17.05.2011

Notfall-Geräte gegen Herztod müssen erst gesucht werden

 

Im Schwimmbad gibt es eines und im Rathaus sogar zwei. Notfall-Geräte gegen den plötzlichen Herztod sind in Stuttgart vorhanden. Wo sie aber zu finden sind, weiß so gut wie niemand.

Am plötzlichen Herztod sterben nach Angaben der Björn-Steiger-Stiftung bundesweit über 100.000 Menschen im Jahr. Der Krankenwagen kommt dann oft zu spät. Viele Menschen könnten aber gerettet werden - mit Stromstößen. Aus diesem Grund haben viele öffentliche Gebäude in Stuttgart das Notfallgerät Defibrillator angeschafft, das für jeden einfach zu bedienen ist. Doch wo diese Hilfe genau zu finden sind, wissen die meisten nicht. „Wir fordern schon lange, dass eine zentrale Stelle die Standorte auflistet", sagt Klaus Dietrich von der Björn-Steiger-Stiftung.

Geräte für Jedermann hat der Verein „Degerloch hilft" in seinem Stadtteil sichtbar aufgestellt. Sie sind zum Beispiel in Bank-Filialen oder am Busbahnhof angebracht. Finanziert wurde jeder bis zu 1.500 teure AED (Automatisierter Externer Defibrillator) durch Spenden. Als Partner holte der Verein das Deutsche Rote Kreuz (DRK) ins Boot, das die Wartung übernimmt. Zusätzlich sind die Geräte mit Telefonen ausgestattet, die eine Verbindung zur Rettungsleitstelle herstellen. „Und in der Zeit, bis der Rettungswagen kommt, kann man ein Leben retten", sagte Vorstandsmitglied Dieter Schmid. Einem Mann wurde bisher geholfen.

Eingreifen sollte man, wenn ein Mensch bewusstlos ist und nicht mehr atmet, erklärt Klaus Dietrich. Denn hier könnte ein Kammerflimmern die Ursache sein, was zum plötzlichen Herztod führen kann. Wichtig seien nach wie vor Herzdruckmassage und Beatmung. Danach käme aber der Defi zum Einsatz.

„Die Bedienung ist selbsterklärend und kinderleicht", sagte Dietrich. Schließlich besitzt das Notfall-Gerät nur zwei Knöpfe. Ein Defi habe immer ein Symbol: Weißes Herz auf grünem Grund. Eine Stimme erklärt den Helfern, dass sie zwei Elektroden auf die Brust des Bewusstlosen kleben müssen und sagt, ob ein Stromstoß ausgelöst werden soll. „Wird das Gerät innerhalb der ersten drei Minuten angebracht, hat es eine Trefferquote von 80%."

Die Björn-Steiger-Stiftung hat zwischen 2000 und 2010 insgesamt
208 der Laien-Geräte in Stuttgart und über 2600 in Baden-Württemberg verkauft, sagte Sprecherin Melanie Storch. Bei welchen Firmen, Privatpersonen und öffentlichen Stellen sich diese allerdings befinden, ist unbekannt. Bei der Stadt ist eine Auflistung bisher nicht möglich, weil jedes Amt selbst über eine Anschaffung entscheidet, sagte eine Sprecherin. Zwei Geräte befänden sich aber im Rathaus. Auch eine offizielle Übersicht, wie das Land mit Defis ausgestattet ist, gibt es laut Sozialministerium nicht.

Mehrere Standorte zählte das Ministerium zuletzt im Jahr 2009 auf. Dazu gehörten zum Beispiel das Innen-, Finanz-, Justiz- und Kultusministerium. Das Wissenschaftsministerium installierte Defis in Universitäten, Museen und Theatern. Auch einzelne Dienststellen der Polizei und der Flughafen Stuttgart verfügen über die Notfall-Hilfe.

An vielen Häusern sollen die Defis aber nicht wie im Stadtteil Degerloch für jeden Laien nutzbar sein. Die Geräte sind zwar da, aber nicht 24 Stunden am Tag zugänglich und sollen nur durch geschulte Personen bedient werden. Der Landtag besitzt zwei Defis, hier sind im Notfall ausgebildete Ersthelfer im Einsatz.

Vor der Ausstattung öffentlicher Einrichtungen müsse sorgfältig geprüft werden, ob genügend Personal bereit ist, sich in der Handhabung eines AED ausbilden zu lassen und diese Kenntnisse regelmäßig aufzufrischen, heißt es in einer Stellungnahme des Sozialministeriums von 2009. Ähnlich sieht es auch die Stadt Stuttgart. Neben den Defis im Rathaus befänden sich Geräte in jedem Schwimmbad, betonte eine Sprecherin. Um die Bedienung kümmerten sich hier allerdings nur die Bademeister.

dpa