Die erfolgreiche Behandlung des Ebo-
la-Patienten am Uniklinikum Ham-
burg-Eppendorf zeige exemplarisch,
dass auch Erkrankte in Westafrika mit
der besten unterstützenden Therapie
ohne Intensivmedizin gute Überle-
benschancen hätten. Diese Lehre zie-
hen seine Ärzte um Professor Stefan
Schmiedel. Der als geheilt entlassene
36-jährige WHO-Mitarbeiter hatte sie
von der Schweigepflicht entbunden,
sodass sie seine Krankheitsgeschichte
am UKE vorstellen konnten. Zugleich
wurde sie publiziert (NEJM 2014, on-
line 23. Oktober).
Die Therapie hielt Überraschungen
bereit: Zum einen war der Flüssig-
keitsverlust über den Stuhl enorm (am
elften Tag mehr als acht Liter), was für
drei Tage eine Substitution von fast
zehn Litern täglich erforderte. Zum
anderen machte der Patient eine Sep-
sis mit Atemversagen durch. Diese
Komplikation könnte entscheidend
zur hohen Sterberate beitragen. Inte-
ressant war auch die lange Ausschei-
dung von Viren im Urin.
Wie die Ärzte erläuterten, war der
Patient am 27. August von Sierra Leo-
ne nach Hamburg geflogen worden.
Es war sein zehnter Krankheitstag; so
lange hatte es gedauert, bis die Geneh-
migungen vorlagen. Da die Krankheit
bereits fortgeschritten war, entschie-
den sich die Ärzte für die bestmögliche
intensivmedizinische Unterstützung
ohne experimentelle Therapie.
Bei der Ankunft war der Mann kli-
nisch stabil, wach und voll orientiert.
Wegen des starken Flüssigkeitsverlusts
durch die Diarrhoe bestand die erste
Maßnahme darin, über einen i.v.-Zu-
gang den Flüssigkeits- und Elektrolyt-
haushalt zu gewährleisten, da die Ärzte
das Risiko eines hypovolämischen
Schocks als hoch einschätzten. Orale
Flüssigkeitszufuhr war wegen heftiger
Übelkeit und Erbrechen unmöglich.
Im Ultraschall zeigte sich eine voll-
ständige Atonie des Magen-Darm-
Trakts, weshalb eine parenterale Er-
nährung begonnen wurde. Die anfangs
sehr hohe Viruslast sank ab der Klinik-
aufnahme, die ebola-spezifischen Anti-
köpertiter stiegen stetig. Das Erbre-
chen hörte am 13. Tag auf, die starken
Durchfälle am 15. Tag.
Dennoch setzte am 13. Tag eine
drastische Verschlechterung ein mit
40°C Fieber und erhöhten Entzün-
dungsparametern bis hin zu Enzepha-
lopathie mit Delirium sowie Atemver-
sagen, das eine Beatmung nötig mach-
te. Ursache: Sepsis mit gram-negati-
ven Bakterien, die gegen übliche Anti-
biotika resistent waren und erst auf
Meropenem ansprachen. Die Keime
waren durch ein Leck der Darmbarrie-
re als Folge der starken Entzündung
ins Blut gedrungen. Ab Tag 17 besser-
te sich der Zustand, ab Tag 18 war in
Plasma, Speichel, Sputum und Stuhl
kein Virus mehr nachweisbar, im Urin
noch bis Tag 31, im Schweiß sogar bis
Tag 40. Der Patient wurde entlassen,
nachdem Tests sämtlicher Körperflüs-
sigkeiten für 20 Tage keine Virusparti-
kel mehr ergaben.
Kasuistik: Hamburger Ebola-Patient
Durch einfache Maßnah-
men wie Ausgleich des
enormen Flüssigkeits-
verlusts und parenterale
Ernährung könnte die
Sterblichkeit bei Ebola
deutlich gesenkt werden.
Von Angela Speth
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Dezember 2014
15
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