08.11.2011

Social Media: Im Gesundheitswesen boomt noch nichts

 

Facebook, Twitter und Co sind in aller Munde. Bundestagsabgeordnete, Feuilleton- Chefs, Verbraucherschützer: Alle meinen, sie müssten mitreden. Wer die üblichen Verdächtigen fragt, wird hören, dass Social Media auch im Gesundheitswesen bald völlig unverzichtbar sein dürften. Derartige Orakelei hat bisher freilich wenig Erdung in der Wirklichkeit, wie eine Untersuchung des Institut Arbeit und Technik (IAT) von Fachhochschule Gelsenkirchen und Ruhr Universität Bochum zeigt. Zahlen aus Deutschland sind, wie üblich, Mangelware. Aber zumindest in den USA lässt sich zeigen, dass das Internet in Form von indikationsspezifischen Webseiten und Patientencommunities zwar intensiv für den Austausch über Krankheiten genutzt wird. Auf Facebook und Co, also in den sozialen Netzwerken, findet dieser Austausch aber in sehr viel geringerem Umfang statt. Heißt: Wer sich im Internet aus Gesundheitsgründen tummelt, der scheint dem „klassischen" Internet gegenüber derzeit noch deutlich aufgeschlossener zu sein als den neuen sozialen Netzwerken. Gerade einmal jeder vierzehnte Nutzer von sozialen Netzwerken gibt an, diese auch für Gesundheitsinformationen zu nutzen. Zum Vergleich: Im klassischen Internet liegt diese Quote konstant bei über 70 Prozent.

Auch der oft beschworene „Krankenhaus-Boom" bei Facebook ist bei genauerem Hinsehen allenfalls ein Boomchen. Zwar finden sich in Deutschland der IAT-Arbeit zufolge 195 Facebook-Pages von Krankenhäusern. Mit Gesundheitsinformation haben diese Seiten aber überwiegend nichts zu tun. Der Schwerpunkt liegt auf der Rekrutierung von Personal und (sic!) auf der Suchmaschinenoptimierung. Wer seine Online-Aktivitäten für Patienten ausbauen will, sollte sich derzeit deswegen nicht blind auf soziale Netzwerke stürzen. Im Moment dürften die Erfolgsaussichten bei den klassischen Internetcommunities (noch?) größer sein.

dgd