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Wie ein DRG-Update gelingen könnte

Zurück zum Selbstkostendeckungsprinzip? Das wird der Krankenhausfinanzierung nicht helfen, sind sich Ärzte aus Klinik und ambulantem Bereich einig. Es braucht vielmehr ein agiles System, das Ressourcen schont, den Patienten aber trotzdem in den Mittelpunkt stellt.

Von Rebekka Höhl

Dass das DRG-System in den Kliniken reformiert gehört, ist bei den großen politischen Parteien angekommen. "Wenn Sie in die Wahlprogramme der relevanten Parteien schauen, haben sie es alle drin stehen", bilanzierte Dr. Gerald Gaß, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG), bei der Talkrunde "FAiR - Heute diskutieren wir" der DKG Ende September. Eine solche Einigkeit sei ein Novum, so Gaß weiter.

Aber wie soll die Reform angestoßen werden? Darüber herrscht auch innerhalb der Ärzteschaft noch Uneinigkeit. Der 2. Vizepräsident des BDI, Dr. Kevin Schulte wiederholte seine Forderung vom Internistentag (siehe auch Seite 6), in einer ersten Ad-hoc-Maßnahme die Arztkosten wie zuvor die Pflegekosten aus den DRG auszugliedern. Dies löse nicht alle Probleme, verschaffe aber Zeit, um eine tiefgreifende Reform anzustoßen. Zumal der Kliniksektor immer mehr Ärzte an den ambulanten Bereich verliere. Viele seiner Kollegen verließen sowie sie den Facharzt hätten die Klinik, um sich ambulant niederzulassen oder anstellen zu lassen, berichtete Schulte.

Investitionskosten nicht gedeckt

Den ökonomischen Druck auf die Beschäftigten und die Kliniken selbst, nehme man nur raus, "wenn Sie aus den DRG die Pflege rausnehmen, das ist geschehen; wenn Sie die Ärzte rausnehmen, das muss geschehen. Und wenn Sie nur die Sachkosten über die DRG finanzieren", pflichtete ihm Alexander Eichholtz, Pflegefachkraft und Klinikpersonalrat an der Berliner Charité, bei. Aber auch das allein reiche nicht. In der Industrie gebe es eine Investitionsfinanzierung von 20 Prozent pro Jahr, damit die Unternehmen up to date blieben. "Bei den Krankenhäusern liegen wir bei rund drei Prozent, das kann nicht funktionieren." Aber wäre ein Selbstkostendeckungsprinzip das Allheilmittel? Gaß sagt: Nein. Weil auch dann erhalte man nicht all die Ressourcen, die man braucht, um Zeit für den Patienten zu haben. "Das erleben wir ja gerade im Bereich der Pflege", so Gaß weiter. Da hätte man das Selbstkostendeckungsprinzip jetzt in der Finanzierung. Das aber wiederum führe bei dem, der die Kosten decken soll, im konkreten Fall den Krankenkassen, zu maximalem Misstrauen.

Der Preis: Maximale Kontrolle

Das bedeute maximale Kontrolle, maximale Rechtfertigung und maximale Darlegungspflicht gegenüber den Kassen über alles, was man abrechne. Laut Gaß ist ein Finanzierungssystem notwendig, das eine vernünftige Balance zwischen dem Ziel, sich wirtschaftlich zu verhalten, und den Interessen der Mitarbeitenden und Patienten bietet. Das dabei aber auch Anreize für einen effizienten Ressourceneinsatz setzt.

Allgemeinärztin Dr. Katharina Thiede ist das derzeitige Finanzierungssystem an vielen Stellen auch zu kleinteilig. Dies führe mitunter zu Überversorgung, kritisierte sie. Zunächst müsse man eine Reihe von substanziellen Fragen klären, forderte die 3. Vorstandsvorsitzende vom Twankenhaus e.V.. Erst im Anschluss könne man schauen, welches Finanzierungssystem dazu passe. "Wir wollen eine gute Personaldecke in allen Gesundheitsberufen haben. Wir wollen, dass der Patient wieder in den Mittelpunkt rückt. Wir wollen Zeit haben, sowohl für die Versorgung als auch die fachliche Weiterentwicklung. Wir wollen dass der medizinische Fortschritt erlebbar ist für alle Patienten, dass die Sektoren besser zusammenarbeiten. Es sind ein Haufen Themen, die gehören alle diskutiert", zählte sie auf. Wichtig sei auch, offen darüber zu sprechen, dass wir eine Knappheit im Gesundheitswesen haben, so Schulte. Aktuell führe dies dazu, dass wirtschaftlich lukrative Leistungen vermehrt erbracht würden und andere wichtige Dinge liegen blieben.

Dass wir generell im Vergleich mit anderen Ländern überversorgt sind, wiesen er und auch Gaß zurück. "Der Vergleich mit anderen Ländern überzeugt mich nur bedingt", sagte Schulte. Auch weil dort viele Patienten unterversorgt blieben. Gaß argumentierte ähnlich: In Großbritannien würde ein 80-Jähriger auch viel länger auf eine Behandlung warten. "Hier ist die Frage, was die Gesellschaft will." Deshalb halten beide auch nichts davon, Kliniken nur noch unter öffentlicher Hand zu führen. "Privatisierung ist ja nicht per se schlecht", meinte Schulte. Im ambulanten Bereich beweise dies die "ganz normale Arztpraxis". Dort sei wirtschaftliches und medizinisches Arbeiten aber nah beieinander. Genau das wünscht sich Schulte auch für die Kliniken. In den Schlüsselpositionen müsse wieder ärztlicher Sachverstand mit dabei sitzen.

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