22.04.2009

Weiterbildung leidet unter Arbeitsverdichtung und Geldmangel

Sehr geehrte Frau Ministerin Schmidt,

in der Diskussion um die unübersehbar negativen Folgen der Misere bei der Krankenhausfinanzierung wird ein Aspekt noch viel zu wenig betont: die Weiterbildung leidet zwar still, aber mit unübersehbaren Folgen für die Zukunft unter Arbeits-Verdichtung und Geldmangel.

Nicht nur in chirurgischen Fächern, sondern auch in der Inneren Medizin (dem Fachgebiet des Autors) können sich viele größere und kleinere städtische Kliniken eine qualifizierte Weiterbildung nicht mehr leisten. Junge Assistenten, die selbstverständlich länger für eine komplette Patientenversorgung benötigen und ausgebildet werden müssen, werden nur ungern eingestellt; Fachärzte von den Klinikleitungen bevorzugt.

Durch den sich abzeichnenden Ärztemangel sind viele Kliniken dennoch auf Weiterbildungsassisten angewiesen. Diese müssen dann jedoch möglichst schnell in die wichtigsten Arbeitsaufgaben des Stationsalltags eingewiesen werden, um die geforderten Liegezeiten und den Patientendurchsatz zu erreichen. Für geplante Rotationen in die Ultraschallabteilung oder andere wichtige Funktionsbereiche wie die Beurteilung von Langzeit-EKGs, Lungenfunktionsmessungen, etc. bleibt kaum Zeit oder es muss ohne qualifizierte Anleitung vielfach selbstständig erarbeitet werden.

Dies zerstört zunehmend die verbesserte Weiterbildungskultur, die sich in der Ärzteschaft in den vergangenen Jahren weiterentwickelt hat. Dies kann nicht im Sinne der Bundesregierung, der Patienten und der Ärzte sein, die unisono die Qualität der ärztlichen Leistung (in allen Bereichen) als das wichtigste Maß betonen. Wozu Geld für weitere Zertifizierungen und Qualitätssicherungsinstitute ausgeben? Dieses Geld sollte besser in die Freistellung der Weiterbildungsassistenten und eines lehrbeauftragten Oberarztes (z.B. 20% der Arbeit und verpflichtend für den Klinikbetreiber bei Einstellung) ausgegeben werden. Nur dadurch könnte eine eine qualifizierte Anleitung und Ausbildung und somit Qualität wirklich gefördert werden.

Deshalb: Lassen Sie diese sinnvollen Vorschläge unmittelbar beteiligter Personen im Gesundheitswesen zu und ändern Sie die jetzt eingeschlagene Richtung.

Schieben Sie die Misstände in der Weiterbildung nicht nur den Ärzten und ihrer Selbstverwaltung zu. Seit Jahren wurde und wird an einer Verbesserung der Weiterbildung gearbeitet (Logbücher, strukturierete Gespräche etc.), auch wenn es hier für uns Ärzte ebenso noch Einiges zu tun gibt. Diese Bemühungen werden jedoch durch knappes Personal, kurze Liegezeiten und hohen Dokumentations und Qualitätssicherungsaufwand konterkariert.

Die Budgetdeckelung wird daher mittel- und langfristig zu einem deutlichen Qualitätsverlust der ärztlichen Leistung führen. Da helfen auch die 2-3 Milliarden nicht weiter, die allenfalls zu einem Inflationsausgleich aber nicht zu Verbesserung der Weiterbildung und somit der Qualität in den Kliniken führen wird.

Mit einer derartigen Zukunft vor Augen wird der "Brain-Drain" der teuer ausgebildeten Mediziner und Medizinerinnen in andere Berufszweige oder in das Ausland mit Sicherheit weiter zunehmen. Verbesserung der Qualität zum Nulltarif bei gleichzeitig steigender Arbeitsbelastung und sinkenden Einnahmen wird insbesondere für die Vielzahl der nicht-universitären Einrichtungen nicht zu stemmen sein.

In der Hoffnung auf den Beginn eines Umdenkens schließe ich

mit freundlichen Grüßen

Dr. Michael Denkinger
(Assistenzarzt)