05.07.2011

Medizinerverbände warnen vor Hausärztemangel auch in Bayern

 

Die wichtigsten Verbände im Bayerischen Gesundheitswesen haben erneut vor einem drohenden Mangel an Hausärzten gewarnt und eigene Gegenmaßnahmen angekündigt. Aktuelle Zahlen zeigten, dass 23% der bayerischen Hausärzte älter als 60 Jahre sind, erklärte der Präsident der Landesärztekammer, Max Kaplan, am Montag in München. Zwar gebe es noch keinen akuten Ärztemangel, doch er werde schon bald eintreten. Der Vorstandschef der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns (KVB), Wolfgang Krombholz, warnte davor, „dass wir in drei bis vier Jahren 20 bis 30% weniger Praxen besetzt haben werden".

Die Zahl der Hausarztpraxen in Bayern, die keinen Nachfolger finden, sei von 51 im Jahr 2009 auf 71 im vergangenen Jahr gestiegen, sagte Krombholz. Insgesamt seien rund 7500 Mediziner in der hausärztlichen Versorgung tätig. Nach Ansicht des Vorsitzenden des Bayerischen Hausärzteverbandes, Dieter Geis, ist wirtschaftliche Unsicherheit der Hauptgrund dafür, warum es schwerer werde, junge Ärzte die Allgemeinmedizin zu motivieren. Er forderte deshalb von den Krankenkassen neue, besser dotierte Hausarztverträge. Vor allem der AOK Bayern warf er eine Blockadehaltung vor.

Eine Sprecherin der Kasse wies diesen Vorwurf zurück. Die AOK habe dem Hausärzteverband einen Vertrag angeboten, der eine deutlich bessere Bezahlung vorsehe. Die Forderungen des Verbandes gingen aber über die Möglichkeiten der Kassen weit hinaus.

Die AOK hatte, wie die meisten gesetzlichen Kassen, im vergangenen Dezember ihren Hausarztvertrag gekündigt. Die Kassen reagierten damit auf die Ankündigung des Bayerischen Hausärzteverbandes, aus Protest gegen die Gesundheitspolitik der Bundesregierung das Kassensystem zu verlassen. Ähnliche Protestmaßnahmen oder auch Praxisschließungen werde es unter seiner Führung aber nicht mehr geben, sagte Geis. Es sei jedoch denkbar, dass die Hausärzte die Patienten über ihre Situation informieren und auf diese Weise auf Kassen und Politik einzuwirken versuchen. Sein Vorgänger, Wolfgang Hoppenthaller, war nach dem Scheitern des Ausstiegsversuches im Dezember von seinem Posten zurückgetreten.

Der Hausärzteverband kündigte gleichzeitig an, er werde gemeinsam mit der Kammer, der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns und der Bayerischen Krankenhausgesellschaft die Weiterbildung junger Hausärzte besser koordinieren. Auf diese Weise solle der Weg in den Beruf für junge Mediziner attraktiver werden.

dpa