Überleben Patienten eine Krebser-
krankung, haben sie danach häufig mit
den Folgen der Chemotherapie zu
kämpfen, etwa wenn Krebsmedika-
mente kardiale Dysfunktionen verur-
sachen. Solche kardiotoxischen Kom-
plikationen gilt es frühzeitig zu erken-
nen. Die American Society of Echo-
cardiography und die European Asso-
ciation of Cardiovascular Imaging ha-
ben nun in einem Konsensuspapier
Empfehlungen ausgesprochen, welche
Methoden sich bei Krebspatienten
vor, während und nach einer kardioto-
xischen Chemotherapie zur Beurtei-
lung kardialer Parameter eignen (J Am
Society
of
Echocardiography
2014:27:911-39)
Die Autoren sprechen sich darin für
ein ganzheitliches Vorgehen aus, das
bildgebende Verfahren und die Analy-
se von Biomarkern beinhalten sollte.
Die Echokardiografie stellt den Exper-
ten zufolge den Eckpfeiler für die bild-
gebende Untersuchung kardialer
Strukturen dar und sollte deshalb vor,
während und nach der Chemotherapie
erfolgen. Diese Untersuchung sei flä-
chendeckend verfügbar, leicht zu wie-
derholen, vielseitig einsetzbar, komme
ohne Strahlenbelastung aus und sei
auch bei Patienten mit begleitenden
Nierenerkrankungen sicher anwend-
bar. Als tumortherapie-spezifische kar-
diale Dysfunktion (Cancer Therapeu-
tics–Related Cardiac Dysfunction,
CTRCD) definieren die Experten eine
Senkung der linksventrikulären Ejekti-
onsfraktion (LVEF) um mehr als zehn
Prozentpunkte auf einen Wert unter
53 Prozent.
Ein kardiales Assessment sei für alle
Patienten zu empfehlen, bei denen ei-
ne kardiotoxische Chemotherapie be-
gonnen wird, besonders für solche Pa-
tienten, die schon kardiovaskuläre Er-
krankungen oder linkventrikuläre Dys-
funktionen hatten, die über 65 Jahre
alt sind, und wenn eine höhere Dosis
als 350 mg/m² eines kardiotoxischen
Medikaments oder eine Kombination
aus zwei Krebsmedikamenten einge-
setzt wird. Sinnvoll für dieses „Baseli-
ne Assessment“ ist den Autoren zufol-
ge eine Elektrokardiografie, mit der
sich potenzielle kardiale Rhythmusstö-
rungen und Ischämien detektieren las-
sen sowie der Einsatz eines bildgeben-
den Verfahrens, um kardiale Struktur
und Funktion zu beurteilen.
Die LVEF solle mit der bestmögli-
chen im Echokardiografie-Labor ver-
fügbaren Methode gemessen werden,
idealweiser mit einem 3D-Echo, füh-
ren sie weiter aus. Zudem empfehlen
sie die Messung eines myokardialer
Verformungsparameters, des global
longitudinal strain (GLS), um subkli-
nische linksventrikuläre Dysfunktio-
nen beurteilen zu können und/oder ei-
ne Analyse der Troponin-Level. Bei
LVEF unter 53 Prozent, bei abnorma-
len GLS oder erhöhten Troponin-Le-
vel müsse man einen Kardiologen hin-
zuziehen, so die Autoren. Die einzel-
nen Messungen gilt es, je nach Art der
Chemotherapie und Dosis nach einer
bestimmten Zeit zu wiederholen.
(vsc)
Um kardiotoxische Folgen
einer Chemotherapie früh
zu erkennen, sollte eine
Echokardiografie bei mög-
lichst allen Krebspatienten
durchgeführt werden. Das
empfehlen zwei Fachgesell-
schaften in einem Konsen-
suspapier.
Echokardiografie bei Krebspatienten
10
BDI aktuell
Dezember 2014
Das Spektrum funktioneller MRT-
Untersuchungen wird ständig brei-
ter. Eine der ersten derartigen
Techniken war die sogenannte
BOLD-MRT. BOLD steht für
Blood Oxygen Level Determinati-
on, also die Bestimmung des
Sauerstoffgehalts im Gewebe mit-
hilfe des magnetisch nachweisbaren
Verhältnisses von oxygeniertem zu
desoxygeniertem Hämoglobin.
Studie zu Effekten von Kochsalz
Professor Bruno Vogt, Radiologe
am Inselspital Bern, berichtete
beim Nephrologen-Kongress in
Berlin über Arbeiten zum Stellen-
wert der BOLD-MRT bei Nieren-
krankheiten. Gut geeignet sei sie
zur Klärung physiologischer und
pathophysiologischer Fragen. Hier
analysieren die Radiologen in erster
Linie die Durchblutung der
Medulla, weniger die des Nieren-
kortex. Die Sauerstoffversorgung
der Medulla ist beim Menschen
schon von Hause aus knapp kalku-
liert. Entsprechend deutlich fällt bei
einer von außen induzierten Verän-
derung der Sauerstoffversorgung
das BOLD-MRT-Signal aus.
Eine Untersuchung beschäftigte
sich mit dem Effekt von Kochsalz:
„Wir konnten zeigen, dass die Oxy-
genierung der Medulla bei hoher
Salzaufnahme schlechter ist“, be-
richtet Vogt. Besonders ungünstig
war die Kombination aus hoher
Salzaufnahme und Bluthochdruck.
Erfreut zeigen sich Nieren hinge-
gen, wenn ihr Träger dunkle Scho-
kolade zu sich nimmt. „Anders als
bei weißer Schokolade verbessert
dunkle Schokolade die Oxygenie-
rung deutlich“, erklärt Vogt. Dieser
Effekt korreliert mit dem Gehalt an
Epicatechinen, also jenen Bitter-
stoffen, die für die günstigen Effek-
te dunkler Schokolade auf das En-
dothel verantwortlich gemacht wer-
den.
Probleme in puncto Nierenkortex
Bei klinisch relevanten Fragestel-
lungen hat die BOLD-MRT der
Niere dagegen bisher nicht über-
zeugt. Das lag vor allem daran, dass
das Verfahren nicht sensitiv genug
ist, um kleine Veränderungen der
Oxygenierung speziell am Nieren-
kortex nachweisen zu können. So
hatten die Berner Radiologen kei-
nen Erfolg bei ihren Versuchen,
mittels BOLD-MRT die Relevanz
einer Nierenarterienstenose abzu-
schätzen. Und auch die noch lau-
fende LauBOLD-Studie zur Beur-
teilung der chronischen Nierenin-
suffizienz konnte bisher keine Än-
derung des BOLD-Signals im
Krankheitsverlauf demonstrieren.
Was die klinische Nierendiag-
nostik angeht, hält Vogt mittlerwei-
le andere funktionelle MRT-Verfah-
ren für vielversprechender. Insbe-
sondere die allerdings aufwändige
13C-Fumarat-Spektroskopie könn-
te neue diagnostische Türen aufsto-
ßen.
(gvg)
Durchblutung
der Medulla
im Fokus
FUNKTIONELLE MRT
Die funktionelle MRT-
Diagnostik ist an der Nie-
re bisher kaum etabliert.
Doch das könnte sich mit
neuen Methoden ändern.
Das Kenema Government Hospital in
der östlichen Provinz von Sierra Leone
verfügt über eine Infrastruktur, die ei-
ne klinische und labormedizinische
Studie zu Ebola ermöglichte. So konn-
ten Ärzte der Klinik bei 106 Ebola-Pa-
tienten, die zwischen dem 25. Mai
und 18. Juni dorthin zur Behandlung
kamen, internistische Befunde und
Labordaten erheben, etwa Elektrolyte,
Harnstoff, Kreatinin, Alanin- und
Aspartat-Aminotransferase
(ALT,
AST) sowie per quantitativer Rever-
se-Transkriptase-Polymerasekettenre-
aktion die Menge an Ebolavirus
EBOV, Spezies Zaire.
Nur bei einem von rund hundert
Teilnehmern waren Blutungen aufge-
treten, berichten die Ärzte. Auch das
als Hauptsymptom geltende Fieber
kam zwar sehr häufig vor, aber eben
nicht bei allen Erkrankten. Auffallend
außerdem: die unterschiedlichen
Sterblichkeitsraten bei jungen und al-
ten Patienten (NEJM 2014; online 29.
Oktober).
Die Inkubationszeit wurde auf
sechs bis zwölf Tage geschätzt. Im
Mittel stellten sich die Patienten rund
sechs Tage nach Beginn der Sympto-
me in der Klinik vor: 89 Prozent mit
Fieber, 80 Prozent mit Kopfschmer-
zen, 66 Prozent mit Schwäche, 60
Prozent mit Schwindel, rund die Hälf-
te mit Diarrhoe, 40 Prozent mit
Bauchschmerzen, 34 Prozent mit Er-
brechen und 31 Prozent mit Konjunk-
tivitis. Wer überlebte, blieb im Mittel
15 Tage, wer nicht, starb nach 10 Ta-
gen. Behandelt wurden die Patienten
durchgängig mit intravenösen Infusio-
nen und Antibiotika.
Insgesamt betrug die Sterblichkeits-
rate 74 Prozent, doch hatten Patienten
über 45 Jahre wesentlich schlechtere
Chancen als jene unter 21 Jahren (94
Prozent versus 57 Prozent). Unter-
schiede bei Männern und Frauen lie-
ßen sich nicht feststellen. Zu den Pati-
enten gehörte auch eine Schwangere,
die kurz vor der Diagnose eine Fehlge-
burt hatte, berichten die Ärzte. Wie
sich herausstellte, lassen sich mehrere
Parameter zum Abschätzen der Prog-
nose nutzen:
Viruslast: Patienten mit weniger als
100000 EBOV-Kopien pro Milliliter
Serum zu Beginn hatten eine Mortali-
tätsrate von 33 Prozent, jene mit mehr
als 10 Millionen von 94 Prozent.
Diarrhoe: 94 Prozent der Patienten
mit diesem Symptom starben, dage-
gen 65 Prozent der Patienten ohne
Durchfall. Weitere ungünstige Symp-
tome waren Schwäche und Schwindel.
Fieber: Überlebende hatten eine ge-
ringere mittlere Temperatur als die
Nicht-Überlebenden.
Metabolische Störungen: Hohe
Spiegel an Kreatinin, Harnstoff und
Leberenzymen waren mit hoher
Sterblichkeit assoziiert, normale oder
sinkende Werte zeigten eine Besse-
rung an. Bei Patienten, die starben,
stiegen diese Spiegel im Zeitverlauf,
ein Zeichen für die Dehydration und
die sich verschlechternde Leber- und
Nierenfunktion, die nach Aussage der
Ärzte wesentlich zur schlechten Prog-
nose beitragen. Die Laborwerte erwie-
sen sich auch als differenzialdiagnos-
tisch bedeutsam: Für Ebola war im
Vergleich zu Patienten mit Fieber, die
Ebola-negativ getestet wurden, eine
starke Erhöhung typisch.
Eine Kasuistik zum Ebola-Patienten am
UKE finden Sie auf
Seite 15
.
Hämorrhagisches Fieber – doch
Blutungen sind selten
Ebola wird als hämorrhagi-
sches Fieber bezeichnet
und löst bei Versuchstieren
Gerinnungsstörungen aus.
Doch beim gegenwärtigen
Ausbruch in Westafrika sind
Blutungen selten.
Von Angela Speth
Während der Ebola-Epidemie trägt ein Mann seinen kranken Bruder in die Hauptstadt Monrovia. Junge Ebola-Patienten haben ver-
gleichsweise gute Überlebenschancen.
© AHMED JALLANZO / EPA / DPA
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der Patienten über 45 Jahre
in der klinischen Studie aus Sierra
Leone starben. Bei Patienten
unter 21 Jahren war die Sterblich-
keitsrate mit 57 Prozent deutlich
geringer.