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09.11.2019

Ärztegewerkschaft: Bayerns Landeschef tritt für Bundesspitze an

Wertkonservativ, Katholik und CSU'ler: Der Bayer Andreas Botzlar will Bundeschef der Ärztegewerkschaft Marburger Bund werden. Seine Botschaft: Konsens statt Gräben.

Der bayerische Landesvorsitzende der Ärztegewerkschaft Marburger Bund (MB), Andreas Botzlar, will den Verband auch auf Bundesebene führen. Auf der MB-Hauptversammlung tritt der 51-Jährige am Samstag in Berlin gegen die hessische Landesvorsitzende Susanne Johna an. Er wolle den Marburger Bund als selbstbewusste Interessensvertretung der angestellten Ärzte weiter voranbringen, sagte Botzlar der dpa. Er ist auch Vizepräsident der Bayerischen Landesärztekammer.

Seinen Weg in die Gewerkschaft fand Botzlar im Jahr 2006, als Krankenhausärzte erstmals nach Jahrzehnten wieder großangelegte Streiks an deutschen Kliniken anzettelten. Ein Kollege habe ihm geraten, „wenn du das Maul immer so weit aufreißt, solltest du da vielleicht Mitglied werden, dann können die später mal deinen Anwalt bezahlen“, erzählt Botzlar. Den Anwalt brauchte er später tatsächlich, als er seinen Arbeitsplatz an der Klinik der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität im Streit verließ, bevor er an die Unfallklinik Murnau wechselte.

Seit sich der Marburger Bund im Jahr 2006 aus der Tarifgemeinschaft mit der Gewerkschaft Verdi gelöst hat, sei die Bedeutung des Verbands deutlich gewachsen, sagt Botzlar. Mit rund 120 000 liege die Mitgliederzahl um die Hälfte höher als vor 13 Jahren. Wenn er an die Bundesspitze des MB gewählt werden würde, will der Chirurg nicht nur Einkommensverbesserungen durchsetzen. Ziel der Tarifarbeit müsse sein, dass Kliniken mehr Ärztinnen und Ärzte einstellen. Er wolle dabei aber keine Gräben zwischen ärztlichem Personal und Pflegekräften aufreißen, betont Botzlar.

Seine parteipolitische Heimat hat Botzlar in der CSU, in die er schon in jungen Jahren eingetreten ist. Vor allem wenn es um Wirtschafts- und Gesundheitspolitik geht, sind ihm soziale Aspekte besonders wichtig. Er ist überzeugt: „Die oberste Aufgabe eines Krankenhauses ist es nicht, eine schwarze Null oder einen Gewinn zu erwirtschaften, sondern die Patienten richtig zu behandeln.“

Der gebürtige Passauer sieht sich selbst als wertkonservativ. Bei den Katholiken gehöre er „zu der Sub-Fraktion, die sonntags in die Kirche geht“, sagt er. Entsprechend habe er bei medizin-ethischen Themen wie Sterbehilfe oder dem Werbeverbot für Abtreibungen mit etlichen Kollegen Meinungsverschiedenheiten. Darin sieht Botzlar aber kein Problem, denn er ist überzeugt: „Das eignet sich nicht für konfliktive Auseinandersetzungen, da muss man einen Konsens suchen.“

dpa


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