Verband der Krankenhausdirektoren rechnet mit weiteren Klinikfusionen
Mitteldeutschland kämpft mit Bevölkerungsschwund. Das bekommen auch viele Kliniken zu spüren. Fachleute rechnen deshalb mit zunehmendem Kooperations- und Fusionsdruck für die Häuser.
Der Verband der Krankenhausdirektoren rechnet angesichts der Bevölkerungsentwicklung mit einer Veränderung der Klinikstrukturen in Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt. „Die Kooperation in größeren Klinikverbünden wird immer wichtiger", sagte der Verbandsvorsitzende für Mitteldeutschland, Sven Langner, in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa. Dies gelte auch für die Zusammenarbeit über die Landesgrenzen hinweg. Bislang gebe es in den knapp 200 Krankenhäusern in den drei Bundesländern nur wenige grenzübergreifende Kooperationen oder Fusionen. Der Verband kommt an diesem Donnerstag in Jena zu einer Tagung zusammen.
Bei einer steigenden Lebenserwartung und mehr altersbedingten Erkrankungen rechnen die Kliniken mit einem zunehmenden Bedarf an stationären Behandlungen. Bereits jetzt sei aber zu beobachten, dass Kliniken in dünn besiedelten Gebieten, etwa im Erzgebirge, bei steigenden Kosten eher mit sinkender Auslastung kämpften, sagte Langner, der kaufmännischer Direktor des katholischen St. Josephstifts in Dresden ist. Damit würden sie zugleich weniger attraktiv für Ärzte, was wiederum Auswirkungen auf das Therapieangebot habe. „Das ist ein Teufelskreis."
Die Landesregierungen seien gefordert, mit ihrer Standortplanung auf diese Entwicklungen zu reagieren, sagte Langner. „Manche sind da mutiger, manche eher nicht." In Thüringen hatte die CDU/SPD-Landesregierung bei der Erarbeitung des neuen Krankenhausplanes im vergangenen Jahr auf Einschnitte im Kliniknetz verzichtet.
„Ob Krankenhausstandorte gänzlich aufgegeben werden, muss man sehen", sagte Langner. Neue Strukturen könnten auch bedeuten, dass Patienten in kleinen Standorten nur noch eine Erstversorgung erhielten und anschließend in größeren Kliniken weiterbehandelt würden. Auch längere Anfahrtswege bei bestimmten Behandlungen seien möglich. „Bei planbaren, nicht dringlichen Operationen sind sie auch zumutbar."
Für überfällig hält Langner eine engere Vernetzung von ambulanter und stationärer medizinischer Versorgung. Dazu gehöre die Möglichkeit für niedergelassene Mediziner, als Belegärzte an Kliniken tätig zu sein und die Erweiterung der ambulanten Behandlung durch Kliniken. Behandlungen in einer Hand seien nicht nur wirtschaftlich, sondern auch aus medizinischer Sicht sinnvoll. „Der Patient ist froh, wenn er im Krankenhaus auf den gleichen Arzt trifft wie in der Praxis." Dem Verband der Krankenhausdirektoren gehören die Verwaltungschefs und kaufmännischen Geschäftsführer der Kliniken in Thüringen, Sachsen-Anhalt und Sachsen an.
dpa


