AG Internistinnen und Internisten im Krankenhaus

Die AG „Internistinnen und Internisten im Krankenhaus“ vertritt die Interessen der stationär tätigen Internistinnen und Internisten im BDI gegenüber dem Vorstand und dem Präsidium – und situativ gemeinsam mit dem BDI-Präsidium nach außen. Sie macht Herausforderungen im Klinikalltag sichtbar und bringt diese konsequent in die berufspolitische Debatte ein.

Als Anlaufpunkt stationär tätiger Internistinnen und Internisten bietet sie regelmäßige Orientierung, schafft durch Veranstaltungen niedrigschwellige Beteiligungsmöglichkeiten und macht den Mehrwert einer BDI-Mitgliedschaft für Klinikärztinnen und Klinikärzte konkret erlebbar.

Sie möchten mitgestalten? 

Dann machen Sie mit: Bringen Sie Ihre Themen aus dem Klinikalltag ein, diskutieren Sie mit uns konkrete Lösungsansätze und setzen Sie Impulse für die berufspolitische Arbeit des BDI. Ob punktuell bei einzelnen Themen oder dauerhaft in der AG – jede Perspektive zählt.

Ihr

Prof. Dr. med. Michael Buerke (Siegen)
Vorsitzender

Melden Sie sich bei uns und werden Sie Teil der AG „Internistinnen und Internisten im Krankenhaus“.

Mitgliederbetreuung:
Telefon: 0611 18133-19/-20
E-Mail: Mitgliederbetreuung@bdi.de

AG-Newsletter

03/2026 - Antibiotic Stewardship für Internistinnen und Internisten im Krankenhaus

Den vollständigen Newsletter finden Sie hier zum Download als PDF.

Antibiotika sind in der Inneren Medizin lebensrettend - und zugleich eine der häufigsten Ursachen vermeidbarer Arzneimittel- und Prozessschäden im Krankenhaus: zu frühe oder zu späte Therapie, zu breites Spektrum, falsche Dosis bei Niereninsuffizienz/CRRT, fehlende Diagnostik, zu lange Dauer. Die Folgen sind klinisch relevant: Nebenwirkungen, Clostridioides difficile, Interaktionen, Selektion resistenter Erreger sowie unnötige Liegezeit und Kosten. Antibiotic Stewardship (ABS) ist deshalb kein 'Infektiologie-Spezialthema', sondern gelebte Patientensicherheit - in Notaufnahme, Station und Intensivmedizin.

Dieses BDI-Format übersetzt ABS in praxistaugliche Handlungsregeln für den Klinikalltag: Was muss vor der ersten Dosis geklärt und dokumentiert sein? Wie starten wir leitlinien- und lokal angepasst empirisch, ohne reflexhaft zu eskalieren? Welche 48-72h-Entscheidungen sind obligat (Deeskalation, Umstellung, Stop, Dauer, IV-to-PO)? Und wie machen wir Qualität sichtbar - mit wenigen, robusten Kennzahlen, die im Team rückgekoppelt werden können. Im Fokus stehen Schnittstellen (ED-Station-ITS), saubere Diagnostik vor Therapie, Dosierungs- und Applikationssicherheit sowie ein pragmatisches Review- und Dokumentationsschema ohne 'Leitlinienballast', aber mit hoher Umsetzbarkeit.

5 häufige Fehler

1. AB-Start ohne ausreichende Diagnostik (Proben, Fokus, Schweregrad).

2. Empirie zu breit/falsches Spektrum (lokale Epidemiologie ignoriert).

3. Dosis/Applikation nicht angepasst (Nierenfunktion, Adipositas, Dialyse/CRRT, PK/PD).

4. Kein 48-72h-Review (Deeskalation/Stop/Umstellung bleibt aus).

5. Therapie zu lang/kein IV-to-PO-Switch (Stop-Datum fehlt).

5 einfache Regeln

1. Proben vor erster Dosis + Fokus suchen; Indikation dokumentieren.

2. Leitlinienbasiert und lokal angepasst empirisch starten - dann zügig eingrenzen.

3. Richtig dosieren: Organfunktion/PK-PD/CRRT; TDM, wo sinnvoll.

4. Antibiotic Time-out nach 48-72 h: deeskalieren/umstellen/beenden; Review-Datum setzen.

5. Evidenzbasierte Dauer + frühe orale Sequenztherapie; Stop-Datum festlegen.

5 messbare Qualitätsindikatoren

1. Indikation + geplantes Review/Stop dokumentiert bei Start (%).

2. Blutkulturen vor Antibiotika bei Sepsis/Bakteriämieverdacht (%).

3. Time-out dokumentiert nach 48-72 h (%).

4. Therapiewechsel nach Befund (Deeskalation/Stop) innerhalb 24 h (%).

5. Verbrauchsmonitoring (DOT oder DDD/100 PT), z. B. Carbapeneme/FQ.

Worum geht es im Detail?

1) Start smart: Indikation und Diagnostik vor der ersten Dosis. ABS beginnt nicht mit dem Antibiotikum, sondern mit der Frage: 'Infektion wahrscheinlich - ja/nein?' Wir zeigen, wie Sie klinische Wahrscheinlichkeit, Schweregrad und Fokus in 60 Sekunden strukturieren, welche Proben vor Therapie obligat sind (z. B. Blutkulturen bei Sepsis/Bakteriämieverdacht, Urin/Respiratorik je nach Syndrom) und wie Sie typische 'Overdiagnosis'-Fallen vermeiden (asymptomatische Bakteriurie, Kontamination, Kolonisation).

2) Empirie sicher starten: lokal + individuell, aber nicht 'maximal'. Die initiale Therapie muss im Notfall zeitkritisch sein - zugleich so schmal wie möglich. Wir diskutieren ein pragmatisches Vorgehen mit lokalen Resistenzdaten/Antibiogramm, Risikofaktoren für MRE (Kolonisation, Vorbehandlung, Reise/Station, Devices), Penicillin-Allergie-Check und Dosierungsgrundsätzen (Gewicht, Organfunktion, PK/PD). Besonderes Augenmerk gilt Niereninsuffizienz, Dialyse/CRRT und TDM, wo sinnvoll.

3) Then focus: 48-72h-Time-out als Pflichttermin. Nach 2-3 Tagen liegen Verlauf, Bildgebung und Mikrobiologie meist vor - spätestens dann entscheidet sich, ob die Therapie korrekt ist. Wir trainieren einen strukturierten Review: Diagnose re-evaluieren, Spectrum 'runter', Applikationsweg optimieren (IV-to-PO), Dauer festlegen und Stop-/Review-Datum setzen. Ein sauber dokumentierter Plan reduziert Variabilität, beschleunigt Übergaben und macht Qualität messbar.

Werkzeuge und Standards

Lokale Standards schlagen allgemeine Leitlinien: Wir arbeiten mit Syndrompfaden, Hausantibiogramm und klaren 'Default'-Dauern (z. B. 5-7 Tage bei klinischem Ansprechen, sofern Leitlinie/Source control dies trägt). Diagnostische Stewardship ist Teil davon: richtige Probe, richtige Indikation, richtige Interpretation (Kontamination vs. Infektion) - und frühzeitige Fokuskontrolle.

Medikationssicherheit: Viele ABS-Fehler sind Dosis- und Applikationsfehler. Wir zeigen einfache Checks für Nierenfunktion, Körpergewicht, CRRT, Interaktionen (z. B. QT-Risiko, Antikoagulanzien), sowie Kriterien für frühzeitige orale Sequenztherapie. Bei schweren Infektionen bleiben 'Time-critical antibiotics' und Source control priorisiert - ABS bedeutet hier: schnell UND korrekt.

Dokumentationsstandard: Drei Felder sollten bei jedem Start gesetzt sein: Indikation/Syndrom, geplantes Review/Stop (48-72h) und geplante Dauer/IV-to-PO-Kriterium. Wir diskutieren, wie Teams diese Felder in ED, Station und ITS harmonisieren (Sticker/Order sets), und wie ein ABS-Team (Ärzt:in + Apotheke + Mikrobiologie) wirksam Feedback gibt.

Beispiel: 48-72h-ABS-Time-out am Telefon

• I: „Hier ist Dr. …, Station 3B, Patient Herr K., 64 J.“

• S: „Pneumonieverdacht, Antibiotika seit 48 h (Pip/Tazo). Klinisch stabiler, O2-Bedarf rückläufig.“

• B: „Blutkulturen vor Start abgenommen; Sputum eingesandt. Keine gesicherte Penicillin-Allergie. Keine MRE-Anamnese.“

• A: „CRP fällt, Leuko 11→8; Kulturen bisher negativ, Röntgen konsistent. Kreatinin 1,9 (eGFR ~35).“

• R: „Bitte Review: Deeskalation auf schmaleres Regime oder Stop? Dauer festlegen (z. B. 5-7 Tage) und IV-to-PO-Kriterium dokumentieren.“

Schnittstellenrisiken: 5 typische ABS-Fallen

• AB-Start ohne ausreichende Diagnostik (Proben/Fokus fehlen; Kontamination wird als Infektion gewertet).

• Empirie zu breit oder falsches Spektrum (lokale Resistenzlage und Patient:innen-Risiko nicht abgeglichen).

• Dosis/Applikation nicht angepasst (Nierenfunktion, Adipositas, Dialyse/CRRT; fehlendes TDM, Interaktionen).

• Kein 48-72h-Review (kein Time-out, keine Deeskalation/Stop-Entscheidung, keine Verantwortlichkeit).

• Therapie zu lang und fehlender IV-to-PO-Switch (Stop-/Review-Datum fehlt; Prophylaxen werden 'Therapien').

Mini-Fallvignetten

• ED → Station: 78-jähriger Patient mit CAP, stabil. Ziel: Proben gezielt, schmale Empirie nach lokalem Schema, Review/Stop-Datum in der ED setzen.

• ITS → Station: 64-jährige Patientin nach septischem Schock, stabilisiert. Ziel: nach Erreger/Source control deeskalieren, Dauer begrenzen, orale Sequenz sobald möglich.

• Station → ED: 55-jähriger Patient mit asymptomatischer Bakteriurie (Urin-Stix +). Ziel: keine Antibiotika, stattdessen Symptomcheck, Re-Evaluation, Vermeidung von 'Kultur-getriebener' Therapie.

Was Sie direkt am nächsten Tag umsetzen können:

Der größte Effekt entsteht selten durch ein neues Antibiotikum, sondern durch bessere Entscheidungen an fünf wiederkehrenden Punkten: vor der ersten Dosis, bei der Empirie, bei der Dosis, beim 48-72h-Review und bei der Dauer/Oralisierung. Die folgenden Mikrointerventionen sind niedrigschwellig und funktionieren auch ohne zusätzliche Stellen - ideal als Team-Agreement zwischen ED, Station und ITS.

• '3 Pflichtfelder' beim Start einführen: Indikation/Syndrom, Review-Zeitpunkt (48-72h), geplante Dauer/Stop.

• Proben vor erster Dosis - wo indiziert: Blutkulturen bei Sepsis/Bakteriämieverdacht, Fokusdiagnostik parallelisieren.

• Empirie lokal standardisieren (Order set/One-pager) und gleichzeitig 'MRE-Risiko' klar definieren, um Übertherapie zu vermeiden.

• Täglicher Kurz-Review (30 Sekunden): 'braucht es noch?', 'können wir schmaler?', 'können wir oral?'; Time-out spätestens nach 72 h.

• Stop-/Switch-Kriterien sichtbar machen (IV-to-PO, Dauer-Defaults) und den Plan in der Akte/ED-Übergabe mitgeben.

Praxis-Tool: ABS-Monitoring-Matrix und Dokumentations-Template

Ein Minimalstandard, der in jedem Krankenhaus implementierbar ist: Syndrom-/Prozessmatrix mit klaren Reviewpunkten und einem einheitlichen Dokumentationssatz. Die Matrix kann als Stationsposter, Order set oder ABS-Visitenkarte genutzt werden - und dient gleichzeitig als Grundlage für Audit und Feedback.

Situation/Trigger

Sofortmaßnahmen (0-30 min)

48-72 h Review/Deeskalation

Dokumentation & KPI (Minimaldatensatz)

Sepsis/Bakteriämieverdacht

Blutkulturen (2 Sets) vor AB; Laktat; Fokus; zeitkritische AB-Gabe; adäquate Dosis/Infusionsstrategie.

Erreger/Befund prüfen; Spectrum reduzieren oder stoppen bei Alternativdiagnose; Dauer festlegen; Source control.

Indikation, Startzeit, Review/Stop; Kulturen vor AB; 24h-Antwort auf Befund; DOT/DDDs.

Pneumonie (CAP/HAP)

Schweregrad, Röntgen/CT; ggf. Atemwegsprobe; Empirie lokal (Risiko MRE prüfen); O2/Support parallel.

Klinik + Mikrobiologie + Bildgebung re-evaluieren; Deeskalation; IV-to-PO bei Stabilität; Dauer 5-7 d bei Ansprechen.

Indikation + Plan; IV-to-PO-Kriterium; Dauer/Stop; Breitspektrum-Anteil.

Harnwegsinfekt

Symptome/Systemik prüfen; Urinkultur nur bei Indikation; AB nur bei symptomatischer Infektion; Sepsisregel beachten.

Stop bei asymptomatischer Bakteriurie/Kontamination; Narrowing nach Erreger; Oralisieren; kurze Dauer.

Dokumentierte Symptome; Kultur-Indikation; Stop-Entscheidung; DOT/DDD.

Haut/Weichteilinfekt

Klinik/Schweregrad; Abszess? -> Drainage; Empirie fokussiert; MRSA-Risiko gezielt.

Nach Source control rasch eingrenzen; Oralisieren; kurze Dauer bei Ansprechen.

Source-control dokumentiert; Review/Stop; Adäquate MRSA-Abdeckung nur bei Risiko.

Intraabdominelle Infektion

Source control priorisieren; Blutkulturen bei Sepsis; Empirie nach Fokus + Risiko; früh chirurgisch/interventionell.

Nach erfolgreichem Source control Dauer kurz halten; Deeskalation nach Befund; Stop-Kriterien definieren.

Source-control-Zeitpunkt; Review/Stop; Dauer; Carbapenem-/FQ-Monitoring.

Lernziele und Nutzen

Nach dem Modul sollen die Teilnehmer:innen Antibiotikatherapie sicherer starten, Review-Entscheidungen systematisch treffen und Qualität im Team messbar machen. Der Nutzen ist konkret: weniger unnötige Breitspektrum-Exposition, weniger Medikationsfehler, klarere Übergaben und ein gemeinsames Vorgehen zwischen ED, Station und ITS.

• Indikation, Proben und Fokus strukturiert klären - und Kontamination/Kolonisation sicher einordnen.

• Empirisch leitlinien- und lokal angepasst starten, Dosis/PK-PD an Organfunktion und Setting anpassen.

• 48-72h-Time-out konsequent durchführen: Deeskalation/Stop, IV-to-PO, Dauer und Verantwortlichkeit festlegen.

• 5 KPIs definieren und mit Audit/Feedback in der Routine verankern (Team-Transparenz statt 'Einzelfall-Debatte').

Implementierung im Krankenhaus

• Team-Agreement: ein 1-Seiten-Standard (Start smart - then focus) mit lokalen Empiriepfaden und Dauer-Defaults.

• Training: kurze Fallvignetten (10-15 Minuten) in Übergaben/Visite; Fokus auf Review-Entscheidungen und Dosischecks.

• Dokumentation: Pflichtfelder im KIS/ED-Template; Review-Reminder (48-72h) und Stop-Datum in der Medikation.

• Audit/Feedback: monatlich 1-2 Stationen, einfache Kennzahlen, Rückmeldung ohne Schuldzuweisung - 'lernen im System'.

Literatur (Auswahl)

1. AWMF S3-Leitlinie: Strategien zur Sicherung rationaler Antibiotika-Anwendung im Krankenhaus (Registernr. 092-001), Version 2.1. 2019.

2. Barlam TF, Cosgrove SE, Abbo LM, et al. Implementing an Antibiotic Stewardship Program: Guidelines by the IDSA and SHEA. Clin Infect Dis. 2016;62(10):e51-e77.

3. World Health Organization. Antimicrobial stewardship programmes in health-care facilities: a practical toolkit. 2019.

4. CDC. Core Elements of Hospital Antibiotic Stewardship Programs. 2019.

5. UK Health Security Agency. Antimicrobial stewardship: Start smart then focus (inpatient toolkit; update 2023).

6. Schoffelen T, et al. ESCMID guidelines for antimicrobial stewardship in emergency departments. Clin Microbiol Infect. 2024.

7. Evans L, et al. Surviving Sepsis Campaign: International Guidelines for Management of Sepsis and Septic Shock 2021. Intensive Care Med. 2021.

8. Centers for Disease Control and Prevention. Antibiotic Use and Stewardship in the United States, 2024 Update: Progress and Opportunities. 2024.

02/2026 - „Leitlinienwissen kompakt“ – Die 10 häufigsten Fehlstellen im Klinikalltag

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Worum geht es?

Im Alltag der Akutstation, IMC und ITS entstehen die meisten vermeidbaren Schäden nicht durch fehlende Diagnostik, sondern durch Entscheidungen unter Zeitdruck: zu spät erkannt, falsch priorisiert, unvollständig umgesetzt oder ohne konsequente Reevaluation. Leitlinien sind dafür keine „Papierprodukte“, sondern verdichtetes Sicherheitswissen. Dieses BDI-Info fasst die 10 häufigsten Fehlstellen zusammen und übersetzt sie in sofort nutzbare Trigger, Checklisten und Eskalationskriterien.

Fünf Kernbotschaften

  • High-risk first: Leitlinienwissen muss dort sitzen, wo Minuten zählen (Sepsis, ACS, PE/VTE, respiratorische Insuffizienz, AKI).
  • Entscheidung statt Detail: Im Akutbereich zählen klare If/Then-Trigger (z. B. „Schock? -> sofort Eskalation“), nicht Volltexte.
  • Bundles funktionieren: Standardisierte Pakete (Diagnostik + Therapie + Reevaluation) reduzieren Varianz und Fehler.
  • Dosis und Kontraindikationen sind die häufigsten Fallen: Antikoagulation, Antiinfektiva, O2/NIV und Renal-Dosierung benötigen Checkpoints.
  • Qualität ist messbar: Zeit- und Prozessmarker (ECG-Zeit, AB-Zeit, VTE-Prophylaxe, AKI-Med-Review) gehören in Audit & Feedback.

Warum entstehen Fehlstellen?

Typische Ursachen sind kognitive Überlastung (Parallelität, Unterbrechungen), unklare Zuständigkeiten, fehlende Order-Sets/Checklisten, heterogene Weiterbildung und seltene, aber hochriskante Ereignisse. Eine kompakte „Guideline-Literacy“ zielt deshalb auf Entscheidungspunkte, Zeitfenster und Eskalationsschwellen.

Begriffe und Prinzipien (kurz)

  • Fehlstelle: wiederkehrende Abweichung zwischen Leitlinienkern und Routineprozess (z. B. „AB erst nach CT“).
  • Sicherheitsanker: 60-Sekunden-Check (Trigger + Pflichtaktionen), der in Visite/Übergabe zuverlässig abfragbar ist.
  • Bundle: Kombination aus Diagnostik, Therapie und Reevaluation mit definiertem Zeitfenster und Verantwortlichkeit.

Tabelle 1: Top-10 Fehlstellen im Leitlinienwissen (BDI-Orientierung)

Hinweis: Die Tabelle fokussiert auf entscheidungsrelevante Kernaussagen. „Sicherheitsanker“ sind bewusst kurz gehalten und für Akutstation/IMC/ITS adaptierbar.

Entscheidung/Setting

Häufige Fehlstelle

Leitlinienkern (was erwartet wird)

Sicherheitsanker (Trigger/Check)

Sepsis/Infektion (Triage)

Sepsis wird als „Fieber“ oder „Pneumonie“ eingeordnet; Schockzeichen werden spät erkannt.

Frühe Sepsis-Erkennung + unmittelbare Priorisierung nach Vitalparametern/Organfunktion; Laktat/Perfusion als Warnsignal.

Trigger: Hypotonie, Tachypnoe, Laktat↑, Vigilanzminderung -> Sepsis-Alarm + Teamruf.

Sepsis-Bundle (erste Stunde)

Blutkulturen/AB verzögert; fehlende Diagnostik vor AB; keine Reassessment-Schleife.

Zeitkritische Umsetzung von Diagnostik (Kulturen) + AB-Therapie + Volumen/Vasopressor nach Perfusionslage.

Check: Kulturen vor AB (wenn möglich) + AB in 60 min + Laktat + Volumen/NE bei MAP<65; Recheck 2-4 h.

ACS/Brustschmerz

Kein ECG „sofort“; Troponin ohne seriellen Verlauf; fehlende Risiko-/Differenzialdiagnostik.

ECG und klinische Risikostratifikation sind initial; serielle Biomarker + zeitnahe Kardiologie-/HKL-Einbindung bei Hochrisiko.

Trigger: Thoraxschmerz/Äquivalent -> ECG ≤10 min + Troponin seriell + „red flags“ (Schock, ST-Hebung) -> HKL.

Antithrombotika bei ACS

Falsche Dosis/Interaktionen; Blutungsrisiko nicht systematisch; Nierenfunktion ignoriert.

Indikationsgerechte Plättchenhemmung/Antikoagulation mit Dosisanpassung und konsequenter Blutungs-Risikoabwägung.

Check: Gewicht, eGFR, Blutung (GI/ICH), OP-Plan -> richtige Substanz/Dosis; PPI bei hohem GI-Risiko.

PE/VTE (Diagnostik)

D-Dimer und CT ohne Vorwahrscheinlichkeit; RV-Belastung wird nicht aktiv gesucht.

Vortestwahrscheinlichkeit steuert Diagnostik; Echokardiographie/CT-Befund + Biomarker zur Risikoabschätzung.

Trigger: Dyspnoe/Synkope/Schock + Risiko -> sofortige Risikoklassifikation; RV-Check (Echo/CT) + Troponin/BNP.

PE (Therapie/Eskalation)

Hochrisiko-PE wird zu spät eskaliert; Antikoagulation verzögert ohne Kontraindikation.

Frühe Antikoagulation; bei hämodynamischer Instabilität rasche Reperfusionsstrategie und interdisziplinäre Entscheidung (z. B. PERT).

Check: Hypotonie/Schock -> „high risk“ -> Thrombolyse/Intervention prüfen; sonst AC starten und eng monitoren.

VTE-Prophylaxe

Prophylaxe fehlt an Aufnahme/OP-Tag; keine Anpassung an Gewicht/Niere/Blutung; mechanische Optionen vergessen.

Tägliche Indikationsprüfung und dokumentierte, individualisierte Prophylaxe (pharmakologisch oder mechanisch).

Trigger: immobil / akut krank -> Prophylaxe-Check in Visite; bei Blutungsrisiko -> mechanisch + Recheck 24 h.

COPD/Hyperkapnie

Zu hohe O2-Gabe; ABG spät; NIV-Indikation verpasst; fehlende Eskalation bei NIV-Versagen.

Kontrollierte O2-Therapie, frühe Blutgasanalyse und rechtzeitige NIV bei hyperkapnischer Azidose; klare Intubations-/IMC-Trigger.

Check: Ziel-SpO2 88-92 (bei Risiko) + ABG früh; pH↓/pCO2↑ -> NIV; NIV-Versagen -> IMC/ITS-Eskalation.

AKI

AKI wird erst bei Kreatininspitze erkannt; nephrotoxische Medikamente laufen weiter; Dosisanpassung fehlt.

Frühe AKI-Stadieneinteilung (Krea/UO), Ursachenabklärung (prä-/postrenal), Med-Review und Dosisanpassung, enges Monitoring.

Trigger: Krea↑ oder UO↓ -> „AKI-Alarm“: Med-Stop/Adjust, Volumenstatus, US bei Obstruktion, K+/pH eng.

Blutung/Antikoagulation/ Stroke

Antikoagulation wird pauschal pausiert/fortgeführt; Reversal/Restart-Plan fehlt; Schlaganfallfenster werden verpasst.

Stratifizierte Blutungs- und Thromboembolierisikoabwägung; gezielte Antidot-/Reversal-Strategie; bei Stroke: Time-to-Imaging.

Check: Major bleeding? -> Reversal-Algorithmus + Endoskopie/Neuro-CT; Restart-Plan dokumentieren; Stroke-Alarm -> CT sofort.

*Die vollständige Tabelle finden Sie oben mit dem gesamten Text zum Download.

Sicherheitsanker und Eskalationskriterien

Fehlstellen lassen sich am zuverlässigsten reduzieren, wenn Teams gemeinsame Trigger und Eskalationswege nutzen. Wichtig sind klare Zuständigkeiten (wer entscheidet?) und definierte Zeitfenster (bis wann?).

  • Eskalation bei instabilen Vitalparametern, zunehmendem O2-/Vasopressorbedarf, Laktatanstieg, Vigilanzminderung oder drohendem Atemwegsproblem.
  • Verbindliche Übergaben (z. B. SBAR) mit dokumentiertem Plan: Arbeitsdiagnose, Time-critical Tasks, Antikoagulation/Antiinfektiva, Recheck-Zeitpunkt.
  • „Stop-the-line“-Kultur: Bei Unsicherheit zu Antikoagulation, AB-Start, NIV-Versagen oder Stroke-Fenster sofort Senior-/Fachkonsil.
  • Tägliche Reevaluation: Diagnosen, Kulturen/AB-Deeskalation, O2/NIV, Flüssigkeitsbilanz, Nierenfunktion und Medikamentendosen.

Kurzalgorithmen für Hochrisiko-Entscheidungen

Die folgenden Kurzalgorithmen sind als „mentale Checkliste“ gedacht. Sie ersetzen keine Leitlinie, verhindern aber die häufigsten Versäumnisse im Zeitdruck.

  • Sepsis: Blutkulturen/Diagnostik sofort -> AB innerhalb 60 min -> Perfusion (Volumen, NE) -> Laktat/Diurese-Recheck; Source Control planen.
  • ACS: ECG sofort -> serielles Troponin + Risiko -> DAPT/AC nach Indikation -> früh Kardiologie/HKL; bei Schock/Arrhythmie sofort eskalieren.
  • PE/VTE: Vorwahrscheinlichkeit -> Diagnostik -> AC starten (wenn keine Kontraindikationen); bei Hypotonie/Schock Reperfusion/PERT.
  • COPD: O2 kontrolliert (Ziel 88-92) -> ABG -> NIV bei Azidose; NIV-Versagen/Ermüdung -> IMC/ITS/Intubation erwägen.
  • AKI: UO/Krea prüfen -> Volumenstatus/Obstruktion -> nephrotoxische Meds stoppen/anpassen -> K+/pH überwachen; frühes Nephro-Konsil bei Progress.
  • Blutung/Antikoagulation/Stroke: Major bleeding? -> Reversal-Algorithmus + Endoskopie/Neuro-CT; Restart-Plan; Stroke-Alarm -> CT sofort.

Tabelle 2: Toolbox & Qualifizierung – Leitlinienwissen im Akutalltag

Baustein

Umsetzung im Klinikalltag (Beispiele)

10x10-Microlearning

10 Module á 10-15 min (Sepsis, ACS, PE, VTE-Prophylaxe, COPD/NIV, AKI, Blutung/Antikoag, Stroke). Kurzquiz + Fallvignette.

Order-Sets & Checklisten

Standardisierte Aufnahmepfade und „60-sec“-Checks (AB-Zeit, ECG-Zeit, AC-Dosis, NIV-Trigger, AKI-Med-Review).

Simulation & Teamtraining

Interprofessionelle Szenarien: septischer Schock, STEMI/NSTEMI, Hochrisiko-PE, NIV-Versagen, Hyperkaliämie/AKI. Debriefing.

Audit & Feedback

Monatliche Kennzahlen: AB≤60 min bei Sepsis, ECG≤10 min, dokumentierte VTE-Prophylaxe, AKI-Dosisanpassung, Reversal/Restart-Plan.

Kompetenznachweise

Logbuch (kritische Entscheidungen), Mini-CEX/DOPS, strukturierte Fallreviews; jährliche Re-Zertifizierung zentraler Algorithmen.

Rahmenbedingungen: Was Leitlinien-Implementierung benötigt

Leitlinienwissen wird erst dann wirksam, wenn Prozesse und Systeme es unterstützen: niedrigschwelliger Zugriff, Standardpfade, klare Verantwortlichkeiten und Zeit für Training.

  • Verfügbare Entscheidungshilfen am Point-of-Care: digitale Kurzpfade, Taschenkarte, EHR-Links, standardisierte Order-Sets.
  • Diagnostik- und Therapie-„Zeitfenster“ organisatorisch absichern (z. B. Blutkultur-Set, AB-Start, ECG, CT/CTA, Echo).
  • Interprofessionelle Eskalationswege: Sepsis-/PE-/Stroke-Alarm, definierte Senior-Response, klare Konsil- und HKL-Schnittstellen.
  • Medikationssicherheit: Renal-Dosierung, Antikoagulation/Antiplättchen, Interaktionen; klinische Pharmazeut:innen/Stewardship integrieren.

Fazit und Forderungen (BDI)

Die 10 häufigsten Fehlstellen sind kein individuelles Versagen, sondern Systemeffekte. Ein kompakter, messbarer Implementationsansatz kann Sicherheit und Effizienz gleichzeitig erhöhen.

  • BDI empfiehlt ein nationales „Leitlinienwissen kompakt“-Curriculum für Akutstation/IMC/ITS mit Kernalgorithmen und Re-Zertifizierung.
  • Krankenhäuser sollten Order-Sets, Trigger und Eskalationspfade verbindlich implementieren (Sepsis/ACS/PE/Stroke) – inklusive Verantwortlichkeit.
  • Qualitätsindikatoren müssen transparent sein (Zeitmarker, Prophylaxe-Rate, Dosierungsfehler, Reversal/Restart-Dokumentation).
  • Geschützte Lernzeit, Simulation und Supervision sind Patientensicherheits-Tools – nicht „Nice-to-have“.
  • Interprofessionelle Unterstützung (Pflege, Atemtherapie, Pharmazeutik, Radiologie) strukturiert einbinden, um Zeitfenster sicher zu erreichen,

Literatur (Auswahl)

  1. AWMF-Register Nr. 079-001. S3-Leitlinie: Sepsis – Prävention, Diagnose, Therapie und Nachsorge (aktuelle Version).
  2. Surviving Sepsis Campaign. International guidelines for management of sepsis and septic shock (aktuelle Version).
  3. European Society of Cardiology (ESC). Leitlinie zum Management akuter Koronarsyndrome (ACS) ohne persistierende ST-Hebung (aktuelle Version).
  4. European Society of Cardiology (ESC). Leitlinie zur akuten Lungenembolie und zur Risikostratifikation (aktuelle Version).
  5. Global Initiative for Chronic Obstructive Lung Disease (GOLD). Global Strategy for the Diagnosis, Management, and Prevention of COPD (jährliches Update).
  6. KDIGO. Clinical Practice Guideline for Acute Kidney Injury (AKI) (Guideline und Updates).
  7. European Stroke Organisation / Deutsche Schlaganfall-Gesellschaft. Empfehlungen zur Akuttherapie des ischämischen Schlaganfalls (aktuelle Version).
  8. European Society of Gastrointestinal Endoscopy (ESGE). Management akuter gastrointestinaler Blutungen und Antithrombotika (aktuelle Version).

01/2026 - „Was Internistinnen und Internisten wirklich brauchen“ – Kompetenzprofil Akutstation/IMC/ITS

Den vollständigen Newsletter finden Sie hier zum Download als PDF.

Worum geht es?

Akutstation, Intermediate Care (IMC) und Intensivstation (ITS) bilden ein durchgängiges Versorgungskontinuum. Internist:innen tragen hier die zentrale Verantwortung für Triage, Diagnostik, Akuttherapie, Verlaufskontrolle, Eskalation und Entlassmanagement. Damit Patientensicherheit, Qualität und Weiterbildung gleichermaßen gelingen, braucht es ein klar definiertes, praxistaugliches Kompetenzprofil - ergänzt um verlässliche strukturelle Rahmenbedingungen.

Fünf Kernbotschaften

  • Kompetenz folgt Setting: Akutstation, IMC und ITS benötigen abgestufte Kompetenzen - mit klaren Eskalationswegen.
  • Breite internistische Akutkompetenz ist Kernaufgabe: Sepsis, respiratorische Insuffizienz, akutes Koronarsyndrom, Rhythmusstörungen, Blutungen und Intoxikationen müssen sicher beherrscht werden.
  • POCUS und Monitoring sind Schlüsselqualifikationen: Ultraschall, Rhythmusdiagnostik und hämodynamische Einschätzung beschleunigen Entscheidungen und reduzieren Risiken.
  • Weiterbildung muss planbar sein: modular, kompetenzbasiert, mit Supervision, Simulation und geschützter Lernzeit.
  • Struktur entscheidet über Qualität: verlässliche Personalschlüssel, Delegation, digitale Entlastung und interprofessionelle Teams sind Voraussetzung.

Versorgungskontext Akutstation - IMC - ITS

Die stationäre Innere Medizin versorgt zunehmend ältere, multimorbide Patient:innen bei gleichzeitig kürzeren Verweildauern. Die Folge ist eine höhere Akuität auf Normalstationen, eine wachsende Bedeutung der IMC als Puffer- und Überwachungsbereich sowie ein zunehmend komplexes intensivmedizinisches Krankheits- und Therapiespektrum.

Definitionen (kurz)

  • Akutstation: kontinuierliche Reevaluation, frühe Risikoerkennung (z. B. Early Warning Scores) und rasche Diagnostik-/Therapieeinleitung.
  • IMC: engmaschiges Monitoring und Therapie bei drohender Organfunktionsstörung (z. B. NIV, vasoaktive Medikation in niedriger Dosis) ohne Vollersatzverfahren.
  • ITS: Behandlung vital bedrohlicher Zustände mit Organersatzverfahren (invasive Beatmung, Nierenersatz, erweiterte Hämodynamik) und multiprofessioneller Hochleistungsmedizin.

Tabelle 1: Kompetenzmatrix Akutstation/IMC/ITS (BDI-Orientierung)

Legende: B = Basis (Routinefall selbstständig), A = Advanced (selbstständig auch bei Komplikationen), E = Expert (führt, supervisiert, entscheidet in komplexen Situationen).

Kompetenzdomäne

Akutstation

IMC

ITS

ABCDE/EWS/Triage

B

A

E

Dyspnoe/Schock/Brustschmerz (DD)

B

A

E

POCUS Basis (Lunge/Herz/IVC)

B

A

E

Monitoring & BGA/Laktat

B

A

E

Resp. Therapie (O2/HFNC/NIV)

B

A

E

Sepsis/Antiinfektiva & Stewardship

B

A

E

ACS/Arrhythmien

B

A

E

Prozeduren (A-line/CVK/Thorax)

B

A

E

DAS: Sedierung/Analgesie/Delir

B

A

E

Kommunikation/Ethik/SBAR/Team

B

A

E

Eskalations- und Sicherheitskriterien

Ein Kompetenzprofil ist nur dann wirksam, wenn Eskalationskriterien im Alltag präsent und akzeptiert sind. Der BDI empfiehlt standardisierte Trigger (klinisch, laborchemisch, monitoringbasiert) sowie eine niedrigschwellige interprofessionelle Eskalation.

  • Eskalation bei instabilen Vitalparametern, zunehmendem O2-Bedarf, Laktatanstieg, Vigilanzminderung oder drohender Atemwegsproblematik.
  • Verbindliche Übergaben mit SBAR-Struktur und dokumentierter Therapieplanung (inkl. Therapieziel, Reanimationsstatus, Patientenwille).
  • Tägliche Reevaluation von Diagnosen, Antiinfektiva, Sedierung/Analgesie, Delirrisiko, Thrombose- und Stressulkusprophylaxe.

Prozeduren und klinische Skills (Auswahl)

Die folgenden Skills sollten - abhängig vom Setting - verfügbar, trainiert und supervidiert sein:

  • Atemwegs- und Atmungsmanagement: Maskenbeatmung, NIV-Setup, HFNC, Intubationsassistenz, schwieriger Atemweg (Team-Algorithmus).
  • Gefäßzugänge und Monitoring: peripher/zentral, arterielle Kanüle, US-gestützte Punktion, Interpretation invasiver Druckkurven.
  • Akutsonographie: Lunge (B-Linien/Pneumothorax), Herz (Pumpfunktion/Perikard), Vena cava/Volumenstatus, FAST bei Schock.
  • Kreislauftherapie: Volumenstrategie, Vasopressoren/Inotropika, Schock-Differenzierung, kardiogener Schock (Eskalationspfad).
  • Notfallmedizinische Kernkompetenzen: Reanimation, Postreanimationsbehandlung, Krisenkommunikation, Debriefing.
  • Infektionsmedizin/Stewardship: Sepsis-Bundles, Blutkultur- und Diagnostikstrategie, Deeskalation, Source Control (Koordination).

Tabelle 2: Qualifizierungsbausteine für Internist:innen im Akutbereich

Baustein

Inhalte/Kompetenzen

Onboarding Akutstation

EWS/ABCDE, Sepsis-Bundle, EKG/Telemetrie, sichere Übergaben, Medikationssicherheit

IMC-Baustein

NIV/HFNC, erweiterte Überwachung, vasoaktive Therapie (niedrig dosiert), POCUS-Basiskurs

ITS-Baustein

invasive Beatmung, DAS-Standards, Organersatzverfahren-Überblick, Schock-Algorithmen

Simulation & Teamtraining

Reanimation, schwieriger Atemweg, Sepsis-Schock, Kommunikation in Krisen, Debriefing

Kompetenznachweise

Mini-CEX/DOPS, Logbuch, Supervisionsstufen, jährliche Re-Zertifizierung kritischer Skills

Rahmenbedingungen: Was internistische Akutversorgung benötigt

Kompetenzentwicklung ist ohne geeignete Strukturen nicht nachhaltig. Entscheidend sind verlässliche Supervision, ausreichende Personalressourcen, Delegation nichtärztlicher Routinetätigkeiten und eine digitale Infrastruktur, die Dokumentationszeit reduziert statt erhöht.

  • Definierte Supervisionsstufen (z. B. Assistenz - Facharzt - Oberarzt) und klare Eskalationsbereitschaft 24/7.
  • Schutz vor Überlastung: realistische Dienstmodelle, planbare Rotation, Ausfallkonzepte und Poolstrukturen.
  • Standardisierte Prozesse: Sepsispfad, Schockpfad, NIV-Pfad, Delirprävention, Entlass- und Nachsorgeplanung.
  • Qualität und Sicherheit: Morbiditäts- und Mortalitätskonferenzen, Fallreviews, strukturierte Übergaben, Fehlerkultur.

Fazit und politische Forderungen (BDI)

Ein abgestuftes Kompetenzprofil für Akutstation, IMC und ITS ist ein zentraler Hebel, um Patientensicherheit, Versorgungsqualität und Nachwuchsgewinnung in der Inneren Medizin zu stärken.

  1. Verbindliche Kompetenzprofile und Curricula für Akutstation, IMC und ITS - bundesweit anschlussfähig und überprüfbar.
  2. Strukturelle Absicherung der IMC als eigenständiges Versorgungslevel mit klaren Aufgaben, Ausstattung und Personalschlüsseln.
  3. Geschützte Weiterbildungszeit (inkl. Simulation und POCUS) und finanzierte Supervision als Qualitätsstandard.
  4. Bürokratieabbau und Delegation: mehr Zeit am Patientenbett, weniger Doppel- und Alibidokumentation.
  5. Interprofessionelle Teams stärken (Pflege, Atmungstherapie, Pharmakologie, Physiotherapie) und Karrierewege attraktiv gestalten.

Literatur

  1. Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI). Empfehlung zur Struktur und Ausstattung von Intensivstationen 2022 (Version 02.11.2022).
  2. DIVI. Ausstattung und Struktur von Intermediate Care (IMC)-Stationen (Kurz- und Langversion).
  3. Póvoa P, Martin-Loeches I, Duska F, et al. Updated competency-based training in intensive care: next step towards a healthcare union in Europe? Intensive Care Med. 2022;48:1093-1094.
  4. CoBaTrICE Collaboration. International standards for programmes of training in intensive care medicine in Europe. Intensive Care Med. 2011;37:385-393.
  5. Perkins GD, et al. European Resuscitation Council Guidelines 2021. Resuscitation. 2021.
  6. AWMF-Register Nr. 079-001. S3-Leitlinie: Sepsis - Prävention, Diagnose, Therapie und Nachsorge (Update 2025; Version 4.0).
  7. AWMF-Register Nr. 001-012. S3-Leitlinie: Analgesie, Sedierung und Delirmanagement in der Intensivmedizin (aktuelle Version 2025).
  8. AWMF-Register Nr. 020-004. S2k-Leitlinie: Nichtinvasive Beatmung als Therapie der akuten respiratorischen Insuffizienz (Version 3.3; 30.12.2022).