SPD: Bei Ärztemangel mehr auf Krankenhäuser setzen
Bei Fachärztemangel auf dem Land muss Thüringen nach Ansicht der SPD-Fraktion mehr auf die Krankenhäuser setzen. Demnach sollten Krankenhausärzte wie ihre niedergelassenen Kollegen künftig Patienten behandeln und Rezepte schreiben können, schlug der SPD-Gesundheitspolitiker Thomas Hartung am Mittwoch in Erfurt vor.
Derzeit sei eine geplante Operation beispielsweise nur auf Anordnung eines niedergelassenen Arztes möglich. „Wir müssen uns fragen, ob wir uns diese Bürokratie noch leisten können." Die neue Struktur könne aber nur funktionieren, wenn alle Thüringer Krankenhäuser erhalten blieben. Eine Klinik pro Kreis nach der Gebietsreform sei zu wenig.
Die Krankenhäuser in Thüringen sind laut Hartung, der selbst Mediziner ist, gut aufgestellt. Dennoch stelle der demografische Wandel das Gesundheitssystem vor erhebliche Herausforderungen. Während es zu wenig Augenärzte, Urologen, Internisten und Orthopäden seien, gebe es dagegen zu häufig Gynäkologen und Kinderärzte.
Der Ansatz von Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler (FDP), die Ärzte mit Bonuszahlungen in ländliche Gebiete zu locken, sei wenig effektiv und koste viel Geld, kritisierte Hartung. „Wir müssen unser jetziges System auf den Prüfstand stellen, bevor wir immer neue Maßnahmen draufsetzen." So könne die Budgetierung für Mediziner auf dem Land aufgehoben werden. „Die Ärzte sollten so viele Patienten behandeln dürfen, wie möglich", sagte Hartung. Derzeit gebe es eine Höchstpatientenzahl, die den Verdienst der Mediziner einschränke.
Das funktionierende Gesundheitssystem jetzt in den Grundstrukturen zu verändern, gefährde seine Stabilität, kritisierte dagegen der gesundheitspolitische Sprecher der FDP-Fraktion, Marian Koppe. Gerade der Mix aus ambulanter und stationärer Behandlung garantiere den bestmöglichen Behandlungserfolg. Hartungs Pläne bedeuteten paradiesische Zustände für die Krankenhausbetreiber. Es sei anzunehmen, dass die SPD den freiberuflichen Arzt abschaffen und ein staatliches System installieren wolle.
dpa


