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14.10.2020

Einzigartige Corona-Notklinik auf der Messe im Ruhemodus

Die 485 Betten in den Hallen 19 und 20 der Messe von Hannover sind mit Plastikfolie abgedeckt. Die zu Beginn der Pandemie für einen zweistelligen Millionenbetrag eingerichtete Notklinik musste bisher keine Patienten aufnehmen. Wird es so bleiben?

Das Szenario erinnert an einen Katastrophenfilm aus Hollywood: Fast 500 Krankenhaus-Betten stehen in zwei riesigen Hallen der Messe Hannover, einige sind mit mobilen Sauerstoffgeräten ausgestattet. Die Messebauer haben weiße Trennwände hochgezogen. In regelmäßigen Abständen stehen Schreibtische, an denen im Ernstfall das medizinische Personal die Patienten überwachsen soll.

Unter dem Eindruck der verstörenden Bilder völlig überlasteter Krankenhäuser aus Norditalien hatte die Region Hannover Ende März den Auftrag zur Errichtung der Behelfsklinik gegeben - die Kosten liegen in zweistelliger Millionenhöhe, eine Endabrechnung gibt es noch nicht. Sogar CT-Geräte wurden angeschafft, um möglichst schnell die Lungen der Corona-Infizierten zu untersuchen. Außerhalb von Halle 20 ragt ein 40.000 Liter fassender Sauerstofftank empor.

Zum Einsatz kam die Notfallklinik bisher nicht. „Wir sind heilfroh, dass wir sie nicht gebraucht haben“, sagt der Verbandsdirektor der Niedersächsischen Krankenhausgesellschaft, Helge Engelke. Es sei im März richtig gewesen, so schnell zu handeln.

Laut niedersächsischem Gesundheitsministerium war die Lage selbst zu dem Höhepunkt der Pandemie im April weit entfernt davon, auf der Messe Patienten aufnehmen zu müssen. Niedersachsen hat rund 41.000 Krankenhausbetten, davon mehr als 2500 Intensivbetten. Sie waren im Frühjahr zu etwa 20 bis 30 Prozent mit Corona-Patienten ausgelastet.

Hätten zu viele Corona-Infizierte dauerhaft beatmet werden müssen, hätte man zunächst andere Patienten in Rehabilitationskliniken verlegt, um Kapazitäten in den regulären Kliniken freizumachen.

Trotz steigender Infektionszahlen liegen zurzeit landesweit nur 262 Covid-19-Patienten im Krankenhaus, davon 42 auf Intensivstationen (Stand 8. Oktober, 9 Uhr). Die im Juli vom Land übernommene Notklinik auf der Messe bleibt dennoch mindestens bis zum 31. Dezember 2020 im Ruhemodus und wäre innerhalb von vier Wochen einsatzbereit. „Wir wollen abwarten, wie sich die Belegung der Krankenhäuser mit Covid-19-Patienten im Herbst und Winter entwickelt“, sagt die Sprecherin des Gesundheitsministeriums, Stefanie Geisler. Was im nächsten Jahr passiert, solle kurzfristig entschieden werden.

Insgesamt wurde auf dem Messegelände eine Fläche von 70.000 Quadratmetern freigeräumt: Es gibt einen Aufnahmebereich, eine Halle mit Sicherheitsschleusen und Duschen sowie Toiletten für das Personal, eine Apotheke, eine Kantine und Parkplätze. Die Behelfsklinik ist für Covid-19-Patienten gedacht, die nicht mehr zu Hause betreut werden können, aber keine Behandlung auf einer Intensivstation benötigen.

Bundesweit gibt es nur in Berlin auf einem Messegelände eine ähnliche Klinik. Dutzende Delegationen hätten sich bereits das Behelfskrankenhaus angeschaut, darunter auch mehrere Gruppen aus dem Ausland, sagt der Projektverantwortliche der Deutschen Messe AG, Marcus Eibach. Beim Aufbau hatten die Feuerwehr und die Bundeswehr geholfen, zudem gab es eine Übung mit Hunderten Beteiligten. Im Ernstfall würden im Schichtdienst bis zu 1500 Pflegekräfte und Ärzte auf der Messe arbeiten.

Die Einrichtung war nach Angaben der Region Hannover von Anfang an eng mit Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) abgestimmt. Im Vorfeld habe Regionspräsident Hauke Jagau (SPD) Gespräche auf Landes- und Bundesebene sowie mit Medizinern geführt.

„Mit dem Aufbau des Behelfskrankenhauses wollte die Region sicherstellen, dass krasse Situationen mit hohen Sterberaten - wie in anderen Ländern - verhindert und alle Patienten adäquat versorgt werden“, sagt ein Behördensprecher. Auch im Rückblick halte die Region die Entscheidung für richtig.

dpa


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