Podiumsdiskussion „Zukunft Gesundheit" der Deutschen Bank in Berlin - Neues Arztbild prägt das zukünftige Gesundheitssystem
Es ist ein verständliches Interesse, dass sich eine große Bank im Gesundheitswesen, immerhin der größten Branche in Deutschland, engagiert. So positioniert sich die Deutsche Bank mit der jährlichen Diskussionsrunde „Zukunft Gesundheit" bei den Meinungsbildnern der Gesundheitswirtschaft, die neben dem Export als wichtigster Wachstumstreiber angesehen wird. Und auch dort wird der Export eine zunehmend wichtige und interessante Position einnehmen. So fanden sich auch diesmal auf dem Podium Spitzenvertreter der verschiedenen Bereiche der Gesundheitsbranche zusammen. Auslöser der Diskussion war die Frage, warum in Deutschland teuer ausgebildete Mediziner sich bereits zu etwa 40 Prozent einer folgenden ärztlichen Tätigkeit im Krankenhaus und in der Praxis verweigern.
Hier scheinen die Arbeitsbedingungen für Ärzte eine entscheidende Rolle zu spielen. Damit war Dr. Rudolf Kösters, Präsident der Deutschen Krankenhausgesellschaft, angesprochen, der sich energisch dagegen verwahrte, die Kliniken als „bad guys" im System darzustellen. Durch ständig neue Einsparungsforderungen und Kürzungen sei es für die Krankenhäuser ökonomisch sehr eng geworden. Für eine Verbesserung der ärztlichen Arbeitsbedingungen gebe es da nur noch wenig Spielraum. Noch größer, so Kösters, sei das Problem im Pflegebereich, wo in den letzten 10 Jahren 50.000 Stellen abgebaut werden mussten. Auch durch das neue Versorgungsstrukturgesetz (GKV-VStG) sei keine wirkliche Lösung der Probleme erkennbar.
Demgegenüber zeigte sich Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr, nach einer Abstimmung im Bundestag verspätet dazu gestoßen, erkennbar erleichtert über die dort am Vortag erfolgte Verabschiedung dieses Gesetzes. Das Hauptproblem unseres gut funktionierenden Gesundheitssystems sehe er weniger in akuten Versorgungsmängeln, die Versorgung wäre immer noch weitgehend gesichert. Die langfristige Versorgungssicherheit sei dagegen, so Bahr, durch die demographische Entwicklung und die Kosten des medizinischen Fortschritts bedroht. Das „von der Vorgängerregierung stets geleugnete Problem" des regionalen Ärztemangels sei erkannt und dem werde mit dem GKV-VStG gegengesteuert. Insbesondere die Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen) müssten nun von ihrem teils veralteten Familienbild abrücken. Abschaffen will Bahr die KVen nicht, da weder die GKV noch der Staat deren Aufgaben mit übernehmen sollten und möchten. Der Minister warnte davor, in der politischen Diskussion die Interessen von Ärzten und Patienten gegeneinander auszuspielen. Er kritisierte auch die gesetzlichen Krankenkassen, die bei jeder Kostensteigerung sogleich die Bevölkerung mit „großer Besorgnis" alarmieren. Tatsächlich erbringe, so Bahr, die Nachfrage bei Google mit (Krankenkasse Sorge) 658.000 Ergebnisse. Die Gegenprobe mit (Bundesgesundheitsminister Sorge) zeigt allerdings immerhin auch stolze 388.000 Ergebnisse.
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