Antwort des BMG auf den Brief des Jungen Forums
Hier das Schreiben auf die Antwort des BMG auf den Brief des Jungen Forums. Die Antwort finden Sie als PDF hier.
Der Brief ist so nicht geschickt worden, da die Zuständigkeiten wohl doch eher bei den Ärztekammern liegen. Hier wurde ein weiterer Weg eingeschlagen. Da der Brief das wichtige Thema aber gut beschreibt, liegt er Euch hier als Diskussionsexemplar vor:
Sehr geehrte Frau Dr. Kastenholz, sehr geehrter Herr Dr. Lüssem, sehr geehrter Herr Minister Rösler,
vielen Dank für Ihr Schreiben vom 11.6.2010, in dem Sie auf unsere Anliegen geantwortet haben. Wir freuen uns, dass unter der Leitung von Frau Parlamentarische Staatssekretärin Widmann-Mauz unter der Prämisse der Feminisierung des Arztberufes auch an der Vereinbarkeit von Familie und Beruf gearbeitet wird. Ebenfalls freuen wir uns über Ihren grundsätzlich positiven Standpunkt zur Ideenbörse und erneuern für beide Aspekte unsere Bereitschaft, als ein aus Studenten und Assistenzärzten idealtypisch zusammengesetztes Forum des größten deutschen medizinischen Berufsverbandes, an der Gestaltung der Zukunft mitzuarbeiten.
Zudem möchten wir noch einmal näher auf das Thema Aus- und Weiterbildung eingehen. Sie haben bezüglich unserer Forderung, dass das Gesundheitswesen mehr auf Weiterbildung ausgerichtet werden müsse, die Zuständigkeit bezweifelt und uns an die Selbstverwaltungsorgane verwiesen. Durchaus ist uns bewusst, dass die DRGs mit Hilfe des INEK aus den damaligen Ist-Kosten berechnet wurden und grundsätzlich die Weiterbildungskosten beinhalten sollten. Es ist aber nicht verwunderlich, dass die Krankenkassen - unter dem allgemeinen Kostendruck - bei Ihrer Analyse nicht zu der Erkenntnis gekommen sind, dass eine Anpassung der Abschläge für die Finanzierung der ärztlichen Weiterbildung notwendig sei.
Dennoch ist festzustellen, dass sich seit der Einführung der DRGs extrem viel verändert hat. So sind inzwischen zahlreiche, unwirtschaftlich arbeitende Kliniken insolvent, während ökonomisch wirtschaftende Kliniken (u.a. auch zunehmend in privater Trägerschaft) verbleiben konnten. Außerdem sind die Arbeitszeiten über die (zu begrüßende) Einhaltung der EU-Richtlinien für Assistenzärzte UND Weiterbilder gesunken, die Anzahl der Teilzeitkräfte (Stichwort Feminisierung) hat zugenommen, die Liegezeiten deutlich abgenommen und die Spezialisierung der Medizin erschwert die allgemeine Ausbildung (egal ob in chirurgischen oder internistischen Fächern) zunehmend. Dies hat zur Folge, dass es kaum möglich ist, alle Weiterbildungsinhalte in der angegebenen Zeit zu erlernen. Unter dem Eindruck des Ärztemangels wird zunehmend von ärztlichen Kollegen berichtet, dass zahlreiche Inhalte der Weiterbildungsordnung nicht mehr zu erlernen sind und deshalb aus pragmatischen Gründen - ohne, dass die Kenntnisse und Fähigkeiten vorhanden sind - bescheinigt werden. Die Ärztekammern haben diese, aus oben genannten Gründen eindeutig politisch forcierten Probleme, erkannt und über die Weiterbildungsbewertung ein erstes Instrument zur Verbesserung der Situation geschaffen. Ebenso hat der BDI sich hier über seine Weiterbildungsplattform engagiert (www.bdi.de).
Dennoch gefährdet die angesprochene Entwicklung die ärztliche Behandlungsqualität! Die finanziell angespannte Situation der Krankenkassen und Krankenhäuser lässt keine Bemühungen der Selbstverwaltungspartner im Hinblick auf dieses Problem erwarten. Da eine verbesserte Weiterbildung des ärztlichen Personals vor allem der Bevölkerung - direkt durch eine Steigerung der Behandlungsqualität, indirekt durch die Vermeidung von, durch Behandlungsfehler hervorgerufenen, Folgekosten - nützt und eben nur bedingt zu einem Vorteil für die Selbstverwaltungspartner führt, sehen wir hier ganz klar den Gesetzgeber in der Pflicht. Unsere Idee, einen Weiterbildungsoberarzt - der beispielsweise 2 Std. die Woche pro Assistenzarzt nur für die Ausbildung zuständig ist - zu schaffen, sollte weiter überdacht werden! Das wäre für die Weiterbildung ein absolutes Plus. Die Finanzierung dieses wichtigen Novums könnte aus einem Ausbildungsfond, z.B. zu gleichen Teilen von der PKV (relativ zum Volumen) und der GKV bezuschusst, erfolgen. Hierfür müssen aber, um die angespannte Finanzsituation der Krankenhäuser nicht noch weiter zu belasten, zusätzliche Mittel für die Kassen bereitgestellt werden.
Damit würde die liberal - christliche Regierung die Behandlungsqualität im Gesundheits-wesen nachhaltig kostenneutral verbessern und eine langfristig wirksame Investition tätigen. Denn gut ausgebildete Assistenzärzte werden in den nächsten 35 Jahren weniger Behandlungsfehler machen!
Mit herzlichem Dank für Ihre Aufmerksamkeit und der Hoffnung auf weitere Korrespondenz
Besten Grüßen
Ihr
JFBDI
(Denkinger, Gensch, Försch, Moder, Neuendorff, Schulte)


