02.01.2012

Patientenvermittler umwerben kranke Scheichs

 

Wenn sich reiche Ausländer in Deutschland behandeln lassen, sind bisweilen andere Dienstleistungen gefragt als nur medizinische. Spezielle Vermittler organisieren einen Landeplatz für den Privatjet oder das Nachbarkrankenzimmer für den Leibwächter.

Bisweilen checken Patienten in deutschen Kliniken unter falschem Namen ein. Nicht, dass sie die Rechnung prellen wollten. Am nötigen Kapital für eine Privatbehandlung mangelt es den Gästen aus dem Ausland am wenigsten. Eher haben sie kein Vertrauen in das heimische Gesundheitssystem und die Diskretion des medizinischen Personals. Mancher russische Politiker oder arabische Geschäftsmann lässt sich daher lieber hierzulande behandeln.

Damit die finanzstarken Kunden den Weg nach Deutschland finden, hat sich ein eigenes Dienstleistungsgewerbe entwickelt. Patientenvermittler bieten sich als Makler zwischen Patient und Klinik an. „Die Branche ist extrem intransparent", sagt Jens Juszczak, einer der wenigen Experten, die sich mit dem Thema Medizintourismus beschäftigen. Der Wirtschaftswissenschaftler lehrt und forscht an der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg in Sankt Augustin.

Vermittler profitieren vom guten Ruf deutscher Ärzte im Ausland. Die Wiesbadener Firma Quartana vermittelt seit acht Jahren ausländische Patienten an Kliniken rund um den Frankfurter Flughafen. „Der Kontakt kommt meist über die Ärzte im Heimatland zustande", sagt Firmenchef Jochen Baumgartner.

Wissenschaftler Juszczak geht davon aus, dass sich im Jahr mehr als 70.000 Ausländer stationär in Deutschland behandeln lassen. Hinzu kämen rund 100.000 ambulante Patienten. „Konservativ geschätzt kann man davon ausgehen, dass deutsche Kliniken vielleicht 850 Millionen Euro durch ausländische Patienten einnehmen."

Die Vermittlungskosten trägt der Patient, sagt Baumgartner. Für einen dreitägigen Aufenthalt mit Herz-OP könnten 2.500 bis 3.000 Euro anfallen. Fünf bis zehn Patienten monatlich betreue sein Fünf-Mann- Unternehmen. „Das geht damit los, dass wir vom Heimat-Arzt den Patientenbericht zugeschickt bekommen." Sein Team übersetzt, sucht Klinik und Arzt, ermittelt die Kosten und vereinbart einen Termin.

Der Vermittler besorgt auch das Visum, bucht Hotel und Flug und stellt dem Patienten einen „Manager" zur Seite. Dieser spricht die jeweilige Sprache, ist 24 Stunden telefonisch erreichbar und begleitet den Kranken zu allen Arztterminen in Deutschland.

Die Betreuung der Kunden sei durchaus anspruchsvoll, sagt Baumgartner. Manchmal muss auch ein Slot für den Privatflieger gebucht werden, drei Krankenzimmer nebeneinander - für die Bodyguards - und ein Unterhaltungsprogramm für die mitreisende Familie.

Konkurrenz bekommen Vermittlerfirmen von zwei Seiten. Einerseits werben Kliniken erfolgreich für sich selbst im Ausland. „Leute aus München und Heidelberg treffe ich fast auf jeder Messe", erzählt Baumgartner. Die Uniklinik Heidelberg unterhält ein „International Office" und wirbt im Netz mit „höchsten medizinischen Standards, garantiert von weltbekannten Professoren". Und dann gibt es noch Ein-Mann-Unternehmen, die „sehr unseriös, sehr unprofessionell, aber zum Glück auch meist sehr erfolglos" arbeiten, sagt Experte Juszczak.

dpa