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08/2026 - Hitzeschutz: Verantwortungsvolles Handeln gehört zur internistischen Qualitätsmedizin

Hitzewellen sind die tödlichste Wetterlage in Deutschland. Das Robert Koch-Institut schätzte für den Sommer 2023 rund 3.100 und für 2024 rund 2.800 hitzebedingte Sterbefälle; im Rekordsommer 2018 waren es etwa 8.500. Betroffen sind ganz überwiegend Menschen über 75 Jahre mit kardiovaskulären, renalen, respiratorischen oder neurodegenerativen Erkrankungen – also die Kernklientel der Inneren Medizin. Hitzeschutz ist damit nicht nur ein Umwelt-, sondern auch ein klinisches Thema und angewandte internistische Prävention.

Seit Inkrafttreten des Bundes-Klimaanpassungsgesetzes (Juli 2024) und mit den Bundes-Musterhitzeschutzplänen für Krankenhäuser besteht ein klarer Handlungsrahmen. Entscheidend ist die Umsetzung im Alltag: Hitzeschutz gelingt nicht über Appelle, sondern über wenige, klar hinterlegte Standardarbeitsanweisungen (für den Klinikbereich SOPs, für den ambulanten Sektor ein KV-validierter Hitzeschutzplan).

Besonders vulnerabel sind hochbetagte, multimorbide, immobile, kognitiv eingeschränkte sowie herz-, nieren- und lungenkranke Patient:innen; hinzu kommen Menschen unter diuretischer, antihypertensiver, anticholinerger oder neuroleptischer Therapie. Klinisch reicht das Spektrum von der Hitzeerschöpfung (Schwäche, Kopfschmerz, Orthostase, Tachykardie bei erhaltener Vigilanz) bis zum lebensbedrohlichen Hitzschlag. Häufig sind zudem Exsikkose-assoziierte Hyponatriämie, akute Nierenschädigung und Synkopen mit Sturzfolgen.

Viele internistische Standardmedikamente erhöhen bei Hitze das Risiko für Exsikkose, Elektrolytentgleisung, Nierenschädigung oder gestörte Thermoregulation. Ein kurzer, strukturierter Medikamenten-Review ist der wirksamste Einzelschritt. Anpassungen erfolgen stets ärztlich und individuell – nie pauschal. Zu den wichtigsten pharmakologischen Gruppen gehören; Diuretika, Antihypertensiva (ACE-Hemmer, AT-1-Blocker), SGLT-2-Inhibitoren, Anticholinergika, Neuroleptika, sedierende Antihistaminika, Benzodiazepine, Opioide, Transdermale Systeme („Fentanyl-Pflaster“).

Der Deutsche Wetterdienst (DWD) warnt zweistufig – „starke Wärmebelastung“ (Stufe 1) und „extreme Wärmebelastung“ (Stufe 2), ergänzt um den Hinweis auf Tropennächte. So sind beispielsweise bei Stufe 1 wichtig: aktives Trinkmanagement und gezielte Medikamentenberatung, bei Stufe 2 Kontrolle von Risikopatienten ambulant wie stationär und aktive Kühlung so weit verfügbar. Wenige, klare Botschaften wirken: ausreichend und über den Tag verteilt trinken (bei Herz-/Niereninsuffizienz nach ärztlicher Vorgabe), körperliche Belastung meiden (vor allem in den Hitzestunden des Tages), Medikamente nicht eigenmächtig absetzen, sondern Rücksprache halten. Ausliegende Info-Flyer (KLUG, RKI) erleichtern die Patientenkommunikation.

Der BDI empfiehlt jeder internistischen Praxis und Klinik:

  • einen schriftlichen, gestuften Hitzeschutzplan mit benannter Verantwortung
  • einen verbindlichen Medikamenten-Review bei Hitzewarnung
  • Trinkmanagement und kühles Raumklima als Standard für Risikopatient:innen
  • eine jährliche Protokollierung und Auswertung besonderer Vorfälle in der jeweiligen Institution.

Roter Faden Hitzschlag

Warnzeichen: Kerntemperatur > 40 °C mit ZNS-Symptomatik (Verwirrtheit, Krampf, Bewusstseinstrübung).

Sofort: aktive Kühlung (kalte Umschläge/Kühlpacks an Leiste, Axilla, Hals; wenn möglich Kaltwasser-Immersion), Volumen i. v., Monitoring, umgehende Intensiv-/Notfallversorgung. „Cool first, transport second.“