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Aktuelles aus der Inneren Medizin

IGeL-Report 2018: Kurzsichtig gedacht

Der Medizinische Dienst der Krankenkassen (MDK) hat sich wieder einmal zu seinem Lieblingsthema Individuelle Gesundheitsleistungen (IGeL) geäußert – natürlich direkt vor dem Deutschen Ärztetag,  um öffentlich Stimmung zu machen. Man fragt sich immer wieder, warum sich der Medizinische Dienst noch ärztliches Selbstverwaltungsorgan nennt, vertritt er doch inhaltlich isolierte Interessen der Kostenträger in unserem GKV-System. Unsere ärztlichen Kolleginnen und Kollegen müssen halt die politische Marschrichtung ihres Arbeitgebers Krankenkasse übernehmen, die für die Finanzierung unseres Krankenkassensystems verantwortlich ist.

Die Diskussion um die IGeL hat Stellvertretercharakter. Dieser Leistungsbereich ist in unserem Krankenversicherungssystem gar nicht vorgesehen und eignet sich deshalb besonders für spekulative Attacken.

Ordnungspolitisch ist alles ganz einfach: Es gibt nur ambulante Leistungen, die im System – sprich EBM – geregelt sind oder eben außerhalb der gesetzlichen Krankenversicherung angewendet werden. Dem Bürger gegenüber will man mit der IGeL-Diskussion plausibel machen: Alles was der Patient in Deutschland braucht, bekommt er in unserem GKV-System. Alles andere ist aber überflüssig. Ist die Welt wirklich so einfach?

Wir alle wissen, dass eine Patientenversorgung viel individuellen Spielraum erfordert, nicht nur durch den einzelnen Patienten selbst, sondern auch durch die wissenschaftliche Unsicherheit bei der Bewertung bereits eingeführter, aber vor allem neuer Leistungen und Behandlungsverfahren. Hier besteht eine große Grauzone, die per se keine scharfe Trennung von sinnvoll und nicht sinnvoll zulässt. Da hilft auch das Prinzip evidenzbasierte Medizin nicht weiter. Damit wird nämlich nur das wissenschaftliche Ergebnis einer Publikation analysiert und bewertet. Häufig wird mangels wissenschaftlicher Belege über die niedrigste Evidenzstufe, nämlich die Expertenmeinung, entschieden.

Wenn man hinterfragt, welche seit Jahrzehnten eingefahrene Untersuchungs-/Behandlungsverfahren nach welchem Evidenzgrad überprüft wurden, wird man noch vorsichtiger. Hier gibt es kaum valide Daten.

Unter diesen Bedingungen empfehle ich meinen Kolleginnen und Kollegen vom Medizinischen Dienst etwas kritischer mit dem Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenversicherung selbst umzugehen und sich nicht weiter vor den Karren der Krankenkassen spannen zu lassen.

Ihr
Dr. med. Hans-Friedrich Spies
Präsident BDI e.V.

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