Pharmahändler werfen Novartis Lieferstopp vor
Seit Monaten schwelt ein Streit zwischen dem Pharmakonzern Novartis und deutschen Großhändlern. Drei große Händler erhalten keine Waren mehr aus der Schweiz. Pharmahändler Phoenix sorgt sich um die Versorgung der Apotheken mit Medikamenten.
Der Streit zwischen dem Schweizer Pharmariesen Novartis und deutschen Großhändlern droht zu Lasten der Patienten zu eskalieren. Drei der fünf großen Pharmagroßhändler - Phoenix, Gehe (Celesio) und Sanacorp - erhalten wegen Auseinandersetzungen um Preiskonditionen keine Ware mehr aus der Schweiz. Wie lange die Händler die Apotheken noch bedienen können, ist laut Phoenix unsicher und abhängig von der Nachfrage nach den einzelnen Medikamenten. Grundsätzlich sei man aber noch lieferfähig, erklärte der deutsche Branchenprimus am Donnerstag in Mannheim.
Novartis sagte auf Anfrage, „die Versorgung der Apotheken und damit der Patienten war und ist zu jeder Zeit sichergestellt". Von einem Lieferstopp könne keine Rede sein. Einige Pharmagroßhändler hätten sich selbst zu einem Bestellstopp zu den angepassten Konditionen entschlossen, um dadurch Druck auf die Verhandlungen zu den Liefer- und Zahlungsbedingungen auszuüben.
Ein Sprecher der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände betonte: „Momentan sind uns keine akuten Alarmmeldungen aus den Apotheken bekannt". Die Differenzen dürften aber nicht auf dem Rücken der Patienten ausgetragen werden. Laut Branchenkreisen sind Original-Präparate von Novartis in Deutschland betroffen, darunter ein Leukämie-Mittel, Blutdrucksenker und ein Mittel gegen spezielle Augenerkrankungen.
Bei dem Streit geht es unter anderem um die Nachlässe, die Novartis den Großhändlern bei Zahlung der Rechnungen innerhalb eines bestimmten Zeitraums gewährt. Der Konzern, der erst kürzlich kräftige Zuwächse bei Umsatz und Ergebnis für das dritte Quartal gemeldet hatte, will die Skonti Branchenkreisen zufolge einseitig von durchschnittlich etwa 1,5% auf etwa 0,5% senken. Insgesamt handele es sich um ein Volumen von 40 Millionen Euro jährlich.
„Jede Art von Verschlechterung geht in Bereiche, die wir uns existenziell nicht leisten können", sagte ein Sanacorp-Sprecher. Man gebe aber die Hoffnung nicht auf, einen Kompromiss zu finden. Das Unternehmen aus Planegg bei München wird seit Anfang November nicht mehr beliefert.
Der größte deutsche Pharmagroßhändler, Phoenix, der nach eigenen Angaben knapp die Hälfte der etwa 21 000 Apotheken in Deutschland beliefert, nannte die von Novartis vorgelegten neuen Konditionen unangemessen. Seit Mitte November erhält das Mannheimer Unternehmen keine Ware mehr aus der Schweiz zu alten Bedingungen. Die Gespräche würden aber fortgesetzt, sagte eine Phoenix-Sprecherin. Zugleich behalten sich die Mannheimer nach eigenen Angaben rechtliche Schritte wegen des Lieferstopps vor und haben Novartis aufgefordert, die Aussendungen wieder aufzunehmen.
Novartis erklärte auf Anfrage, die zum Teil viele Jahre alten Skonto-Regelungen seien nicht mehr zeit- und marktgemäß gewesen. Das angebliche Skonto-Volumen von 40 Millionen Euro entbehre jeder Grundlage. Diverse Unternehmen im Pharmagroßhandel bestellten bereits zu den angepassten Bedingungen und würden beliefert. Novartis komme seiner gesetzlichen Verpflichtung nach und hoffe auf einen Einigung.
Als erster der großen fünf Pharmagroßhändler in Deutschland hatte Mitte Oktober Gehe, der zu Celesio gehört, keine Ware mehr zu alten Bedingungen erhalten. Man verhandele weiter mit Novartis, sagte ein Sprecher.
dpa


