09.12.2009

Ringen um Zukunft des Arzneiexperten Sawicki

Nach Berichten über die mögliche Ablösung des Arzneiexperten Peter Sawicki erhält der Verfechter kritischer Pharma- Expertisen Unterstützung. Er leitet das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen IQWiG und trägt Studien zur Wirksamkeit und Wirtschaftlichkeit von Medikamenten zusammen. Der Vorsitzende des Gemeinsamen Bundesausschusses von Ärzten, Krankenkassen und Kliniken, Rainer Hess, stellte sich jetzt hinter Sawicki. «Meine Befürchtung ist, dass bei einer Abberufung der Eindruck entsteht, Sawicki werde auf Druck der Industrie von der Politik abgelöst», sagte Hess der «Tageszeitung» (Mittwoch). Rückendeckung kam auch von den Gesundheitsexperten von SPD und Grünen, Karl Lauterbach und Birgitt Bender.

Sawicki selbst sagte dem Blatt, er stehe weiterhin zur Verfügung. Seine Arbeit sei aber natürlich unbequem für die Pharmaindustrie.

Auf Grundlage der Berichte von Sawickis Institut kann der Gemeinsame Bundesausschuss teure Mittel von der Bezahlung auf Kassenkosten ausschließen, wenn sie keinen nachgewiesenen Zusatznutzen, aber Risiken haben. Der Diabetes-Experte macht sich zudem öffentlich für Reformen des Pharma-Markts mit dem Ziel größerer Transparenz und zahlreicherer Arzneistudien stark. Der «Spiegel» hatte berichtet, nach dem Willen der Regierungskoalition solle Sawicki nach Vertragsablauf 2010 ersetzt werden.

Unterdessen läuft in dem Institut eine Prüfung möglicher Fehler unter anderem bei Abrechnungen, Lieferungen und Vertragsabschlüssen. Externe Prüfer würden die Vorgänge in einer Sonderuntersuchung prüfen, schrieb Sawicki in einem der Deutschen Presse-Agentur dpa vorliegenden Brief an den Vorstand der Institutsstiftung, über den auch die «Frankfurter Allgemeine Zeitung» und die «taz» berichten.