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Oktober 2014
BDI aktuell
Medizin
Bei kardiovaskulären Erkrankungen
wie KHK und Herzinsuffizienz ist
Schlafapnoe eine häufige Komorbidi-
tät. Durch Behandlung mit PAP-Beat-
mungsgeräten (PAP: positive airway
pressure), die für einen positiven
Atemwegsdruck sorgen, können die
damit verbundenen Beschwerden wie
nicht erholsamer Schlaf, Tagesschläf-
rigkeit und Konzentrations- und Leis-
tungsschwäche beseitigt oder zumin-
dest verringert werden.
Auch von prognostischem Nutzen?
Ob diese Therapie auch einen über die
Symptomverbesserung hinausgehen-
den Nutzen hat, ist bisher noch un-
klar. Informationen dazu liefert eine
Studie, deren Ergebnisse Professor
Holger Wöhrle aus Ulm beim Kon-
gress der Europäischen Gesellschaft
für Kardiologie (ESC) in Barcelona
vorgestellt hat.
In dieser Studie zeigte sich, dass die
Drei-Jahres-Mortalität bei Patienten
mit Schlafapnoe, die eine PAP-Be-
handlung erhalten hatten, signifikant
um rund ein Drittel niedriger war als
in einer Vergleichsgruppe ohne PAP-
Behandlung.
Grundlage der Studie bildeten Da-
ten zur Behandlung von Millionen
Mitgliedern von gesetzlichen Kranken-
kassen im Zeitraum zwischen 2007
und 2012. Aus diesem großen Perso-
nenkreis wurde eine Gruppe von mehr
als 4000 Patienten mit Schlafapnoe se-
lektiert, die eine PAP-Therapie erhal-
ten hatten. Derselben Datenbank ent-
stammt auch die Kontrollgruppe: Mit-
hilfe statistischer „Matching“-Verfah-
ren (Propensity Score) wurde eine
gleich große und weitgehend merk-
malsgleiche Gruppe von Schlafapnoe-
Patienten („statistische Zwillinge“) zu-
sammengestellt, die keine PAP-Be-
handlung erhalten hatten.
Drei-Jahres-Mortalität 38% niedriger
Die Patienten wurden ab Beginn der
PAP-Therapie drei Jahre lang nachbe-
obachtet. In dieser Zeit war die Mor-
talitätsrate in der PAP-behandelten
Gruppe signifikant um fast 38 Prozent
niedriger als in der nicht PAP-behan-
delten Gruppe (4,5 versus 7,2 Pro-
zent).
Auch die entsprechenden Raten bei
KHK-Patienten (6,7 versus 10,7 Pro-
zent) und bei Patienten mit Herzinsuf-
fizienz (14,7 versus 21,4 Prozent) wa-
ren in der PAP-behandelten Gruppe
jeweils signifikant um rund ein Drittel
niedriger als in der Kontrollgruppe.
Noch kein definitiver Beweis
Den Beweis, dass die PAP-Behand-
lung tatsächlich der Grund für die da-
mit assoziierte niedrigere Mortalität
ist, kann die Studie aufgrund der be-
kannten Limitierungen retrospektiver
Analysen nicht erbringen. Wöhrle wer-
tete ihre Ergebnisse aber als „robustes
Signal“ für einen möglichen prognosti-
schen Nutzen. Der müsse allerdings
noch durch prospektive randomisierte
Studien bestätigt werden.
Eine solche Studie – mit dem Akro-
nym SERVE-HF – wird derzeit bei
1325 Patienten mit Herzinsuffizienz
und überwiegend zentraler Schlafap-
noe in Europa, darunter auch
Deutschland, und Australien durchge-
führt. Als primäres Ziel dieser rando-
misierten, kontrollierten, internationa-
len, multizentrischen Studie soll unter-
sucht werden, ob die Behandlung von
CSA-CSR mit der proprietären Pace-
Wave
TM
Minute Ventilation ASV-
Technologie des Martinsrieder Unter-
nehmens ResMed (auf der die Geräte
AutoSet CS™ und VPAP™ Adapt ba-
sieren) zur Steigerung der Überlebens-
rate und Reduzierung der Belastung
dieser Patientengruppe durch Kran-
kenhausaufenthalte beiträgt. Die Er-
gebnisse werden für 2015 erwar-
tet.
(ob)
Durch Behandlung einer
bestehenden Schlafapnoe
lässt sich möglicherweise
nicht nur die Lebensquali-
tät von Patienten mit KHK
oder Herzinsuffizienz ver-
bessern. Die Therapie könn-
te auch deren Leben verlän-
gern, so die Ergebnisse
einer retrospektiven Studie.
Schlafapnoe: erste Hinweise auf
Prognoseverbesserung
Von Peter Overbeck
Für eine Beatmungstherapie bei Schlafapnoe wird dem Patienten eine Beatmungsmaske angepasst.
© MATHIAS ERNERT, UNIVERSITÄTS-HN
niedriger war die
Mortalitätsrate in
der PAP-behandelten Gruppe
im
Vergleich zur Kontrollgruppe wäh-
rend des dreijährigen Follow-up.
Schon die zweite Studie zeigt einen
massiven Prognosevorteil bei Infarkt-
patienten mit koronarer Mehrgefäßer-
krankung, wenn sofort alle relevanten
Koronarstenosen statt nur die Infarkt-
arterie behandelt werden.
Mehrgefäßeingriff im Vorteil?
Die aktuellen Leitlinien der internatio-
nal maßgeblichen kardiologischen
Fachgesellschaften ESC, ACC und
AHA empfehlen, im Rahmen einer
Akut-PCI beim ST-Hebungsinfarkt
nur die Infarktarterie zu behandeln.
Der Vorteil dieses Vorgehens liegt in
der kurzen Eingriffszeit und dem kla-
ren Fokus auf die Infarktursache. Wei-
tere relevante Gefäßverengungen, die
bei 30 bis 40 Prozent aller Infarkt-Pa-
tienten vorliegen, können in einem
späteren Eingriff behandelt werden.
Dieses Vorgehen wurde erstmals
von den Ergebnissen der im vergange-
nen Jahr publizierten PRAMI-Studie
infrage gestellt (Wald DS et al. N Engl
J Med 2013;369: 1115–23). Durch die
sofortige Mitbehandlung anderer Ste-
nosen konnte das Risiko für weitere
klinische Komplikationen, darunter
harte Endpunkte wie nicht-tödliche
und tödliche Infarkte, um etwa zwei
Drittel reduziert werden.
In die gleiche Richtung weist auch
eine kürzlich publizierte Meta-Analyse
(Brainey KR et al. Am Heart J 2014;
167:1-14e2): Sie beschreibt ebenfalls
einen Überlebensvorteil, wenn bei In-
farkt-Patienten mit Mehrgefäßerkran-
kung gleich umfassende Koronarrepa-
raturen vorgenommen werden.
Nun liegt mit der offenen, aber ran-
domisierten britischen CvLPRIT-Stu-
die eine weitere Studie vor, welche bei
296 STEMI-Patienten die selektive
Behandlung des Infarktgefäßes mit der
kompletten Behandlung aller relevan-
ten Stenosen vergleicht. Die Mehrge-
fäßbehandlung erfolgte vorzugsweise
in der gleichen Sitzung, auf jeden Fall
aber noch während der initialen Kran-
kenhausbehandlung.
Komplikationsrisiko sinkt um 55%
Die umfassendere Behandlung ging
mit einer längeren Behandlungszeit
(im Durchschnitt 55 versus 41 Minu-
ten) und einer vermehrten Gabe von
mehr Kontrastmittel (250 versus 190
ml) einher.
Dies hatte aber keinen Exzess von
Schlaganfällen, Blutungskomplikatio-
nen oder kontrastmittelbedingten Nie-
renschäden zur Folge, berichtete Stu-
dienautor Professor Anthony Ger-
shlick vom Glenfield Universitätskran-
kenhaus in Leicester auf dem ESC-
Jahreskongress in Barcelona.
Nach einem Jahr hatten die
komplett revaskularisierten Patienten
signifikant weniger klinische Kompli-
kationen erlitten. Das Risiko für
schwere kardiovaskuläre Komplikatio-
nen (MACE) sank von 21,2 auf 10
Prozent (HR 0,45), wobei die Diffe-
renz bereits in den ersten 30 Tagen
deutlich zutage trat. Zwei versus sechs
Patienten verstarben, ein numerischer
Vorteil für den umfassenden Eingriff.
Das 1-Jahres-Risiko für Tod, Infarkt
oder Herzinsuffizienz lag bei fünf ver-
sus 13 Prozent.
Änderung der Leitlinien?
Nachdem sich nun die Belege für den
Mehrgefäßeingriff beim akuten ST-
Hebungsinfarkt mehren, sieht Ger-
shlick, der die CvLPRIT-Studie leite-
te, die Zeit für gekommen, um darü-
ber nachzudenken, ob die Leitlinien
nicht entsprechend geändert werden
sollten.
(de)
In der Akutbehandlung des
ST-Hebungs-Infarktes ist
ein Umdenken erforderlich.
CvLPRIT: Akutbehandlung aller Stenosen
Diesen Zusammenhang zeigen die
Ergebnisse aus der PEP Family
Heart Study, die Professor Peter
Schwandt von der LMU München
beim ESC-Kongress in Barcelona
vorgestellt hat.
Übergewicht ist eine Hauptursa-
che von kardiovaskulären Erkran-
kungen und nimmt in den meisten
Ländern mit hohem und mittlerem
Einkommen weiter zu. Ausgewertet
wurden die Daten von 22.051 jun-
gen Menschen zwischen drei und
18 Jahren im Prevention Education
Program (PEP) der Family Heart
Study, einer Nürnberger Beobach-
tungsstudie aus den Jahren 1994 bis
2008. Im Fokus stand die Frage
nach dem Zusammenhang von
Körperfettverteilung und Hyperto-
nie.
Bei allen Teilnehmern wurden
Blutdruck, Body Mass Index
(BMI), Taillenumfang, Verhältnis
von Taillenumfang zu Körpergröße,
Hautfaltendicke (SFT) und prozen-
tualer Körperfettgehalt (BF) ge-
messen. Diese Werte sind einfach,
risikofrei und kostengünstig zu er-
mitteln, müssen aber alters- und ge-
schlechtsspezifisch ausgewertet wer-
den, so Schwandt.
Mit dem BMI steigt das Risiko
Im Vergleich mit normalgewichti-
gen Kindern und Jugendlichen
zeigte sich bei Gleichaltrigen mit ei-
nem erhöhten BMI ein signifikant
größeres Prähypertonie-Risiko: Bei
Jungen und Mädchen mit Überge-
wicht um den Faktor 1,6 bzw. 1,8
und bei adipösen Jungen und um
den Faktor 2,4 bzw. 3,3 bei Mäd-
chen.
Noch stärker war ein ungünsti-
ges Fettverteilungsmuster mit dem
Risiko für Bluthochdruck assoziiert,
dabei ergab sich für adipöse männ-
liche Kinder und Jugendliche eine
4,3-fache und für weibliche Kinder
und Jugendliche eine 5,9-fache Er-
höhung des Risikos.
Die Prävalenz für Prähyperto-
nie/Hypertonie stieg mit dem Kör-
pergewicht und lag für Normalge-
wichtige, Übergewichtige und Adi-
pöse bei 13,2/5,7, 18,3/10,4 und
21,9/18,6 Prozent bei Jungen und
12,9/5,0, 18,7/9,1 und 24,9/24,4
Prozent bei Mädchen.
Gewichtsreduktion kann helfen
Die Zunahme des Hypertonie-Risi-
kos korrelierte ebenfalls mit zuneh-
mender Hautfaltendicke, einem hö-
heren prozentualen Körperfettanteil
und mehr abdominellem Fett. Al-
lerdings ist im Gegensatz zu Daten
von Erwachsenen abdominelles
Fett bei Jüngeren kein größerer Ri-
sikofaktor als starkes Übergewicht
insgesamt.
Schwandt betonte auf dem Kon-
gress, dass bei den steigenden Prä-
valenzen von Übergewicht und Hy-
pertonie in der Bevölkerung und
dem klaren Zusammenhang dieser
beiden Faktoren schon bei jungen
Menschen jede Form von Ge-
wichtsreduktion durch einen gesün-
deren Lebensstil hilfreich ist, um
das Bluthochdruckrisiko zu redu-
zieren.
(ufo)
Übergewicht bei
Kindern ist ein
Risikofaktor
Übergewichtige oder fett-
leibige Kinder und
Jugendliche haben ein
deutlich höheres Risiko
für Bluthochdruck als
Gleichaltrige mit einem
normalen Körpergewicht.
HYPERTONIE
1...,4,5,6,7,8,9,10,11,12,13 15,16,17,18,19,20,21,22,23,...24
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