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27.04.2015

Personalmangel: Öffentlicher Gesundheitsdienst schlägt Alarm

Die Arbeit der Gesundheitsämter steht selten im Blickpunkt. Das könnte sich ändern, wenn die Ämter wegen Personalmangels ihre Aufgaben nicht mehr erfüllen können, fürchten Verbandsvertreter. Sie verweisen auf bereits bestehende Lücken bei Schuluntersuchungen.

Die Arbeit der Gesundheitsämter steht selten im Blickpunkt. Das könnte sich ändern, wenn die Ämter wegen Personalmangels ihre Aufgaben nicht mehr erfüllen können, fürchten Verbandsvertreter. Sie verweisen auf bereits bestehende Lücken bei Schuluntersuchungen.

Der Bundesverband der Ärzte im Öffentlichen Gesundheitsdienst (ÖGD) schlägt Alarm: Ein permanenter Stellenabbau und die Alterung der Amtsärzte bedrohten die Gesundheit vieler Menschen in Deutschland. Schon heute könnten die Aufgaben nur noch unvollständig erfüllt werden, sagte die Verbandsvorsitzende Ute Teichert zum Auftakt des 65. wissenschaftlichen Verbandskongresses in Rostock. Die Situation werde durch einen permanenten Aufgabenzuwachs verschärft.

Den Angaben der Veranstalter zufolge gibt es in Deutschland knapp 400 Gesundheitsämter, in denen rund 17 000 Mitarbeiter beschäftigt sind.

Zu deren Aufgaben gehören etwa Schuluntersuchungen, Impfungen oder die Überwachung der Krankenhaushygiene. Aber auch Tattoo- und Piercingstudios werden von den Ämtern kontrolliert.

Seit 1995 sei die Zahl der Ärzte in den Gesundheitsämtern um 33 Prozent auf 2528 im Jahr 2014 zurückgegangen. Von diesen seien heute schon 85 Prozent über 50 Jahre alt. Gleichzeitig sei die Nachwuchsgewinnung wegen der niedrigen Gehälter enorm schwierig. Der Gehaltsverlust beim Wechsel von der Klinik ins Amt liege bei rund 1000 Euro monatlich. „Da tut sich auch nichts“, bedauerte Teichert.

Ein Beispiel für die Lücken in der Versorgung seien die Schuluntersuchungen. „Das sind präventive Aufgaben, die wir erfüllen.

Gesundheitsstörungen werden damit früh erkannt“, sagte Jörg Heusler vom Landesverband Mecklenburg-Vorpommern. Allerdings würden bei der in MV gesetzlich verankerten Untersuchung der Viert- und Achtklässler nur 60 beziehungsweise unter 50 Prozent der Schüler erreicht.

Für den Vize-Chef der Linken in Mecklenburg-Vorpommern, Björn Griese, stellt sich die Situation noch drastischer dar: „Tatsächlich werden die Untersuchungen in einigen Landkreisen nur bei rund zehn Prozent der Schüler durchgeführt.“ Bei den zahnärztlichen Untersuchungen etwa in Nordwestmecklenburg sogar nur bei drei Prozent. Dabei seien die Untersuchungen dringend notwendig. „Psychische Erkrankungen sind auf dem Vormarsch und Übergewicht stellt weiterhin ein großes Problem dar.“ Von der Einschulung bis zur Klassenstufe 8 verdoppele sich die Zahl der übergewichtigen oder sogar fettleibigen Jugendlichen, sagte Griese.

Nach Worten von Teichert zeige sich das Problem auch bei den Schuleingangsuntersuchungen. So würden Erstklässler in Magdeburg aus Personalmangel gar nicht mehr untersucht. Der Landeschef des ÖGD in Nordrhein-Westfalen, Michael Schäfer, berichtete von Düsseldorf, wo 15 Prozent der Kinder nicht erreicht werden.

Teichert ging davon aus, dass künftig Routineuntersuchungen von Kindern ganz wegfallen werden. Es sei dann zu befürchten, dass viele Krankheiten oder auch Karies nicht mehr erkannt werden. „Wir können auch nicht mehr die Weichen für die Frühförderung stellen.“ Die Behandlung von Krankheiten sei teurer als die Frühförderung. 

dpa


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