Ende März soll die Finanzkommission Gesundheit des Bundesministeriums für Gesundheit (BMG) erste Maßnahmen für Strukturreformen und Einsparungen vorlegen, um die Beiträge in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) zu stabilisieren.
„Die ambulante Versorgung macht rund 90 Prozent der gesamten medizinischen Versorgung aus. Sie muss gestärkt werden, um teure Krankenhausaufenthalte zu reduzieren und somit weitere Kosten im Gesundheitssystem zu vermeiden. Wir sind die Gatekeeper im System“, mahnt Dr. Norbert Smetak, Vorsitzender von MEDI GENO Deutschland und aktueller Sprecher der Allianz Deutscher Ärzteverbände.
Die Allianz fordert, bei der Einführung des geplanten Primärarztmodells auch eine finanzielle Beteiligung der Patientinnen und Patienten beispielsweise für Zusatzleistungen oder für den direkten Zugang zur Facharztpraxis zu erwägen – analog zu den Eigenbeteiligungen in der stationären Versorgung. Eine Wiedereinführung der Praxisgebühr könnte hingegen zu einem hohen Praxisverwaltungsaufwand führen. Zudem müssen fachärztliche Leistungen entbudgetiert werden, wenn Primärarztpraxen künftig an Facharztpraxen überweisen.
„Wir sehen in der ambulanten Versorgung keinerlei Einsparpotenzial – im Gegenteil. Wir haben mehrere Tausend unbesetzte Vertragsarztsitze in Deutschland, Tendenz steigend. Die eigene Praxis muss wieder attraktiv werden, um die ambulante Versorgung nachhaltig zu sichern, aber auch um die Ambulantisierung weiter voranzutreiben“, betont Smetak.
Dabei müsse bei zunehmender Ambulantisierung auch durch Hybrid-DRG endlich ein tragfähiges Konzept der Weiterbildungsfinanzierung in ambulanten Facharztstrukturen angegangen werden. Einige Weiterbildungen seien in den Kliniken künftig nicht mehr möglich, weil bestimmte Leistungsgruppen wegfielen.
Die Allianz der Deutschen Ärzteverbände weist zudem auf Rekordwerte bei den GKV-Arzneimittelkosten hin. Hochpreisige Medikamente dürften nicht zulasten der Versorgungsqualität in der Niederlassung gehen. Eine faire Ressourcenverteilung fordere klare Kriterien statt pauschaler Sparmechanismen.
Smetak hebt die erfolgreich etablierten Haus- und Facharztverträge in Baden-Württemberg hervor– als bundesweite Blaupause für innovative Versorgung: „Unsere Studien belegen eindeutig eine bessere Patientensteuerung, geringere Krankenhauseinweisungen und eine reduzierte Mortalität. Es liegen effiziente Lösungen auf der Hand, wir brauchen kein Sparprogramm.“
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