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CME PUNKTE
MIT BDI AKTUELL
SAMMELN !
Mehr auf Seite13
Die gespielte Welt
der Klinikärzte
TV-SERIE WIRBT FÜR ARZTBERUF
SEITE 16
Der Countdown für den neuen
BDI-Vorstand läuft: 17 Kandidaten
stellen sich zur Wahl.
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BERUFSPOLITIK
Herzinfarkt: Wird es eine
Renaissance der sehr frühen
Betablockade geben?
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MEDIZIN
aktuell
MITGLIEDERZEITUNG BERUFSVERBAND DEUTSCHER INTERNISTEN BDI E.V.
PVST 58132 NR. 4, APRIL 2016
DIE INHALTE VON BDI AKTUELL FINDEN SIE AUF
Die Niederlassung ist oft mit
drängenden Fragen verbun-
den – ganz gleich, ob es um
rechtliche Angelegenheiten
bei den ersten Schritten oder
um die effiziente Praxisorga-
nisation geht. Der BDI stellt
ab April eine exklusive App
zur Verfügung, die all diese
Fragen aufgreift: den BDI-
PraxisNavigator. Dieser ist
kostenfrei verfügbar, für
BDI-Mitglieder sind zahlrei-
che Funktionalitäten vorge-
sehen. Die App ist so ange-
legt, dass alle relevanten Be-
rufsfelder und Lebensab-
schnitte abgedeckt werden.
KONGRESSE & SERVICES S. 8
„PraxisNavigator“
hilft rund um die
Niederlassung
NEUE BDI-APP
Terminservicestellen und Zweit-
meinung sind wichtige Bausteine
des Versorgungsstärkungsgesetzes.
Doch eine erste Bilanz des Geset-
zes, das immerhin schon seit über
einem halben Jahr in Kraft ist,
zeigt: Gerade bei diesen für die
Patienten wichtigen Versorgungs-
inhalten hat der Gesetzgeber ver-
sagt – oder vielmehr am Wähler
vorbei regiert. Das Recht auf
Zweitmeinung stellt sich tatsäch-
lich eher als Kostendämpfungsme-
chanismus denn als Hilfe für den
Patienten dar. Und für die Ter-
minservicestellen fehlt schlicht der
reale Bedarf.
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Gesetzgeber
verfehlt das
Ziel
VERSORGUNGSGESETZ
In den westlichen Ländern ist die
Zahl der gemeldeten Infektionen
mit dem Hepatitis-E-Virus in den
vergangenen Jahren gestiegen.
Hierzulande wird das Virus meist
durch Tierkontakt, aber auch
durch Abwässer übertragen. Da
die akute Infektion in den meisten
Fällen spontan und folgenlos aus-
heilt, ist eine medikamentöse The-
rapie oft nicht nötig. Für Patien-
ten mit schwerem Krankheitsver-
lauf ist die Kurzzeittherapie mit
Ribavirin eine Option. Systemati-
sche Impfungen werden von der
WHO bislang nur bei Ausbrüchen
befürwortet.
(eb)
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Hepatitis E: Wie
therapieren,
wann impfen?
INFEKTIOLOGIE
Überraschung, Überraschung: Da
verhandelt die Bundesärztekammer
(BÄK) auf Wunsch der Politik seit
Jahren mit der Privaten Krankenver-
sicherung (PKV), um dem Bundes-
gesundheitsministerium einen ge-
meinsamen Vorschlag für eine Novel-
lierung der Gebührenordnung für
Ärzte (GOÄ) auszuarbeiten. Und
dann nimmt der Verhandlungsmara-
thon in der Nacht vom 17. auf den
18. März eine solche Wende: Der
Vorstand der Bundesärztekammer
lehnt die vorgelegte Novellierung
einstimmig, also mit der Stimme des
Präsidenten, ab – so zuverlässige In-
formationen.
Dabei hatte sich ein völlig anderes
Ergebnis angebahnt: BÄK-Präsident
Professor Frank Ulrich Montgomery
hatte die Verhandlungen damals so-
gar zu seiner Chefsache gemacht. Die
Arbeit hatte er allerdings dem BÄK-
Vorstandsmitglied Theo Windhorst
und Dr. Bernhard Rochell, ausgelie-
hen von der Kassenärztlichen Bun-
desvereinigung (KBV), überlassen.
Das Verhältnis zur Privaten Kranken-
versicherung wurde dabei regelmäßig
lobend erwähnt. Kritik an dem Para-
grafenteil und der Einführung einer
gemeinsamen Kommission zur Wei-
terentwicklung der GOÄ (GeKo) via
Bundesärzteordnung wurde auf dem
Sonderärztetag in Berlin vorwiegend
mithilfe des Marburger Bundes abge-
bügelt, ja sogar als eine Art Majes-
tätsbeleidigung empfunden (wir be-
richteten). Die dabei eingeleitete
Konvergenz von Privater und Gesetz-
licher Krankenversicherung war zwar
mit Händen zu greifen, wurde aber
von den Verhandlungsführern strikt
geleugnet.
Knackpunkt Vergütung
Am Ende ging es um die Legenden
und die Bewertungen der Leistun-
gen. Hier sei man sich, so der BÄK-
Präsident, mit der PKV so einig, dass
auch nach der Vorstandssitzung der
Bundesärztekammer am 17. März
zügig ein gemeinsamer Entwurf der
neuen GOÄ im Bundesgesundheits-
ministerium abgegeben werden
könnte. Noch bei einer Veranstaltung
der PKV vor der BÄK-Vorstandssit-
zung wurde von Montgomery öffent-
lichkeitswirksam der Schulterschluss
mit der PKV demonstriert.
Aber es kam alles anders: In der
Nacht vom 17. auf den 18. März zog
der BÄK-Vorstand bei der GOÄ-No-
velle doch noch die Notbremse. Hatte
man vonseiten der Bundesärztekam-
mer quasi auf Multiplikatoren ver-
zichtet, um die PKV mit ihrer Forde-
rung nach einer Öffnungsklausel zu-
friedenzustellen, so müssen die in der
Vorstandssitzung angebotenen Vergü-
tungen der GOÄ-Leistungen zu einer
großen Enttäuschung geführt haben.
Diese muss so groß gewesen sein,
dass auch der vorher so euphorische
BÄK-Präsident den Entwurf zur No-
vellierung letztlich doch ablehnte.
Windhorst zieht sich zurück
Im Lichte seiner früheren Äußerun-
gen ist man von seinem Abstim-
mungsverhalten mehr als überrascht.
Aber eine richtige Erkenntnis bleibt
auch dann richtig, wenn sie eine Mi-
nute vor 12, also gerade noch recht-
zeitig, getroffen wird.
Doch wie sieht die Gemengelage
bei der Novellierung der GOÄ nach
diesem Beschluss aus? Die Private
Krankenversicherung hat sich als
sehr harter Verhandlungspartner ge-
zeigt, der offensichtlich auch den
letzten Rest an Partnerschaftlichkeit
gegenüber der Bundesärztekammer
hat vermissen lassen. Dies hat den
Verhandlungsführer der BÄK, Theo
Windhorst am 19. März veranlasst,
mit sofortiger Wirkung aus seinen
GOÄ-Ämtern zurückzutreten. Der
ansonsten so optimistisch und posi-
tiv eingestellte Präsident der Landes-
ärztekammer Westfalen-Lippe macht
aus seiner Enttäuschung über den
Verhandlungsgegner PKV keinen
Hehl, fordert den Präsidenten der
BÄK, Frank Ulrich Montgomery,
auf, die GOÄ neu zur Chefsache zu
machen – und hofft auf die Beteili-
gung der Berufsverbände an zukünf-
tigen Verhandlungen, die ohne Zeit-
druck stattfinden müssten. Damit
wird deutlich, dass die PKV bei den
GOÄ-Verhandlungen verbrannte Er-
de hinterlassen hat.
Sollte es wirklich zur Bildung einer
gemeinsamen Kommission zur Wei-
terentwicklung der GOÄ kommen, so
ist hier neuer Ärger vorprogrammiert.
Bei diesen Verhandlungen wird sich
eine Bundesärztekammer mehr als
warm anziehen müssen.
PKV müsste ordentlich nachlegen
Und sollte es wirklich zu Neuver-
handlungen kommen, wird die Pri-
vate Krankenversicherung einiges
anbieten müssen, um das Klima wie-
der zu verbessern. Noch ist offen, ob
sie überhaupt ernsthaft weiter ver-
handeln will. Ist sie dazu nicht be-
reit, würde das faktisch das Ende der
Novellierung der GOÄ in der jetzi-
gen Legislaturperiode des Bundesta-
ges bedeuten.
Der Präsident der Bundesärzte-
kammer versucht sich selbst, durch
seinen Kurswechsel bei der Abstim-
mung, aus der Schusslinie beim
nächsten Deutschen Ärztetages zu
nehmen und wird bei einem endgül-
tigen Scheitern der Verhandlungen
nach Schuldigen suchen.
Bleibt noch das Bundesgesund-
heitsministerium: Was wird das Mi-
nisterium, das fest mit einem abge-
stimmten Entwurf gerechnet hat,
tun, um ihn noch in dieser Legisla-
turperiode auf den Weg zu bringen?
Dort wird man schließlich auch zur
Kenntnis genommen haben, dass die
SPD eine neue GOÄ rundweg ab-
lehnt. Will man bei solchen Verhand-
lungspartnern mit unsicheren Ergeb-
nissen auch noch den Koalitionsfrie-
den stören?
Alles in allem: Die Ärzte sollten
sich zunächst darauf einstellen, dass
ihnen die alte GOÄ mit all ihren
Vor- und Nachteilen noch eine Zeit
lang erhalten bleibt.
SIEHE SEITE 4
Im allerletzten Augenblick
hat die Bundesärztekam-
mer bei der GOÄ-Reform
das Ruder herumgerissen:
Einstimmig hat ihr Vor-
stand die über Jahre aus-
gehandelte Novellierung
nun abgelehnt. Und hofft
auf Neuverhandlungen mit
der PKV.
GOÄ: BÄK-Vorstand zieht
die Notbremse
Von Dr. Hans-Friedrich Spies
Der BÄK-Vorstand hat den Reform-Zug doch noch gestoppt: Die Enttäuschung über
die Neu-Bewertung der Leistungen muss groß gewesen sein.
© BILDERSTOECKCHEN / FOTOLIA.COM
Die Verhandlun-
gen über die
GOÄneu sind nicht
gestoppt worden
und schon gar
nicht gescheitert.
Vielmehr gehen sie
in eine neue Ver-
handlungsrunde.
ließ BÄK-Präsident Professor
Frank Ulrich Montgomery
am 21. März verlauten.
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