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Aktuelles aus der Inneren Medizin

Triage bei ärztlichen Entscheidungen

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

im Rahmen der Corona-Pandemie wird häufig der Begriff Triage diskutiert, dargestellt an der Situation, dass für vier Beatmungsplätze fünf Patienten mit Beatmungsnotwendigkeit anstehen. Zu dieser Situation gibt es ausführliche Stellungnahmen wissenschaftlicher Fachgesellschaften und des Deutschen Ethikrates mit Hilfestellungen für die Entscheidung. Einfache Größen wie das bloße Lebensalter wurden abgelehnt und komplexe Entscheidungsgrößen formuliert. All dies sollte dem Arzt durch Bezug auf vorgegebene Entscheidungshilfen in der jeweiligen Situation organisatorisch und legitimatorisch helfen und die psychische Belastung durch Berufung auf vorgegebene Empfehlungen reduzieren. Erstaunlich dabei ist die Lebhaftigkeit der Diskussion, obwohl die vorhandenen Kapazitäten in Deutschland bisher keine solche Situation für Covid-19-Patienten erforderlich gemacht haben - vielmehr konnte angrenzenden Regionen durch Patientenübernahmen noch ausgeholfen werden.

Entscheidungen im Sinne einer Triage sind aber Bestandteil ärztlichen Alltages: so zum Beispiel in der Vergangenheit die Wartelisten für herzchirurgische Eingriffe (insbesondere bei Kindern mit angeborenen Herzfehlern), die Reihung für Transplantationen, die Versorgungs- und Verlegungsreihenfolge bei größeren Unfällen etc.. Für die Kapazitäten und damit auch die Grundlage der Entscheidungen spielen immer auch gesellschaftlich bestimmte Kriterien und Rahmenbedingungen eine Rolle: ein typisches Beispiel ist die Pflegepersonaluntergrenzen-Verordnung mit ihren konsekutiven Intensivbetten-Schließungen.

Triage Situationen wegen limitierter Kapazität und der Umgang damit sind eine nicht seltene ärztliche Herausforderung. Derzeit werden zudem noch die strafrechtlichen Konsequenzen in dieser Situation ausführlich seitens der Juristen diskutiert (Engländer & Zimmermann „Rettungstötungen" in der Corona-Krise, NJW 2020). Dies könnte durchaus Folgen für das ärztliche Handeln haben. Hier muss umgehend durch entsprechende Regelungen Abhilfe geschaffen werden - damit Ärzte in dieser schwierigen Situation eventuell nicht noch kriminalisiert werden.

Ihr

Prof. Dr. med. Hans Martin Hoffmeister

Präsident des BDI

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