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Aktuelles aus der Inneren Medizin

Digitalisierung als Vehikel für Substitution

Es mehren sich die Anzeichen, dass von politischer Seite die fehlende Arbeitszeit in der ärztlichen Versorgung durch eine Substitution ärztlicher Leistungen behoben werden soll. Den Anfang macht das Psychotherapeutengesetz, über das ein gegenüber dem Arzt gleichberechtigter Berufsstand eingeführt werden soll. Aber auch medizinische Assistenzberufe sollen - durch die geplante Akademisierung dieser Berufszweige - aufgewertet werden. Dies beginnt bei der Pflege und wird mit dem Physician Assistant sicherlich noch kein Ende finden. Selbst das Konzept der Schwester Agnes wird bereits in diesem Zusammenhang neu in diskutiert.

Dass es dabei längst nicht nur um die Delegation von ärztlichen Leistungen geht, wird nicht nur am Beispiel der Psychotherapeuten erkennbar. So forderte der Vertreter der Krankenkassen jüngst bei der Vorstellung des Gutachtens zur Bedarfsplanung bei der Herbsttagung der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) unverhohlen, die Nichtärztlichen Praxisassistentinnen (NäPas) in die hausärztliche Versorgung mit einzurechnen. Wenn die Krankenkassen zusätzlich den Physician Assistant entdecken, wird es für die hausärztliche Versorgung noch enger.

Nicht allein Dr. Google oder Dr. Alexa, sondern die Digitalisierung in unserem Gesundheitswesen wird es möglich machen, wie vom Vorsitzenden des Sachverständigenrates, Prof. Ferdinand Gerlach, vorgestellt. Dass die Digitalisierung ärztliche Kompetenz im Labor oder bei der Bildgebung ersetzen kann, wissen kundige Thebaner schon lange. Aber bei Laborärzten und Radiologen wird diese Entwicklung nicht Halt machen.

Folgendes Szenario ist nicht nur denkbar, es wird im Hintergrund schon von Digitalisierungsexperten angedacht: Die Leitlinien der medizinischen Fachgesellschaften werden so überarbeitet, dass sie sich als Basis für digitalisierte Behandlungspfade eignen. Diese werden dann via Technik bereitgestellt. Dies kann relativ leicht bei einer symptomenbezogenen Fragestellung, genauso aber bei routinemäßiger Überwachung chronisch Kranker realisiert werden. Typische Beispiele sind Dyspnoe oder Kopfschmerz. Die leitlinienorientierte Steuerung sorgt für die Einbeziehung einschlägiger Facharztgruppen zur Abklärung und Behandlung. So ließe sich die hausarztzentrierte Versorgung mit der damit verbundenen Steuerung des Patienten viel leichter mit weniger Ärzten umsetzen. Denn man benötigt nur noch medizinisch geschultes Personal bei der Umsetzung.

Wenn dieses Szenario Wirklichkeit wird, wird man sich besonders in der hausärztlichen Versorgungsebene umstellen müssen. Die Patientenverteilung zur spezialisierten Untersuchung wird als alleiniges Tätigkeitsmerkmal nicht mehr ausreichen. Medizinische Kompetenz ist gefragt.

Ihr
Dr. med. Hans-Friedrich Spies
Präsident BDI e.V.

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