Wenn der Arzt online zum Studenten wird
Mediziner müssen sich regelmäßig fortbilden, haben häufig aber kaum Zeit. Jetzt können sie sich online für den Beruf fit halten und nebenbei den Master machen.
Aus einem Arzt kann ganz schnell wieder ein Student werden. Zwei Hochschulen im Südwesten gehen in der ärztlichen Weiterbildung gemeinsam neue Wege: In Kooperation mit der Schwarzwälder Hochschule Furtwangen University (HFU) startet die Albert-Ludwigs-Universität Freiburg einen bundesweit einmaligen Studiengang. Zugelassene Ärzte können von Oktober an einen berufsbegleitenden Online-Master-Studiengang belegen. Vom heimischen Computer aus können Mediziner dann «Physikalisch-Technische Medizin»
(PTM) studieren. Das baden-württembergische Wissenschaftsministerium fördert den Studiengang mit Pioniercharakter.
Josef Guttmann, Professor an der Medizinischen Fakultät der Universität Freiburg, hat PTM zusammen mit seinem Kollegen Knut Möller entwickelt. Dieser ist ebenfalls Medizinprofessor und Dozent an der Fakultät für Maschinenbau und Verfahrenstechnik der Hochschule in Furtwangen (Schwarzwald-Baar-Kreis). Die beiden Professoren sind überzeugt davon, dass das neue Weiterbildungsangebot bei Ärzten auf große Resonanz stoßen wird.
«Wer sich bei uns einschreibt, erfüllt zu großen Teilen seine berufliche Pflicht zur Weiterbildung und erhält obendrein noch einen international anerkannten akademischen Abschluss, den Master of Science, der von der Exzellenzuniversität Freiburg verliehen wird», wirbt Guttmann. Solche Zusatzqualifikationen würden im schärferen beruflichen Wettbewerb unter Ärzten künftig immer wichtiger.
Mediziner müssen sich regelmäßig fortbilden. Wer an entsprechenden Veranstaltungen bei Ärztekammern, Pharmafirmen oder Fachkongressen teilnimmt, bekommt dafür Fortbildungspunkte. Die Ärzte stehen unter Zugzwang und müssen immer dann Punkte sammeln, wenn es ihr Terminkalender zulässt - parallel zum beruflichen Alltag wird das immer schwieriger, da sie oft unter großem Druck stehen.
«Unser Online-Master-Studiengang wird diese Mediziner entlasten und ihren Weiterbildungsaktivitäten höhere Effizienz verleihen», glaubt Möller. Die Hochschulen reagieren auf Nachfrage: «Hier besteht zweifellos Bedarf.»
PTM ermögliche den Ärzten, weitgehend selbst zu bestimmen, wann und wo sie lernen, so Möller. Nur gerade 20 Prozent ihrer Lehrveranstaltungen müssten sie an der Freiburger Universität und der Hochschule in Furtwangen absolvieren. Die übrigen 80 Prozent leisteten sie zu Hause oder am Arbeitsplatz, wo sie wissenschaftliche Themen bearbeiteten, die ihnen wie ihrem Arbeitgeber hohen Praxisnutzen versprächen.
Der Studiengang sei darauf ausgerichtet, Ärzten neue Kompetenzen insbesondere in den Bereichen Medizintechnik und Medizinphysik zu vermitteln. «Moderne medizinische Geräte und Anlagen werden immer komplexer und erfordern vom Arzt immer weiterreichende technische Fertigkeiten, die Autodidakten kaum entwickeln können», sagt Guttmann. Viele Ärzte - beispielsweise im Bereich der Intensivmedizin - seien nicht in der Lage, das volle Leistungsspektrum ihrer umfangreichen Gerätschaften auszureizen.
Wer den PTM-Master anstrebt, vertiefe gezielt sein technisches Verständnis und seine Kenntnisse über die Funktionsweise medizinischer Hightech-Anlagen und werde dadurch in die Lage versetzt, seine Ergebnisse in Diagnostik und Therapie zu verbessern, so Möller. Ein weiterer Vorteil, der vor allem im Interesse der Kliniken liege, sei, die teuren medizinischen Anlagen in der Regel allein auf Anraten ihrer Ärzte anzuschaffen. «Ist ein Mediziner technisch versiert, erhöht seine Expertise die Investitionssicherheit seines Hauses ganz beträchtlich», glaubt Möller.
dpa




