Betriebliches Gesundheitsmanagement hoch im Kurs
Der Krankenstand im Südwesten hatte 2006 knapp 2,9 Prozent und damit einen absoluten Tiefststand erreicht. Dass die Werte seitdem gestiegen sind, führt die Techniker Krankenkasse in Stuttgart auch auf deutliche Zunahme der Fehlzeiten wegen psychischen Störungen zurück. Sie erhöhten sich binnen drei Jahren um 30 Prozent. «Das wird weiter steigen», schätzt Andreas Gailus, der bei der Kasse für betriebliches Gesundheitsmanagement zuständig ist. Er berät Unternehmen dabei, wie sie ihren Krankenstand langfristig vermindern können und ihre Arbeitnehmer länger gesund im Job halten können.
Das tut die Kasse nicht aus eigenem Antrieb: 2,86 Euro für jeden Versicherten sind gesetzlich für die Gesundheitsvorsorge vorgesehen - für die TK ergibt sich daraus bundesweit eine Summe von 21 Millionen Euro. Nach Gailus Worten ist das Interesse an der Beratung durch die Versicherungen groß: «Da übertrifft die Nachfrage das Angebot.»
Deshalb können sich die Krankenkassen besonders kooperationsbereite Firmen heraussuchen. Bei der Technikerkasse gehören die Stuttgarter Straßenbahnen AG (SSB) und das Kolpingbildungswerk zu den Partnern. «Der demografische Wandel, der ältere Mitarbeiter zu längerer Arbeit zwingt, verbunden mit der einseitigen Belastung aufgrund der Fahrtätigkeit war für uns Anlass, in das Thema einzusteigen», berichtet SSB-Personalleiter Franz-Josef Metzger.
Das ist ganz im Sinne von Gailus, der nur Firmen unterstützt, die Gesundheitsmanagement als Organisationsprinzip verstehen. Denn Krankheiten am Arbeitsplatz sind nach seiner Überzeugung nie nur durch eine Ursache zu erklären: «Krank machen können die Art der Tätigkeit, die Umgebung, die Ausstattung des Arbeitsplatzes, die Arbeitsabläufe und -zeiten sowie die Beziehungen zu Kollegen und Vorgesetzten.» Hinzu kommen mögliche außerbetriebliche Probleme, etwa mit der Familie oder der Wohnsituation.
Alexander Hummler, Vorstandsvize des Kolpingbildungswerks mit 12 Standorten im Südwesten, vor allem durch die sitzende Tätigkeit oder den Stress mit schwierigen Schülern die Gesundheit seiner Mitarbeiter gefährdet. Bei einem Durchschnittsalter von fast 50 Jahren sei der Krankenstand mit gut 2 Prozent zwar gering, aber krankheitsbedingte Engpässe seien absehbar.
«Wir können niemanden ein Gesundheitssystem aufstülpen», meint Hummler. Bei einer Befragung nach Fitness, Wohlbefinden und Ausgleich zur Arbeit hätten die Mitarbeiter am Standort Stuttgart als einen Belastungsfaktor Lärm genannt. Hummler will unter anderem einen Kurs zur Stressbewältigung, eine Rückenschule und einen Walk-Treff anbieten. «Eine Quote von 30 Prozent Teilnehmer wäre gut», sagte er.
Nach einer kostenlosen Phase denkt auch Hummler an einen Eigenanteil.
Gailus teilt diese Idee: «Der Eigenanteil muss sein, auch wenn die Firma die Finanzen dazu hätte. Denn nur so bleiben die Leute bei der Stange.»
dpa




