14.09.2011

Schwacher Auftritt des künftigen AOK-Vorstands - Wesiack: Windiges Zahlenspiel um Arzt-Arbeitszeiten

 

Am 1. Oktober wird der geschäftsführende Vorstand des AOK-Bundesverbands, Jürgen Graalmann, den Vorsitz von seinem Amtsvorgänger Dr. Herbert Reichelt übernehmen. Vier Wochen vor dem Termin nutzte er ein Presseseminar des AOK-Bundesverbands in Hubertusstock (Brandenburg), um sich dem Publikum mit merkwürdigen Aussagen über ärztliche Arbeitszeiten zu präsentieren.

Kern seiner Polemik gegen die Vertragspartner Ärzte: Sie bekämen Geld für 51 Wochenstunden Arbeitszeit, wären für die GKV-Versicherten aber zu wenig aktiv: nur 39 Stunden die Fachärzte, gerade einmal 47 Stunden die Hausärzte.

Stütze seiner Aussagen ist eine angeblich repräsentative Befragung von gerade einmal 150 Haus- und 172 Fachärzten durch ein Institut namens „Psychonomics". „Eine alles andere als repräsentative Umfrage und ein windiges Zahlenspiel", wertet Dr. Wolfgang Wesiack, Präsident des Berufsverbands Deutscher Internisten, BDI e.V., das Ergebnis der 5-Minuten-Befragung.

Die Studie enthüllt allerdings auch einige Fakten, die der AOK-Funktionär unter den Tisch fallen ließ: Jeder zweite Hausarzt und ein Drittel der Fachärzte gab an, 60 Stunden und mehr pro Woche zu arbeiten. Haus- wie Fachärzte sehen sich durch Budgetvorgaben in ihrer Therapiefreiheit eingeschränkt und die Arzt-Patienten-Beziehung belastet.

Was die 51-Stunden-Woche betrifft, so beruht die Aussage auf der Tatsache, dass zur Berechnung der ärztlichen Leistung für den EBM ein kalkulatorischer Arztlohn auf der Basis einer 51-Stunden-Woche herangezogen worden ist, allerdings mit einem Punktwert von 5,11 Cent. Tatsächlich aber beträgt dieser Punktwert nur noch 3,5 Cent, was bedeutet, dass die AOK wie die anderen gesetzlichen Kassen auch den vereinbarten Preis für die Leistung gar nicht bezahlt. Hochqualifizierte ärztliche Arbeit schlecht zu bezahlen und dann die Ärzte noch öffentlich zu diffamieren, ist schlechter Stil, findet Wesiack: „Herr Graalmann sollte sich für diesen Affront entschuldigen." Jedenfalls schaffen solche Zahlenspielereien keine gute Basis für eine vertrauensvolle Vertragspartnerschaft.