09.06.2009

Überregulierung schadet der Weiterbildung

Das zunehmende Bestreben der Politik, Kliniken, Praxen und Heime zu kontrollieren, um einheitliche Qualitätsstandards durchzusetzen ist ja eigentlich zu begrüßen. Wer möchte sich schon gegen eine Verbesserung der Behandlungsqualität stellen. Dabei wird allerdings neben der üblichen Kritik (Nonkonformität des individuellen Patienten mit den EBM-Leitlinien, verschiedene Häuser haben verschiedene Möglichkeiten etc.) wieder mal die Weiterbildung vergessen.

Kontrolle, Qualitätsmanagement und Regulierung ist nicht ohne Datenerhebung zu leisten. Diese Indikatoren wiederum müssen von dem behandelnden Personal (Pflege, Ärzte, Funktionstherapeuten) direkt (Formulare, Anträge) oder indirekt (Verschlüsselung, Kurvendokumentation) geliefert werden.

Dieser Dokumentationswahnsinn führt zu einer geringeren Zeit, die man sich der eigenen Fortbildung (Nachlesen, Weiterbildungskurse) widmet und die der Ausbilder dem Auszubildenden widmen kann. Es leidet also nicht nur (aber auch) die Arzt-Patienten-Beziehung (bzw. Therapeut-Patienten-Beziehung) sondern vor allem die Weiterbildung. Hier wird am schnellsten gekürzt, was man auch an ersten Reaktionen auf unser Weiterbildungsportal sehen kann. In einigen Häusern werden Rotationen kaum angeboten, in anderen Häusern klappt das dagegen sehr gut. Dies hängt sicherlich nicht nur an den Weiterbildungsbefugten oder der Organisation selber, sondern häufig genug an den finanziellen Vorrausetzungen! Gerade kleine Häuser haben große Schwierigkeiten, Assistenten für eine Rotation in einen Funktionsbereich freizustellen und dort auszubilden, weil dadurch die für das Haus überlebenswichtige Patientenversorgung gefährdet wird.

Nun sind wir Standesvertreter (inklusive Berufsverbänden, BÄK, Marburger Bund etc.) gefragt! Wir müssen fordern, dass endlich die Ausbildung als fester Bestandteil in die DRG Kalkulation (bzw. in den EBM) noch viel deutlicher einfließt und die Verwaltungen diese Gelder dann auch dafür ausgeben müssen! Sonst erleben wir einen Circulus vitiosus immer besser kontrollierter und immer schlechter ausgebildeter Ärzte.

Wichtig dabei ist: an die eigene Nase fassen und fehlende Weiterbildungsmöglichkeiten zumindest in den Bewertungen auch angeben. Wer erreicht wirklich die 500 Sonographien? Sonst werden die Missstände gar nicht erst aufgezeigt und können nicht eingeklagt werden! Also: ran ans Werk, Kliniken bewerten, bei der Ärztekammer-Initiative und en detail für die Innere Medizin beim BDI!

Ihr Michael Denkinger

(Mitglieder können übrigens Kommentare zu dem Beitrag im Forum verfassen. Mitgliedskosten für Assistenten: 80 Euro im Jahr inklusive der Zeitung „Der Internist" und weiteren Vorteilen!)