Die E-Zigarette ist derzeit Gegenstand
einer sehr kontrovers geführten Debat-
te auch unter Ärzten. Der Streit um
die Deutungshoheit tobt besonders
heftig in Großbritannien, wo die Kon-
sumrate bei acht Prozent liegt. Dort
warnt die British Medical Association
(BMA) vor E-Zigaretten, während das
Royal College of Physicians (RCP)
sich für deren Gebrauch ausgespro-
chen hat. In Deutschland konsumie-
ren nur 0,5 Prozent der Bevölkerung
E-Zigaretten.
Krebsgefahr nicht ausgeschlossen
Das Deutsche Krebsforschungszen-
trum fasst in einer aktuellen Stellung-
nahme den Stand des Wissens zusam-
men: Demnach sind E-Zigaretten als
Verbraucherprodukte gesundheitlich
bedenklich, weil sie das abhängig ma-
chende Nikotin enthalten, das – neben
anderen physiologischen Wirkungen –
das Wachstum von Tumoren fördert
und im Verdacht steht, Krebs auszulö-
sen. Für E-Zigaretten-Konsumenten,
die zu häufig hintereinander tief inha-
lieren, besteht zudem die Gefahr einer
Nikotinüberdosierung.
Auch andere Inhaltsstoffe sind ge-
sundheitlich bedenklich: Das Chemi-
kaliengemisch in E-Zigaretten besteht
hauptsächlich aus Propylenglykol
und/oder Glyzerin. Bei tiefer Inhalati-
on kann das Aerosol kurzzeitige Atem-
wegsirritationen auslösen. Menschen,
die in der Unterhaltungsbranche regel-
mäßig Propylenglykol-haltigem Nebel
(Theaternebel) ausgesetzt sind, leiden
vermehrt an akuten und chronischen
Atemwegsreizungen. Manche der bei-
gemischten Aromastoffe können als
Kontaktallergene wirken.
Und schließlich enthielten mehrere
getestete Liquids und Aerosole in ge-
ringen Mengen Kanzerogene, für die
kein Schwellenwert für eine Unbe-
denklichkeit attestiert werden kann.
Eine Krebsgefährdung kann insbeson-
dere bei Dauerkonsum also nicht aus-
geschlossen werden. Ferner wird
durch die Ähnlichkeit mit Tabakziga-
retten – in Form und Gebrauch – das
Rauchritual beibehalten, sodass mögli-
cherweise das Suchtverhalten bestehen
bleibt und ein Rauchstopp erschwert
wird.
Als Ausstiegshilfe umstritten
Die meisten Konsumenten nutzen die
E-Zigarette als Hilfsmittel zum Rauch-
stopp oder wollen damit die Anzahl
gerauchter Tabakzigaretten reduzie-
ren. Die Studienlage zur Effektivität
der E-Zigarette als Hilfsmittel zum
Rauchstopp besteht aus einigen Popu-
lationsstudien und wenigen klinischen
Studien mit widersprüchlichen Ergeb-
nissen und teilweise methodologischen
Mängeln oder Beschränkungen. Die
Evidenz reicht bislang nicht aus, um
qualifizierte Aussagen zur Wirksamkeit
der E-Zigarette als Hilfsmittel zum
Rauchstopp zu treffen.
Der Großteil der E-Zigarettenkon-
sumenten nutzt gleichzeitig auch die
Tabakzigarette („dual use“). Diese
Raucher reduzieren ihren Tabakkon-
sum lediglich, statt ihn ganz aufzuge-
ben. Doch die gesundheitlichen Vor-
teile einer Reduzierung sind gering:
Zwar sinkt der Blutdruck, und Kurzat-
migkeit und Husten lassen nach.
Langfristig jedoch sterben starke Rau-
cher, die ihren Tabakkonsum reduziert
haben, ebenso häufig an Atemwegs-
und Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie
Raucher, die ihren Konsum beibehal-
ten haben.
Tatsächlich sind E-Zigaretten ledig-
lich im Vergleich mit Tabakzigaretten
weniger schädlich; nur ein vollständi-
ger Umstieg auf E-Zigaretten kann
wahrscheinlich das Gesundheitsrisiko
senken. Für Nichtraucher jedoch, die
keinerlei schädliche Substanzen inha-
lieren, bedeuten E-Zigaretten aus den
genannten Gründen eine Erhöhung
des Gesundheitsrisikos.
E-Zigaretten sind weniger
gesundheitsschädlich, aber...
Ist die E-Zigarette weniger
gesundheitsschädlich als
die Tabak-Zigarette? Oder
kann sie dabei helfen, mit
dem Rauchen aufzuhören?
Beides möglich, findet un-
sere Gastautorin vom DKFZ.
Von Dr. Martina Pötschke-Langer
Auch die E-Zigarette enthält neben Nikotin riskante Stoffe.
© PAGNACCO - FOTOLIA
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Befürchtet wird,
dass die Vermark-
tung der E-Zigarette
als Lifestyle-Pro-
dukt Rauchen
wieder salonfähig
macht.
Dr. Martina Pötschke-Langer
leitet die Stabsstelle Krebsprävention
des DKFZ in Heidelberg
Nach ihren Beobachtungen schützt die
mit der Hepatitis-B-Impfung erzielte
Immunisierung nicht nur vor Leberin-
fektionen, sondern möglicherweise
auch vor Diabetes (InFo Diabetologie
4/2014: 44).
Bei chronischen Lebererkrankun-
gen kann es zu Störungen des Gluko-
sestoffwechsels kommen. Am deut-
lichsten wird dies bei Fettlebererkran-
kungen. Aber auch eine chronische
Hepatitis-C-Infektion kann unabhän-
gig von Adipositas zu einer Insulinre-
sistenz führen. Über eine entsprechen-
de Assoziation bei Hepatitis-B-Infekti-
onen ist dagegen nichts bekannt.
Eine Arbeitsgruppe um Dr. Ken C.
Chiu aus Duarte (Kalifornien) hat
deshalb in einer Studie bei mehr als
7142 Personen das Diabetesrisiko in
Abhängigkeit vom serologischen He-
patitis-B-Status untersucht. Die in den
Jahren 2005 bis 2010 erhobenen Da-
ten stammen aus dem Forschungspro-
gramm NHANES (National Health
and Nutrition Examination Survey),
einer repräsentativen Erhebung zum
Gesundheits- und Ernährungszustand
von US-Bürgern. Die Ergebnisse der
neuen Analyse sind jüngst beim Kon-
gress der American Diabetes Associa-
tion (ADA) in San Francisco vorge-
stellt worden. Unter den Teilnehmern
waren 1412 Personen, bei denen die
Antikörper-Bestimmung offenbarte,
dass sie erfolgreich gegen Hepatitis B
geimpft, aber nicht mit dem Virus infi-
ziert waren. In dieser Subgruppe ent-
wickelten nur 16 Personen (1,1 Pro-
zent) einen Diabetes, in der Ver-
gleichsgruppe ohne eine Hepatitis-B-
Impfung waren es dagegen 325 Perso-
nen (5,7 Prozent). Die Hepatitis-B-
Impfung war demnach mit einem um
mehr als 80 Prozent niedrigeren Dia-
betesrisiko assoziiert.
Auch nach statistischen Adjustie-
rungen für Unterschiede bei den Ba-
sischarakteristika zwischen beiden
Gruppen resultierte immer noch ein
um 52 Prozent geringeres Risiko. Da
die Diabetesdiagnose allein anhand
erhöhter Nüchtern-Blutzuckerwerte
( 126 mg/dl) gestellt wurde, lässt sich
nicht sicher zwischen Typ-1- und
Typ-2-Diabetes differenzieren. Die
Autoren gehen aber aufgrund der Al-
tersstruktur des untersuchten Kollek-
tivs davon aus, dass bei den neu aufge-
tretenen Erkrankungen Typ-2-Diabe-
tes vorherrschend war. Die Studie ist
selbstverständlich noch kein definitiver
Beweis für den Diabetes-präventiven
Nutzen der Impfung. Nötig wäre dafür
eine prospektive randomisierte Studie.
Chiu et al. suchen nach Möglichkei-
ten, eine solche Studie auf den Weg zu
bringen.
(ob)
Forscher haben erstmals
Anhaltspunkte für einen
potenziellen Zusatznutzen
der Hepatitis-B-Impfung
gefunden.
Schützt HBV-Impfung auch vor Diabetes?
Weltweit sind nach Schätzungen
der WHO 130 bis 150 Millionen
Menschen chronisch mit Hepatitis
C infiziert. Die regionalen Unter-
schiede sind allerdings enorm.
Deutschland gehört mit 0,3 Prozent
zu den Niedrigprävalenz-Regionen
der Hepatitis C. Doch man muss
von einer weitaus höheren Dunkel-
ziffer ausgehen.
Während die Inzidenzrate in den
Jahren 2004 bis 2011 hierzulande
einen Trend nach unten zeigte, ist
sie derzeit relativ stabil. Den leich-
ten Anstieg bei den Erstdiagnosen
im Jahr 2013 auf 5156, gegenüber
5006 Meldungen im Vorjahr, erklä-
ren die RKI-Experten damit, dass
seit der Zulassung neuer Medika-
mente zur Behandlung der Hepati-
tis C möglicherweise mehr diagnos-
tische Tests durchgeführt würden.
Überdurchschnittlich viele Erstdia-
gnosen wurden 2013 in Hessen,
Hamburg, Sachsen, Baden-Würt-
temberg, Bayern und Berlin ge-
stellt. Die Inzidenzspanne innerhalb
der einzelnen Bundesländer reicht
von 2,7/100.000 Einwohner in
Brandenburg bis 14,8/100.000 in
Berlin. Insgesamt wurden im ver-
gangenen Jahr fast doppelt so viele
Jungen/Männer wie Mädchen/Frau-
en positiv getestet. Die meisten
männlichen Neupatienten waren
zwischen 30 und 39 Jahre alt, wäh-
rend bei den Frauen ein Häufig-
keitsgipfel in der Gruppe der 25-
bis 29-Jährigen gemeldet wurde.
Trotz aller Erfolge muss im kom-
menden Jahrzehnt, nach Einschät-
zung des RKI, mit einer deutlichen
Zunahme an Hepatitis-C-bedingten
Folgeschäden wie Leberzirrhose
oder Leberkarzinom gerechnet wer-
den. Immerhin 27 Prozent aller
Fälle von Leberzirrhose und 25
Prozent aller Fälle des hepatozellu-
lären Karzinoms werden weltweit
auf eine Hepatitis C zurückgeführt.
Therapievielfalt wird breiter
Internationale und nationale Fach-
gesellschaften empfehlen die Tri-
ple-Therapie aus PEG-Interferon,
Ribavirin und den Proteaseinhibito-
ren Boceprevir bzw. Telaprevir
nicht mehr als Standardtherapie.
Vielmehr werden die Therapien je
nach HCV-Genotyp individueller.
Zur Kombinationstherapie für die
HCV-Genotypen 1 und 4 etwa
wurde nun auch Simeprevir zuge-
lassen. Der nukleotidische Polyme-
raseinhibitor Sofosbuvir kann bei
allen HCV-Genotypen zum Einsatz
kommen. Die RKI-Experten gehen
davon aus, dass mit diesen neuen
Behandlungsmöglichkeiten nahezu
90 Prozent der Patienten geheilt
werden können. Und die erfreuli-
chen Entwicklungen bei der Hepa-
titis-C-Therapie sind damit noch
nicht am Ende: Kurz vor der Zulas-
sung bzw. in der Phase III befinden
sich weitere Proteaseinhibitoren wie
Faldaprevir, Daclatasvir, Ledipasvir
und Ombitasvir für die Kombinati-
onstherapie.
(st)
Hepatitis C:
aktuelle Lage in
Deutschland
Das Robert Koch-Institut
(RKI) hat jetzt neue Zah-
len zur Entwicklung der
Hepatitis C in Deutsch-
land veröffentlicht.
RKI-BERICHT
10
BDI aktuell
Oktober 2014