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06.09.2019

Landtag will bessere Arztversorgung im Norden

Rund ein Drittel der Hausärzte in Schleswig-Holstein ist älter als 60. Die AfD schlägt deshalb eine feste Landarztquote vor. Gesundheitsminister Garg setzt dagegen eher auf andere Dinge.

Der Landtag will die medizinische Versorgung auf dem Land anpacken. Für einen von der AfD eingebrachten Gesetzentwurf mit einer festen Landarztquote in Medizinstudiengängen zeichnet sich aber keine Mehrheit ab. Die Einführung einer Quote setze eine Versorgungslücke in zehn bis fünfzehn Jahren voraus, sagte Garg. Eine solche werde im Norden aktuell nicht prognostiziert. „Wir haben im bundesweiten Vergleich bei Hausarztpraxen die beste Nachbesetzungsquote.“

Der FDP-Politiker hält eine Quotierung der Studienplätze für angehende Mediziner zwar für „durchaus diskutabel“. Allerdings sei die Situation im Norden nicht mit Nordrhein-Westfalen vergleichbar.

„Denn in Schleswig-Holstein gibt es zwei Planungsbereiche, die bei der hausärztlichen Versorgung einen Versorgungsgrad von weniger als 100 Prozent aufweisen. In NRW sind es hingegen 67.“

Nach Ansicht der AfD sollten zehn Prozent der aktuell rund 400 Studienplätze in Kiel und Lübeck künftig an Bewerber gehen, die sich verpflichten, später zehn Jahre lang als Hausarzt in einer der unterversorgten Regionen des Landes zu arbeiten. Angehende Mediziner sollen sich vor Antritt des Studiums vertraglich zu einer Strafzahlung in Höhe von 250 000 Euro verpflichten, sollten sie ihren Verpflichtungen als Hausarzt nicht nachkommen.

Der AfD-Sozialpolitiker Claus Schaffer sagte, „es gibt viele Menschen, die gerne Landarzt sein möchten“. Vielleicht seien nicht alle Einser-Absolventen. Deswegen müssten sie aber keine schlechten Landärzte sein. Er räumte aber ein, dass eine Quote erst spät Wirkung entfalten würde. Die Landarzt-Quote ließe sich mit weiteren Maßnahmen kombinieren.

Zu lange brauche eine Landarztquote, sagte der CDU-Sozialpolitiker Hans Hinrich Neve. Notwendig sei ein ganzes Bündel an Maßnahmen.

Denn: “Dort, wo Hausärzte fehlen, entsteht in der Bevölkerung eine riesengroße Unsicherheit.“

Der SPD-Sozialpolitiker Bernd Heinemann schlug neben medizinischen Versorgungszentren in ländlichen Gegenden mehr E-Health und eine stärkere Nutzung künstlicher Intelligenz in der Diagnose vor. Eine lange Verpflichtung angehender Ärzte lehnte er strikt ab. „Wer weiß in jungen Jahren, ob alle Träume und Pläne bis nach dem Studium halten.“

Für Grünen-Sozialexpertin Marret Bohn ist die Lösung des Problems klar: “Wir brauchen bundesweit mehr Medizin-Studienplätze. Das ist einfache Mathematik.“

Nach Angaben der Kassenärztlichen Vereinigung gibt es im Norden 1968 Hausärzte. Rund ein Drittel von ihnen ist älter als 60 Jahre. Aktuell gibt es im Land 18,5 freie Hausarztsitze. Bereits zum Wintersemester 2019/20 führt Nordrhein-Westfalen eine Landarztquote in Medizin-Studiengängen ein. Damit soll dem Ärztemangel in ländlichen Regionen entgegengewirkt werden. Weitere Länder wie Mecklenburg-Vorpommern beschäftigen sich mit dem Thema.

dpa

 


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