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Aktuelles aus der Inneren Medizin

Ärztliche Zweitmeinung: Jetzt wird es ernst

Nach dem GKV-Versorgungsstärkungsgesetz hat der gesetzlich Versicherte Anspruch auf eine ärztliche Zweitmeinung. Die gesetzliche Vorgabe muss durch Ausführungsbestimmungen ergänzt werden. Wer anders als der allgegenwärtige Gemeinsame Bundesausschuss (GBA) kommt für diese Aufgabe infrage? Niemand!

Ohne großes Aufsehen, vor allem ohne die betroffenen Berufsverbände in die Diskussion einzubinden, wurde jetzt die erste Richtlinie verabschiedet und veröffentlicht.

Um es vorweg zu sagen: Am Geburtsfehler der Zweitmeinungsregelung kann ein Gemeinsamer Bundesausschuss nichts ändern. Bei einer Indikation geht es nicht nur um die Frage, ob ein vorgeschlagener Eingriff notwendig ist. Nein, es wäre auch zu klären, ob die alternative konservative Behandlung richtig ist. Vielleicht hätte man doch besser operiert? Aber dem Gesetzgeber geht es nicht um eine korrekte Indikationsstellung, sondern schlicht um eine Mengenbegrenzung.

Als erste Eingriffe wurde über die Tonsillektomie und die Hysterektomie beraten. Wie zu erwarten, gibt es neue zwingend vorgeschriebene bürokratische Regelungen, insbesondere zur Patienteninformation im Zweitmeinungsverfahren. Auf diese möchte ich nicht eingehen. Vermehrte Bürokratie sind wir inzwischen gewohnt.

Wichtiger ist die Qualifikation des zweitmeinenden Arztes. Natürlich muss er Facharzt für das betroffene Gebiet sein, natürlich muss er zusätzliche Erfahrung in der unmittelbaren Patientenversorgung mitbringen und seine Fortbildungsverpflichtungen erfüllt haben. Was aber eine Weiterbildungs- oder eine akademische Lehrbefugnis mit dieser Aufgabe zu tun haben, bleibt wohl nicht nur mir verborgen.

Es ist wohl beabsichtigt, das Krankenhaus und seine Ärzte beim Zweitmeinungsverfahren zu bevorzugen und Vertragsärzte auszuklammern. Hat der Gemeinsame Bundesausschuss die Absicht des Gesetzgebers auf die Mengenbegrenzung übersehen? Die meisten der Eingriffe werden nämlich stationär erfolgen und eine strengere Indikationsstellung über Krankenhausärzte ist nicht zu erwarten, da sie doch unter einem massiven ökonomischen Druck ihres Krankenhausträgers stehen, der an einer Mengenausweitung interessiert ist.

Übrigens: Die Kassenärztliche Bundesvereinigung ist Mitglied im Gemeinsamen Bundesausschuss. Hat sie dieser widersinnigen Regelungen mit einer Weiter- und Ausbildungsbefugnis bei der Zweitmeinung etwa zugestimmt?

Ihr
Dr. med. Hans-Friedrich Spies
Präsident BDI e.V.

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