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Aktuelles aus der Inneren Medizin

EBM-Reform: Alter Wein in neuen Schläuchen

Über sieben Brücken musst Du gehen, sieben dunkle Jahre überstehen ...“ Seit 2012 arbeitet die KBV an einer Reform des Einheitlichen Bewertungsmaßstabs (EBM), unzählige Gespräche mit dem GKV-Spitzenverband wurden geführt, verschoben, wieder aufgenommen. Das Ergebnis verkündete der KBV-Vorstandsvorsitzende Dr. Andreas Gassen am 11. Dezember 2019: Man sei froh, die EBM-Reform abgeschlossen zu haben, es sei gelungen, die sprechende Medizin besser abzubilden. Das gehe zwar „ein bisschen“ zu Lasten der technischen Fächer, aber für den „Großteil der Vertragsärzte“ werde sich durch die EBM-Reform honorarmäßig nicht viel ändern.

Bei diesen selbstzufriedenen Äußerungen ist man einigermaßen verwundert und fragt sich: was soll das Ganze? Hat die KBV als Vertreter der niedergelassenen Ärzteschaft versagt? Zumindest gibt der Vorsitzende zu, dass bei vereinbarter „Punktsummenneutralität“ die Umverteilung ohne frisches Geld problematisch bleiben musste. Ist der Schuldige der GKV-Spitzenverband, weil er den Forderungen nach besserer finanzieller Ausstattung der Honorartöpfe nicht nachgekommen ist?

Von Anfang an hat der BDI gefordert, dass in einer EBM-Reform die veränderte Morbiditätsstruktur – zunehmend ältere und multimorbide Patienten – Berücksichtigung finden muss. Genauso wie steigende Praxis-Personalkosten und Kosten für die Umsetzung von Hygienevorschriften oder die Instandhaltung technischer Apparaturen. Diese Forderungen haben wir Anfang 2017 veröffentlicht, dem neuen KBV-Vorstand vorgelegt und darin detailliert begründet, warum eine Reform ohne zusätzliche finanzielle Mittel mit einer Umverteilung der Leistungsbewertungen zu Streitigkeiten innerhalb der Fachgruppen führt.

Punkteabzug von zwei bis vier Prozent?

Genau dieses Szenario ist jetzt eingetreten. Von Seiten der KBV wurde apodiktisch mitgeteilt, dass die Gruppe der Fachärztlichen Internisten – aufgrund des hohen Technikanteils – mit einem Punkteabzug zwischen zwei bis vier Prozent zu rechnen habe. Unsere Gegenargumente stießen auf taube Ohren. Inzwischen wissen wir, dass einige Schwerpunkte mit Honorarverlusten von bis zu acht Prozent rechnen.

Ergänzungen: Gerade die Innere Medizin hebt als integratives Fach mit ganzheitlichem Ansatz die artefizielle Trennung zwischen sogenannter sprechender und als apparativ bezeichneter Medizin auf. Weder in der hausärztlichen, in der fachärztlichen noch in der schwerpunktbasierten Inneren Medizin gibt es ein solches „Entweder – oder“. Die Innere Medizin plant und leitet die Diagnostik nach grundlegender Evaluierung der Probleme des Patienten auch unter Nutzung apparativer Verfahren; sie führt dann die Therapie in Begleitung des Patienten mit – soweit erforderlich – technischer Unterstützung durch und integriert somit die Behandlung in ein ganzheitliches Konzept. Der Anteil sprechender und technischer Leistungen hängt somit von der individuellen Erkrankung und Situation des jeweiligen Patienten ab und kann nicht als Honorarkürzungsgrund im EBM missbraucht werden.

Facharzt-Internisten gehören zu den Verlierern

Auch wenn zum jetzigen Zeitpunkt niemand die tatsächlichen Honorarverschiebungen beziffern kann – das wird über Honorarverteilungsmaßstab (HVM) in den Länder-KVen geregelt – bleibt festzuhalten: die Facharzt-Internisten gehören zu den Verlierern einer Reform, die diesen Namen nicht verdient. Die sogenannte Stärkung der „sprechenden Medizin“ konterkariert internistisches Denken und Handeln: Internisten sind keine Techno-Roboter, die Koloskopien, Echokardiografien oder Lungenfunktionstest kommentarlos am Fließband abliefern. Internisten klären auf, bereiten auf diagnostische Prozesse vor und erläutern anschließend die Befunde, schreiben Berichte – bei jedem Patienten, bei jeder Untersuchung, jeden Tag.

Wir brauchen eine Reform des Abrechnungssystems, die transparent ist, die die tatsächlichen ärztlichen Leistungen abbildet und die die Dichotomie zwischen sprechender und apparativer Medizin überwindet. Wir brauchen Honorargerechtigkeit dort, wo Internistinnen und Internisten täglich apparative Diagnostik und kommunikative Kompetenz zum Wohle unserer Patienten zusammenführen. Dafür wird sich der BDI auch zukünftig mit allen verfügbaren Kräften einsetzen – in der KBV, den Länder-KVen und in der Politik.

Ihr
Prof. Dr. Hans Martin Hoffmeister
Präsident BDI e.V.

und

Dr. Ivo Grebe
2. Vizepräsident und Schatzmeister BDI e.V.

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