10.03.2010

Schwere Blutvergiftung dritthäufigste Todesursache

Eine schwere Blutvergiftung ist inzwischen die dritthäufigste Todesursache in Deutschland, nach Herz- und Kreislauferkrankungen sowie Krebs. Bei rund 154 000 Menschen werde jedes Jahr eine Sepsis diagnostiziert - 60 000 Betroffene sterben daran, berichtete Prof. Eugen Faist vom Klinikum der Ludwig-Maximilian-Universität München zum Auftakt des internationalen Kongresses «Trauma, Shock, Inflammation and Sepsis». Bei der weltweit größten Tagung zu diesem Themenkreis werden von 9. bis 13. März in München mehr als 2000 Teilnehmer erwartet.

Weil die Behandlungsmöglichkeiten für alte Menschen oder auch für Schwerstverletzte von Jahr zu Jahr besser werden, gebe es immer mehr Patienten, die früher ihre Grunderkrankung gar nicht überlebt hätten, sagte der Tagungsleiter Faist. Diese Patienten seien aber besonders anfällig für Infektionen bis hin zur schweren Blutvergiftung, der Sepsis. Inzwischen würden deshalb jährlich 1,7 Milliarden Euro für die Behandlung dieser Patienten ausgegeben. Das sei fast ein Drittel der Gesamtaufwendungen der Intensivstationen.

Derzeit stelle die Versorgung septischer Patienten die Mediziner noch vor große Probleme, erklärte Faist. Die Forschung habe in jüngster Zeit aber zahlreiche neue Erkenntnisse über verschiedenste Krankheiten gebracht, bei denen Entzündungen eine Rolle spielen. So habe sich gezeigt, dass der Körper auch bei Erkrankungen wie Diabetes oder Alzheimer-Demenz gegen entzündliche Prozesse ankämpft.

dpa

Weil solchen Abläufen grundsätzlich mit Impfungen vorgebeugt werden könne, sei in der Zukunft beispielsweise die Entwicklung einer Art «Impfung gegen Alzheimer» denkbar, sagte der Tagungsleiter.
Weltweit forschten zahlreiche Wissenschaftler an entsprechenden Wirkstoffen. Bei der Behandlung von Diabetes gebe es gleichzeitig neue Möglichkeiten, um Patienten am Magen-Darmtrakt zu operieren. Auf diese Weise könne es bei einer großen Zahl von Diabetikern gelingen, ihr Übergewicht zu bekämpfen und damit auch die Zuckerkrankheit in den Griff zu bekommen, sagte Faist.