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Wenig hilfreich • Sparideen am Ziel vorbei

© Phil Dera

Um die Gesundheitskosten im Zaum zu halten, arbeitet die von Gesundheitsministerin Warken eingesetzte GKV-Finanzkommission fieberhaft an Lösungsvorschlägen. Erste Vorschläge sollen im März 2026 präsentiert werden. Denn trotz aller politischen Bemühungen ist es nicht gelungen, die Beiträge für die gesetzlichen Krankenkassen in diesem Jahr stabil zu halten: Der Zusatzbeitrag stieg durchschnittlich um 0,4 Prozentpunkte. 

Und die Aussichten sind trübe. Prognosen des Instituts für Gesundheits- und Sozialforschung (IGES) rechnen für das kommende Jahr mit einer Mehrbelastung allein in der gesetzlichen Krankenversicherung und der Pflegeversicherung von 17 Milliarden Euro, was zu einem weiteren Beitragsanstieg führen würde. 

Beste Bedingungen also, um mit kreativen Sparideen zumindest mediale Aufmerksamkeit zu erlangen. Wie die von Bundeskanzler Friedrich Merz angeregte Abschaffung der telefonischen Krankschreibung, die ja zu Missbrauch geradezu einlade. Auch das Recht auf Teilzeitarbeit solle abgeschafft werde, das fordert die Mittelstands- und Wirtschaftsunion (MIT) in der CDU/CSU. 

Beide Vorschläge gehen an den Bedürfnissen der Realität vorbei und verweigern sich dem Blick auf die Ursachen. Ja, im internationalen Vergleich und nach der Corona-Pandemie ist die Zahl an gesundheitsbedingten Fehltagen tatsächlich hoch. Doch die Reports der Krankenkassen zeigen, dass der überproportionale Anteil auf langwierige Erkrankungen fällt und nicht auf die klar definierten Krankheitsbilder, bei denen eine zeitlich begrenzte telefonische Krankschreibung überhaupt möglich ist. Die Ärzteschaft möchte daran festhalten: Nicht notwendige Besuche entlasten die Arztpraxen und vermeiden gerade bei Infekten unnötige Ansteckungen, ohne die medizinische Versorgung zu verschlechtern. 

Auch der unsachliche Vorwurf von Lifestyle-Teilzeit entbehrt jeglicher Grundlage. Gerade in der medizinischen Versorgung, in den Kliniken und den Pflegeeinrichtungen sind Teilzeitmodelle eine wichtige Option, um mit den hohen tagtäglichen Belastungen umzugehen. Gäbe es diese Modelle nicht, wäre der Personalschwund um ein Vielfaches höher. Das können wir uns nicht erlauben. 

Glücklicherweise schnell vom Tisch war dagegen die Forderung des Wirtschaftsrates der CDU, Zahnbehandlungen aus dem Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen zu streichen – das stellte Gesundheitsministerin Warken klar. Dabei geht es nicht nur um soziale Ungerechtigkeit. Denn gerade bei der Zahngesundheit zeigen sich die Erfolge guter Gesundheitsprävention besonders deutlich: zahnärztliche Kosten sind der geringste Kostenpunkt der GKV und seit Jahren rückläufig. Und wir wissen auch: Zahnerkrankungen haben Auswirkungen auf die allgemeine Gesundheit, darum sollten wir an dieser Stelle ganz sicher nicht ansetzen und als Folge kurzfristiger Einsparungen an anderer Stelle hohe Folgekosten produzieren. 

Hoffen wir als weiterhin auf sinnvolle und nachhaltige Vorschläge, um unsere Gesundheitsversorgung zukunftssicher zu machen. 

Ihre

Christine Neumann-Grutzeck
Präsidentin