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Deutscher Ärztetag: Eins Komma Fünf

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

während die großen Industrie- und Schwellenländer beim G20-Gipfel in Rom beim Klimaschutz deutlich hinter den Erwartungen zurückgeblieben sind, hat der 125. Deutsche Ärztetag Anfang November ein deutliches Zeichen gesetzt und ein klimaneutrales Gesundheitswesen bis zum Jahr 2030 gefordert.

Eigentlich hätte das Leitthema "Klimaschutz ist Gesundheitsschutz" schon vor 1,5 Jahren auf dem Deutschen Ärztetag in Mainz diskutiert werden sollen. Wer sich jetzt an das 1,5-Grad-Ziel erinnert fühlt, der/dem sei versichert, dass die Verzögerung allein der Corona-Pandemie geschuldet war. Umso enthusiastischer und entschlossener haben die 250 Abgeordneten in Berlin und vor den Bildschirmen zu Hause diskutiert und in ihrem Leitantrag unmissverständlich klar gemacht, dass Klimaschutz auch eine ärztliche Pflicht ist. Dazu gehört, "[...] die Auswirkungen des Klimawandels klar zu benennen, die gesundheitliche Bedrohung durch den Klimawandel aufzuzeigen, Gegenmaßnahmen einzufordern und mit dazu beizutragen, dass sich das Gesundheitssystem auf die Bewältigung der Folgen des Klimawandels vorbereitet und bei jeglichem Handeln zum Wohle der Gesundheit klimaschädliche Auswirkungen vermeidet."

Diese Mammutaufgabe können wir jedoch nur gemeinsam bewältigen. Auf Seiten der Politik und der Verantwortlichen im Gesundheitswesen müssen die notwendigen Maßnahmen zielstrebig und zeitnah in Angriff genommen werden. Für den Aufbau eines widerstandsfähigen öffentlichen Gesundheitssystems benötigen wir einerseits Investitionen in eine klimaneutrale Infrastruktur (Krankenhäuser und Arztpraxen); andererseits müssen wir uns als Gesellschaft noch besser auf dem Gebiet der Prävention und Bewältigung klimabedingter Belastungsfaktoren aufstellen, um besonders vulnerable Gruppen, d.h. ältere Menschen und Menschen mit Vorerkrankungen, zu schützen.

Natürlich steht auch die Ärzteschaft in der Pflicht, mit gutem Beispiel voranzugehen. Nur so können wir glaubhaft andere zum Handeln auffordern. Wir dürfen vom Klimaschutz nicht nur sprechen, sondern müssen ihn auch praktizieren. Dafür bedarf es praktischer Maßnahmen und Möglichkeiten im ärztlichen Alltag sowie der Integration von Wissen über die gesundheitlichen Auswirkungen des Klimawandels in die Aus-, Weiter- und Fortbildung. Die Ärzteschaft muss ihren Beitrag dazu leisten, dass sich das Gesundheitswesen darauf vorbereitet, die Folgen des Klimawandels zu bewältigen. Auch die Institutionen der ärztlichen Selbstverwaltung müssen ihr Verhalten kritisch hinterfragen. Insofern ist es richtig und konsequent, dass die Abgeordneten des Deutschen Ärztetages sich selbst in die Pflicht genommen haben: sei es bei innerdeutschen Reisen zu Gremiensitzungen oder dem vegetarischen, regionalen Catering. Auch im BDI haben wir diesen Reflexionsprozess begonnen und erarbeiten zurzeit eine Strategie, wie wir als Verband unseren Beitrag leisten können.

Manche Einschnitte in unserem Alltag als Ärztinnen und Ärzte - oder als Funktionsträger - werden größer sein als andere und benötigen in der Umsetzung etwas Zeit und Geduld. Letztendlich ist es jedoch alternativlos, dass wir unser Verhalten ändern. Gesunde Menschen gibt es nur auf einem gesunden Planeten. Es wird Zeit, dass wir unseren Beitrag dazu leisten.

Ihre

Christine Neumann-Grutzeck
Präsidentin des BDI

Editorial, Der Internist 12/2021

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