Verhaltener Optimismus trotz steigender EHEC-Zahlen
Die Zahl der EHEC-Erkrankungen in Schleswig-Holstein hat am Dienstag wieder zugenommen: 88 neue Fälle gibt es, dafür aber nur fünf neue HUS-Patienten. Auch die Meldungen aus den Kliniken im Norden geben Anlass zur Hoffnung.
Fast 100 Menschen haben sich im Schleswig-Holstein seit Montagnachmittag neu mit dem aggressiven Darmkeim EHEC angesteckt. Die Zahl der Erkrankten ist auf 676 gestiegen, wie das Gesundheitsministerium am Dienstag in Kiel mitteilte. Am Vortag waren es noch 588 bestätigte Fälle. Bei den Patienten, die an der Komplikation HUS leiden, gab es eine Zunahme um 6 auf 173.
Trotz des erneuten Anstiegs, zeigte sich Schleswig-Holsteins Gesundheitsminister Heiner Garg (FDP) vorsichtig optimistisch. «Wir haben nach wie vor eine Zunahme der Fälle, aber die ist deutlich geringer, als wir das in den ersten 14 Tagen hatten», sagte er. Eine mögliche Erklärung für die relativ stark steigenden Zahlen der neuen EHEC-Infizierten in Schleswig-Holstein im Vergleich zu anderen Bundesländern könnten Meldeverzögerungen sein, sagte ein Sprecher des Gesundheitsministeriums. Im benachbarten Hamburg infizierten sich dagegen deutlich weniger Menschen.
Aus den Kliniken im Norden werde seit dem Wochenende von einer leicht entspannten Situation berichtet. Die Tendenz sei, dass die Zahl der entlassenen Patienten größer sei als die der Neuaufnahmen, sagte Garg. «Es sieht so aus, als ob das ein Silberstreif am Horizont wäre.» Dennoch betonte er: «Die Situation ist nach wie vor ernst, die Lage in den Kliniken sehr angespannt.»
Insgesamt sind in Schleswig-Holstein bislang sechs Menschen an den Folgen der Durchfallerkrankung gestorben. Auf der Suche nach der Quelle für die EHEC-Erkrankungen hat das Landeslabor bisher mehr als 280 Proben untersucht; laut Landwirtschaftsministerium waren alle frei von dem Erreger. Analysiert wurden nicht nur Salat, Gurken, Tomaten und Sprossen, sondern auch weiteres Gemüse, Fleisch und Milch. 80 neue Lebensmittelproben werden derzeit untersucht, davon 55 Sprossenproben.
Eine neue heiße Spur gibt es bei der Suche nach der Infektionsquelle bislang nicht. Die von einem Patienten aus Hamburg abgegebene Sprossen-Probe ist wie schon 23 Proben am Dienstag EHEC-frei. Der 42-jährige Mann hatte das Sprossengemüse im Kühlschrank vergessen. Die mehrere Wochen alte Packung hätte den Behörden dabei helfen können, die Infektionsquelle zweifelsfrei nachzuweisen. Der Anstieg der Infektionszahlen im besonders betroffenen Hamburg ist unterdessen deutlich abgeflacht. Bis Dienstagvormittag wurden 898 EHEC-Fälle oder -Verdachtsfälle gemeldet - 49 mehr als am Montag.
Gesundheitsminister Heiner Garg forderte für die Zeit nach der EHEC-Welle eine kritische Diskussion und Analyse des Krisenmanagement. «Wir müssen systematisch durchgehen, wo es Verbesserungs- oder Optimierungsbedarf gibt», sagte er. Auch die Höhe der Krankenhausvergütungen müsse diskutiert werden. «Das UKSH leistet die selbe Arbeit wie das UKE, und trotzdem werden sie unterschiedlich vergütet», sagte Garg. Seine Forderung laute, dass es eine bundeseinheitliche Vergütung von Krankenhausleistungen geben müsse.
dpa


