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Der BDI trauert um Dr. med. Hans-Friedrich Spies

Arzt und Systemversteher

Ein intimer Kenner und präziser Beobachter des deutschen Gesundheitswesens, der die richtigen Fragen stellte und fast immer eine Antwort fand. Ein unermüdlicher Kämpfer für die Innere Medizin und ein System, in dem Ärztinnen und Ärzte ihren Patienten gerecht werden können. Wir trauern um Dr. Hans-Friedrich Spies, unseren Ehrenpräsidenten, Kollegen, Mentor und Freund.

Ein Nachruf von Christine Neumann-Grutzeck (Präsidentin) und Tilo Radau (Geschäftsführer)

Dr. med. Hans-Friedrich Spies
Dr. Spies beim Deutschen Internistentag (DIT) in Berlin / Foto: Phil Dera

„Wenn ich nicht hier bin, bin ich auf dem Sonnendeck“ lautet eine Liedzeile von Peter Licht. Hans-Friedrich Spies war eigentlich immer für den BDI da. Und wenn er einmal weg war, dann auf seinem Segelboot irgendwo auf der Ostsee. Urlaub brauchte er jedoch nur selten, denn Hans Spies war Arzt aus Leidenschaft und ein überzeugter Standesvertreter, der nichts dem Zufall überlies.

Hans-Friedrich Spies wurde 1944 in Gießen geboren. Dort studierte er auch Medizin und nahm an der Universitätsklinik seine Weiterbildung zum Internisten mit Schwerpunkt Kardiologie auf. Nach Stationen an der Kerckhoff-Klinik in Bad Nauheim und an der Universitätsklinik in Frankfurt folgte 1979 die Niederlassung. Als niedergelassener Kardiologe und Belegarzt war Dr. Spies lange Zeit am Bethanien Krankenhaus in Frankfurt tätig. Zwanzig Jahre fungierte er als dessen Ärztlicher Direktor und prägte mit der engen Verzahnung von ambulanter und stationärer Versorgung die Gesundheitsversorgung in Frankfurt nachhaltig.

Neben seiner ärztlichen Tätigkeit galt sein großes Interesse immer der Berufs- und Standespolitik. Die ersten Schritte machte er noch während seiner Weiterbildung als Delegierter der Landesärztekammer Hessen. Nach der Niederlassung engagierte er sich maßgeblich in der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen, deren 1. Vorsitzender er von 2001 bis 2003 war. In dieser Zeit gehörte er auch dem Vorstand der Kassenärztlichen Bundesvereinigung an und arbeitete in zahlreichen Funktionen im Bundesausschuss der Ärzte und Krankenkassen, der Vorgängereinrichtung des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA), mit.

Hans-Friedrich Spies scheute nie die zielgerichtete Auseinandersetzung, um die Rahmenbedingungen der ärztlichen Tätigkeit zu verbessern. Sein kritischer, unabhängiger und scharfer Geist, seine Kenntnisse und Erfahrungen, seine Direktheit und Fairness in der Diskussion waren beeindruckend. Trotz der Brillanz und der Autorität, die ihm seine Kompetenz verlieh, war er ein freundlicher und zuvorkommender Mensch, ein echter Gentleman. Er war kompromissbereit und blieb doch im richtigen Moment seinen Prinzipien treu. Sein Amt als KV-Vorsitzender in Hessen legte er nieder, als er einen Vorstandsbeschluss zum Disease-Management-Programm Diabetes nicht mit seinem ärztlichen Gewissen vereinbaren konnte.

Wer Hans Spies in seinem Team hatte, konnte sich glücklich schätzen. Seine Erfahrungen als Arzt in der Klinik, Praxis und den Organisationen der ärztlichen Selbstverwaltung haben ihn zu einem echten Allroundtalent gemacht. Es gibt nur wenige, die das deutsche Gesundheitswesen in seiner Komplexität so umfassend durchblickt haben, wie er. Im BDI war Hans-Friedrich Spies 40 Jahre lang aktiv. Dem BDI-Vorstand gehörte er seit 2004 ununterbrochen an: zunächst als Mitglied, dann als 2. Vizepräsident und Schatzmeister (2011- 2016), schließlich von 2016 bis 2019 als Präsident. Auch über seine Präsidentschaft hinaus arbeitete er weiterhin aktiv im Vorstand. Bei Vorstandswahlen im September 2020 in Berlin wurde Hans Spies mit den meisten Stimmen wiedergewählt. Viele BDI-Mitglieder kennen ihn darüber hinaus als Chefredakteur von „BDIaktuell“, wo es ihm immer wieder gelang, politischen Kontrahenten den Spiegel vorzuhalten, ohne sie jedoch direkt hineinblicken zu lassen. Seine Klugheit, seine Kompetenz und Fähigkeit, komplexe Sachverhalte pointiert darzustellen, wird uns sehr fehlen.

Dr. Spies wurde nicht müde, die wachsende Bedeutung der Berufsverbände in Zeiten, in denen politische Vorgaben den Handlungsspielraum der ärztlichen Selbstverwaltung einschränken, zu betonen. Den BDI hat er dabei stets als sektorübergreifende Klammer der Inneren Medizin und damit als Heimat für Internistinnen und Internisten aller Versorgungsbereiche gesehen; als Verband, der trotz der zunehmenden Spezialisierung das Fach Innere Medizin zusammenhält und das hohe Gut des freien Berufes gegenüber ordnungspolitischen Vorgaben verteidigt.

Ganz wesentlich engagierte Hans Spies sich für die internistischen Interessen aber auch darüber hinaus für die gesamte Fachärzteschaft im Spitzenverband Fachärzte Deutschlands (SpiFa). Mit seiner Vorstandsarbeit im SpiFa trug er wesentlich dazu bei, die internistischen Interessen unter Berücksichtigung der fachärztlichen Gemeinsamkeiten pointiert zu benennen und gegenüber der Politik, der ärztlichen Selbstverwaltung und den Kostenträgern engagiert zu vertreten. Zudem forcierte er im SpiFa die Überwindung der Sektorengrenzen durch die Entwicklung innovativer Versorgungskonzepte.

Als unermüdlicher Kämpfer für die Innere Medizin hat Hans-Friedrich Spies sich diesen Zielen bis zuletzt verschrieben, auch als er bereits deutlich von seiner Krankheit gezeichnet war. Der BDI, das KV-System und die deutsche Ärzteschaft haben ihm viel zu verdanken.

Am 15. Januar 2021 ist Dr. Hans-Friedrich Spies im Alter von 76 Jahren in Frankfurt verstorben. Der BDI verliert einen herausragenden Arzt und Systemversteher, den es in dieser Form nicht mehr geben wird. Wir trauern gemeinsam mit seiner Ehefrau Dr. Karin Hahne und seiner Familie. Er wird uns allen spürbar fehlen – als Mensch wie Ratgeber.

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