Keine Zugangsdaten? Hier registrieren

Passwort vergessen? Hier klicken

Aktuelles aus der Inneren Medizin

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

auch künftig werden wir erhebliche Veränderungen in der Medizin erleben. Zweifellos wird das Weiterschreiten des medizinischen Fortschritts uns noch mehr Möglichkeiten in der Behandlung unserer Patienten einräumen. Es muss aber auch berücksichtigt werden, dass ökonomische Aspekte eine immer gravierendere Rolle im Medizinsystem einnehmen. Dieses ist an sich nicht verwerflich, denn ein Medizinsystem muss auch finanziert werden. Sehr schwierig, wie wir alle wissen, kann es aber im Zweifelsfall sein von ökonomischen Zwängen unbeeinflusste ärztliche Entscheidungen zu treffen. Deshalb ist es richtig und wichtig, diese Zwangssituation immer wieder zu verbalisieren und darauf aufmerksam zu machen. Es gilt unverändert die Devise: Medizin vor Ökonomie. Andererseits kann man von keinem Kostenträger erwarten, dass er zum Beispiel sein Krankenhaus sehenden Auges in ein Defizit steuert. Hier sind aber zum Teil politische Lösungen gefragt. Es ist auffällig, dass zum Beispiel die Bezuschussung der Krankenhäuser als Betriebe der genuinen Daseinsvorsorge der Bevölkerung in den verschiedenen Regionen Deutschlands massiv verschieden ist. Hier leiden dann auch die Krankenhäuser unter defizitären Situationen der Städte. Diese Situation darf aber letztlich nicht auf dem Rücken der Patienten oder der Beschäftigten im Gesundheitssystem ausgetragen werden. Andererseits gibt es natürlich Teilbereiche der Medizin, welche gewinnbringend sind. Hier muss sich die Ärzteschaft unbedingt davor hüten, durch Spaltung der Ärzte in gewinnbringende und nicht gewinnbringende Bereiche, häufig assoziiert mit technischen und nicht primär technischen Bereichen, einer Fremdsteuerung Tür und Tor zu öffnen. Es ist billig und populistisch, das Schild „wir sind für die sprechende Medizin“ vor sich her zu tragen. Die letzte kleine EBM-Reform hat gezeigt, dass aufgrund der gegebenen Rahmenvoraussetzungen auch bei Umstellungen keine größeren Gewinne entstehen. Ähnlich gibt es auch an den Kliniken keine größeren Gewinner, denn den primär schwarzen Zahlen erwirtschafteten Abteilungen wird seitens der Geschäftsführungen lediglich eine noch höhere Gewinnabschöpfung abverlangt. Dies mit dem Argument, dass das betreffende Fach ja eh schon Gewinn abwerfen würde und das Ganze noch optimiert werden solle. Hier müssen wir uns ganz eindeutig gegen nicht medizinisch indizierte Bewertungen der einzelnen Fächer, auch innerhalb der Inneren Medizin, stellen. Schon vor Jahren gab es Ansätze in wissenschaftlichen Gesellschaften, dass Leitlinien so konstruiert werden sollten, dass sie zugleich in EDV-Systeme eingebracht werden konnten, welche Wertschöpfungsketten abbilden würden. Die Ärzteschaft soll sich sicherlich nicht der notwendigen Wirtschaftlichkeit in den Institutionen verweigern. Es ist aber nicht Aufgabe von Leitlinien, dass sie die einzelnen Diagnose- und Therapieschritte so abbilden, dass eine direkte Übernahme in Abrechnungssysteme erfolgen kann. Dieser Aspekt gilt natürlich nicht nur im klinischen Bereich, sondern auch in gleicher Weise im ambulanten Bereich. Insbesondere muss hier zukünftig darauf geachtet werden, dass nicht in den unterschiedlichen Sektoren durch Verknüpfung von Abrechnung und Leitlinie eine noch stärkere Auftrennung erfolgt, sodass ein sektorenübergreifendes Handeln immer schwieriger wird.

Wir Internisten sollten auch zukünftig unsere medizinischen Anliegen und die Behandlung unserer Patienten in aller erster Linie im Auge behalten und uns gegen Spaltungsversuche in Abhängigkeit von der Ökonomie wehren. Es gibt hier keine guten oder noch bessere Internisten. Jeder, der heute der ökonomisch besonders geschätzte Arzt ist, mag morgen schon wieder als (ökonomisch) unerfolgreich gelten. Lassen Sie uns hier in Zukunft, bei aller notwendigen Spezialisierung und damit auch unzweifelhaften Differenzierung in unserem Fachgebiet, insgesamt für eine ganzheitliche Innere Medizin zusammenstehen. Hierfür wird sich der BDI auch zukünftig einsetzen.

Ihr
Prof. Dr. Hans Martin Hoffmeister
Präsident BDI e.V.

Copyright 2015 | Berufsverband Deutscher Internisten e.V.