Unionspolitiker für automatische Organspende
Organspende ohne Ausweis: Die Gesundheitsminister von Hessen und Bayern, Stefan Grüttner (CDU) und Markus Söder (CSU), wollen alle Deutschen nach dem Hirntod zu Organspendern machen - außer sie haben zuvor ausdrücklich widersprochen. „Die Maßnahme soll den zahlreichen betroffenen Patienten auf der Warteliste neue Hoffnung geben", teilten die Politiker am Dienstag in Wiesbaden und München mit. Auf der Gesundheitsministerkonferenz Ende Juni in Wiesbaden wollen beide eine entsprechende Änderung fordern.
In Deutschland warten derzeit laut Mitteilung des hessischen Sozialministeriums mehr als 12 500 Patienten auf ein Spenderorgan. Jeder Dritte von ihnen sterbe während der Wartezeit. Bisher muss in Deutschland einer Organspende ausdrücklich zugestimmt werden, zum Beispiel über einen Spenderausweis. Grüttner und Söder wollen diesen durch eine Widerspruchslösung ersetzen. Der hessische Minister ist derzeit Vorsitzender der Gesundheitsministerkonferenz.
Zuvor hatte sich auch der SPD-Fraktionsvorsitzende Frank-Walter Steinmeier für eine Änderung der derzeitigen Regelung stark gemacht. Er hatte seiner Frau eine Niere gespendet und damit auch dazu beigetragen, das Thema wieder in die Öffentlichkeit zu bringen.
Im vergangenen Jahr hatten die Organspenden einen Höchststand erreicht. Nach den Zahlen der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO) wurde bundesweit 1296 Menschen nach ihrem Tod Organe entnommen - damit zählte die DSO 79 Spender mehr als im Vorjahr. Die Zahl der gespendeten Organe stieg von 3897 auf 4205.
dpa


