Praxen, Bereitschaftsdienst, Rettungsdienst und Krankenhäuser müssen verbindlicher zusammenarbeiten. Ambulante Behandlung soll dort erfolgen, wo sie medizinisch geeignet und tatsächlich verfügbar ist. Stationäre Ressourcen müssen für Menschen bereitstehen, die sie benötigen. Beide Aufgaben gehören zusammen.
Internistische Notfälle zeigen die Grenzen organisatorischer Lösungen. Atemnot, Schwäche oder Verwirrtheit erlauben zunächst keine sichere Zuordnung. Dahinter können Herzinsuffizienz, eine Infektion oder eine Stoffwechselentgleisung stehen. Bei älteren Menschen kommen Multimorbidität, Polypharmazie und eingeschränkte Selbstständigkeit hinzu. Die Versorgung braucht deshalb internistische Breite und die Möglichkeit, Diagnostik, Überwachung und Behandlung rasch zu verbinden.
Eine standardisierte Ersteinschätzung ist dabei hilfreich. Sie ersetzt aber keine Diagnose. Eine niedrige Dringlichkeit bedeutet nicht automatisch, dass ein Patient ohne weitere Abklärung ambulant behandelt werden kann. Nötig sind qualifiziertes Personal, ärztliche Rücksprache und erneute Bewertung bei Veränderungen. Die Wahl des Versorgungsortes muss medizinisch begründet bleiben.
Der BDI unterstützt die Vernetzung und das Modell der Integrierten Notfallzentren. Seine Forderung nach gemeinsamer Leitung und sektorneutraler Steuerung bleibt wichtig. Krankenhaus und Vertragsärzteschaft müssen ihre Kompetenzen einbringen. Zuständigkeiten, Übergaben und Verantwortung sind gemeinsam festzulegen. Wirtschaftliche Interessen dürfen die Entscheidung über den Behandlungspfad nicht bestimmen.
Entlastung entsteht erst, wenn eine Weiterleitung zuverlässig funktioniert. Dazu gehören verfügbare Termine, erreichbare Ansprechpartner und die Übergabe relevanter Befunde. Ein älterer Mensch, der nach einer telefonischen Einschätzung keine geeignete Praxis erreicht, wird erneut Hilfe suchen. Digitalisierung muss Versorgungslücken sichtbar machen und die Zusammenarbeit erleichtern. Eine zusätzliche Dokumentationspflicht allein hilft nicht.
Überfüllte Notaufnahmen haben weitere Ursachen. Patienten warten dort ebenfalls, weil auf Station oder in der Überwachung kein geeigneter Platz verfügbar ist. Verzögerte Entlassungen und fehlende Anschlussversorgung verstärken den Engpass. Die Reform muss deshalb den gesamten Weg von der Erstaufnahme bis zur Weiterbehandlung berücksichtigen. Nur den Zugang zur Notaufnahme neu zu ordnen, greift zu kurz.
Internistische Kompetenz ist dabei Vorhalteleistung. Ärztliche Präsenz, Pflege, Labor, Bildgebung und Überwachung müssen auch nachts verfügbar sein. Diese Strukturen kosten unabhängig von der Kontaktzahl. Zusätzliche Aufgaben brauchen eine verlässliche Finanzierung. Das gilt für Praxen und Bereitschaftsdienste ebenso wie für Krankenhäuser. Eine Aufgabenverlagerung ohne Personal und Mittel verschiebt die Überlastung.
Standortplanung und Krankenhausreform müssen zusammenpassen. Ein Notfallzentrum benötigt die diagnostische und therapeutische Leistungsfähigkeit seines Krankenhauses. Leistungsgruppen dürfen deshalb nicht isoliert vom regionalen Notfallbedarf geplant werden. Für kleinere Standorte braucht es belastbare Kooperationen und sichere Verlegungswege. Für größere Zentren müssen zusätzliche Belastungen eingeplant werden.
Auch Weiterbildung gehört zur Umsetzung. Neue Organisationsformen dürfen nicht dazu führen, dass junge Kolleginnen und Kollegen komplexe Entscheidungen ohne ausreichende Anleitung treffen. Fachärztliche Supervision und geschützte Weiterbildungszeit müssen Teil der Personalplanung sein.
Die AG Internistinnen und Internisten im Krankenhaus sieht hier einen konkreten Auftrag: internistische Kompetenz sichern, ambulante und stationäre Behandlung verbindlich verknüpfen und zusätzliche Pflichten vollständig hinterlegen. Entscheidend sind kürzere Behandlungsverzögerungen, sichere Übergaben und weniger vermeidbare Wiedervorstellungen. Eine sinkende Zahl von Notaufnahmekontakten allein belegt noch keine bessere Versorgung.
Von Prof. Dr. Michael Buerke, Vorsitzender, AG Internistinnen und Internisten im Krankenhaus im BDI, Siegen