
gen, um die eigene Substanz zu erhal-
ten. Derzeit fehlten rund 15 Milliar-
den Euro für Investitionen, obwohl
die Ausgaben der Krankenkassen für
die Klinikbehandlungen sich um 2,6
auf 66,8 Milliarden Euro erhöhten.
Auffällig ist, dass öffentlich-rechtliche
Kliniken wirtschaftlich schlechter ab-
schneiden als freigemeinnützige oder
private: 28 Prozent der öffentlich-
rechtlichen Häuser hätten eine erhöh-
te Insolvenzgefahr, aber nur 16 Pro-
zent der freigemeinnützigen und drei
Prozent der Privaten.
Die Krankenhauskapazitäten hin-
gegen haben sich 2012 gegenüber
dem Vorjahr kaum verändert, wäh-
rend die Zahl der Kliniken sich um
1,4 Prozent auf 2017 verringerte. Die
Bettenauslastung der Krankenhäuser
verharrte bei 77 Prozent. Private
Krankenhäuser konnten ihren Markt-
anteil leicht von 16,3 auf 16,8 Pro-
zent erhöhen. Der Marktanteil öffent-
lich-rechtlicher Krankenhäuser sank
von 49,3 auf 48,8 Prozent, während
der Anteil freigemeinnütziger Häuser
konstant bei 34,4 Prozent blieb.
Folgt man der Argumentation des
Reports, gibt es vier Stellschrauben,
um die Lage auf dem deutschen Kli-
nikmarkt zu verbessern: Höhere Prei-
se für Krankenhausleistungen, mehr
Kapital für Investitionszwecke, höhe-
re Produktivität sowie Marktaustritte
von weniger produktiven Einrichtun-
gen. Höhere Preise würden sich zwar
positiv auf die wirtschaftlichen Kenn-
zahlen der Kliniken auswirken, mit-
telfristig aber negativ auf die Beitrags-
zahler der Krankenversicherungen.
Um eine nachhaltige Stabilisierung zu
erreichen, sollte daher eher an den
anderen drei Stellschrauben gedreht
werden. Maßnahmen wie die von der
CDU-SPD-Koalition
erarbeitete
„Mütterrente“ und die „Rente mit
63“ zeigen allerdings, dass in einer äl-
ter werdenden Bevölkerung Konsum
vor Investition geht. Entsprechend sei
die Gefahr groß, dass auch im Kran-
kenhausbereich Investitionen in der
Zukunft ausbleiben und sich der
Substanzabbau fortsetzt, befürchten
die Studienautoren.
Mehr Transparenz für Bürger
Die Produktivität der Kliniken ließe
sich auf drei Ebenen steigern: Auf der
Ebene des einzelnen Krankenhauses,
zweitens durch die Optimierung regi-
onaler Krankenhausstrukturen und
drittens durch die Optimierung von
Versorgungsstrukturen, die sämtliche
Leistungserbringer umfassen. Der
Zielkonflikt zwischen Qualität und
Nähe der Versorgung muss den Bür-
gern transparenter gemacht werden.
Darüber hinaus muss klar kommuni-
ziert werden, dass sie auf andere
kommunale Angebote verzichten
müssen, wenn ein dauerhaft defizitä-
res Haus mit kommunalen Mitteln
am Leben gehalten wird.
Daher fordern die Experten vehe-
ment, frisches Geld vor allem für
Schließungen und Zusammenschlüs-
se auszugeben. Danach bleiben den
Patienten ihrer Ansicht nach immer
noch genug Kliniken. Die Kranken-
hausdichte sei zu hoch und verfüge
über eine zu geringe Spezialisierung.
Größere Kliniken mit Schwerpunkten
sollen stattdessen ausgebaut werden.
Zur Finanzierung der Vorschläge for-
dern die Experten, einen Investitions-
fonds aus Mitteln der Krankenversi-
cherung oder Steuern einzurichten.
Entsprechende Überlegungen von
Bund und Ländern für die geplante
Klinikreform werden daher begrüßt.
Report: Jede dritte
Klinik mit roten Zahlen
Düster sieht es in der
Krankenhauslandschaft in
Deutschland aus. Laut
einem Report sind 250
Kliniken akut gefährdet.
Experten schlagen mehr
Geld für Schließungen und
Schwerpunktbildungen
vor – finanziert durch
Steuermittel oder einen
Investitionsfonds.
Von Sebastian Ruff
Morbide Krankenhaus-Struktur im Westen
Anteil der Klinikunternehmen mit Verlust 2021
Jahresüberschuss < 0 Jahresüberschuss >0
Mecklenburg Vorpommern
Brandenburg, Berlin
Ost-Deutschland
Sachsen
Sachsen-Anhalt,
Thüringen
Schleswig-Holstein,
Hamburg
Hessen
Gesamt
Bayern
Nordrhein-
Westfalen
West-Deutschland
Rheinland-Pfalz,
Saarland
Niedersachsen,
Bremen
Baden-
Württemberg
Quelle: Accenture / hbc / RWI
17,4%
82,6%
80,8%
79,6%
79,4%
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38,9%
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45,3%
52,5%
Grafik: BDI aktuell