vdek-Arztportal: Teures Adabei
Gut zwei Monate nach der AOK und Barmer Ersatzkasse startet jetzt ein weiteres Arzt-Informationsportal. Der Verband der Ersatzkassen e. V. (vdek) hat im Auftrag der teilnehmenden Mitgliedskassen Techniker Krankenkasse, Deutsche Angestellten-Krankenkasse, KKH-Allianz, HEK - Hanseatische Krankenkasse und hkk eine Internetplattform für Versicherte, den www.vdek-arztlotse.de entwickelt. Hier können Patienten künftig ohne weitere Zugangsvoraussetzungen Informationen zu den niedergelassenen Ärzten, Zahnärzten, Psychologischen Psychotherapeuten sowie Notfallambulanzen in Deutschland erhalten sowie eine Bewertung über die Ärzte abgeben. Fragt sich, ob es sich damit nur um Me Too handelt, oder ob und für wen ein Zusatznutzen entsteht.
Anonyme „Hinrichtung"
Auf den Punkt gebracht, ist das vdek-Arztbewertungsportal umfassender und individualisierter in der Kritikmöglichkeit am Arzt, aber gleichzeitig anonymer und damit beliebiger für den Patienten. Im Unterschied zum Arztnavigator der AOK und Barmer Ersatzkasse kann beim vdek-Modul nicht nur der Versicherte der teilnehmenden Krankenkassen, sondern jedermann in einem anonymen Verfahren ohne besondere Registrierung sein Urteil über den behandelnden Arzt auch in einem Freitextfeld abgeben. Die Benotung wird bereits mit dem ersten Posting ins Netz gestellt. Der Arzt muss ausdrücklich der Veröffentlichung seiner Adresse widersprechen. Schmähkritik wird - gefiltert und beurteilt durch eine Redaktionsteam unter Beteiligung eines Juristen - nicht veröffentlicht.
Distanzlose Ärzte
Das neue Bewertungsportal, für das die Stiftung Gesundheit nach einem Ausschreibungsverfahren für die Dauer von zwei Jahren den Auftrag erhielt, fußt im wesentlichen auf dem BKK-Arztfinder, der nach Angaben des Betreibers schon auf ca. 150.000 Bewertungen verweisen kann. Laut Auskunft des vdek-Vorstandsvorsitzenden Thomas Ballast „nimmt die Distanz (der Ärzteschaft) ab". Die Zahl der sich verweigernden Mediziner „bewegt sich im Sub-Promillebereich", so auch Projektkoordinator André Müller vom BKK-Bundesverband. Zu den Kosten möchte sich Ballast nicht äußern, betont aber, dass der Aufwand mit Ausnahme der BARMER GEK von allen großen Mitgliedskassen - auch der TK - mit getragen werde, auch wenn letztere sich am Bewertungsmodul selbst nicht beteiligt. Stattdessen wird die zweitgrößte Ersatzkasse ab Januar 2012 aktiv den AOK-Navigator unterstützen und für ihre Mitglieder zur Verfügung stellen. Über die Kostenübernahme dort ist bisher nichts bekannt.
dgd (hg)


