Rückblick

2. Internationaler interdisziplinärer Seminarkongress für ärztliche Fortbildung

Venedig Palazzo Albrizzi, 26.09.2004 - 02.10.2004

Wissenschaftliche
Leitung
Univ.-Prof. Dr. W. Arnold, Bremen
Prof. Dr. O.-A. Müller, München
Tagungsort
Adresse
CME-Punkte 20
Kategorie
Schwerpunktthema
Info und Anmeldung

Berufsverband Deutscher Internisten e.V. (BDI)
Kongresse und Fortbildung
Schöne Aussicht 5
65193 Wiesbaden
Tel: 0611-18133-22 / -24
Fax: 0611-18133-23
E-Mail: fortbildung@noSpam.bdi.de


Schwerpunktthema des Kongresses:

Krankheiten der Verdauungsorgane und des Stoffwechsels

Das komplette Kongress-Programm liegt jetzt vor.


Kongressbericht Venedig 2004


Der 2. Internationale interdisziplinäre Seminarkongress des Berufsverbandes Deutscher Internisten e. V. fand vom 26. September bis 02. Oktober 2004 im Palazzo Albrizzi im Stadtteil Cannaregio von Venedig statt. Dieser Palazzo wurde deshalb ausgewählt, weil er wenige Minuten von der Rialto-Brücke entfernt und deshalb gut erreichbar war aber dennoch nicht vom Lärm der Stadt heimgesucht wurde. Das alte Gebäude aus dem 16. Jahrhundert erzählt anhand von wunderbar erhaltenen Fresken der Tiepoloschule die Geschichte der Familie Capello, Besitzer des Palazzos Albrizzi, die einst im Goldenen Buch des Venezianischen Adels zu finden war und die sich durch Eroberungen zu Land und Meer einen Namen gemacht hatte. Frau Prof. Nevia Pizzul-Capello aus der Adelsfamilie Capello, Trägerin des Bundesverdienstkreuzes und Leiterin der Associazione Culturale Italo-Tedesca, hatte auf Bitten des Ehrenpräsidenten des BDI Dr. G. G. Hofmann den Festvortrag mit dem Thema: „Die venezianische Gesundheitspolitik zur Zeit der Pest" übernommen und konnte sich über viel Zuspruch erfreuen.

Ihr historischer Exkurs führte über die Gründung Venedigs, der eine Flucht vor den Hunnen vorausging, über die Befestigung der Stadtanlage, Verbreitung der Macht und des Reichtums durch die Seefahrt und den Handel bis zur Entstehung der großen europäischen Staaten, die schließlich den Machtverlust zusammen mit der Pest, die Venedig über drei Jahrhunderte heimsuchte, bedeutete. „Leiden, Tod, physische und seelische Vernichtung, waren die Eigenschaften der Pest", so die Referentin. 1348 wurde Venedig zum ersten Mal von der schwarzen Pest heimgesucht, dann wieder 1575 und zum dritten Mal 1630. Eine hohe Todesrate war bei jeder Pestepidemie zu verzeichnen, was sich in der Wirtschaft, der Verwaltung und im gesellschaftlichen Leben auswirkte. Ignoranz, Aberglauben, Verfolgung, kollektive Gewalt, Vertreibung der Juden als Verdächtige der Überbringer der Pest, Festhalten vorbeifahrender Schiffe, Bereicherung, Plünderung, Hinrichtungen, Folterungen und Inhaftierungen waren „erprobte" Mittel, der Pest Herr zu werden. Medizinisch hielten die Gelehrten der damaligen Zeit am Glauben fest, dass die Pest nicht übertragbar sei, sondern dass sie aus den Gebieten des östlichen Mittelmeeres importiert wurde, mit denen Venedig Handel trieb. Überzeugt waren damals alle, dass die Pest mit dem Reisen und dem Handel etwas zu tun haben muss und von außerhalb eingeschleppt wird und mit den Bewohnern der Stadt an sich nichts zu tun hat. Deshalb wurde ein Krankenhaus für Pestkranke das „Lazzareto" auf der Insel San Maria di Nazareth gebaut, das isoliert und eingezäunt war. Maßnahmen wurden ergriffen wie Kontrolle des Wassers, Stadtreinigung, Beseitigung häusliche Abfälle, Schutz der Brunnen, Lebensmittelüberwachung, Hygienemaßnahmen wie das Verbot der Nachttopfentleerung oder Isolation infizierter Stadtgebiete mit Androhung der Todesstrafe bei Missachtung.

Insgesamt referierten 22 Referenten und sechs Referentinnen, was von den Kongressteilnehmern und Kongressteilnehmerinnen positiv beurteilt wurde. Die Referentinnen waren: Frau Prof. Dr. Valeria Gärtner, Leiterin des Pathologischen Instituts an der Universität Tübingen, Frau Dr. Marie-Luise Hermans, Gastroenterologin aus Euskirchen, Frau Dr. Cornelia Jaursch-Hancke, Leiterin Fachbereich Diabetes, Stoffwechsel, Endokrinologie bei der Deutschen Klinik für Diagnostik in Wiesbaden, Frau Priv.-Doz. Dr. Kornelia Konz, die den Workshop Diabetes durchführte und ebenfalls von der DKD Wiesbaden kommt, Frau Prof. Dr. Almuth Pforte, Chefärztin im Krankenhaus Neuwittelsbach und schließlich die Festrednerin Frau Prof. Nevia Pizzul-Capello, Venedig.

Alle Teilnehmer waren sich einig, dass Venedig ein geeigneter Kongressort ist, der es in der Freizeit erlaubt, Ausflüge in die Kunst und Kultur des Mittelalters und der Neuzeit zu unternehmen.

Gabriele Matzkies, M. A. Hier können Sie sich die Festrede von Prof. Nevia Pizzul-Capello im pdf-Format herunterladen.

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