Krankenkassen: «Neue» Medikamente besonders teuer
Teurer, aber nicht besser - das gilt nach Einschätzung von Krankenkassen für viele neue Medikamente auf dem Arzneimittelmarkt. In Mecklenburg-Vorpommern seien die sogenannten neuen Arzneimittel für 35 Prozent der Kosten verantwortlich, sagte am Dienstag der Sprecher des Verbandes der Ersatzkassen in Schwerin, Bernd Grübler. «Der größte Teil davon sind Scheininnovationen, die auch nicht besser wirken.» Die Pharmafirmen veränderten zum Beispiel ganz geringfügig die Molekularstruktur und brächten das Medikament dann wesentlich teurer auf den Markt. Mecklenburg-Vorpommern liegt bei den Arzneimittelkosten bundesweit an der Spitze.
Grübler unterstützte die Überlegungen von Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler (FDP), der Pharmaindustrie auch für neue Medikamente Höchstpreise vorzuschreiben. In Mecklenburg-Vorpommern versuchten die Kassen auch direkt auf die Ärzte Einfluss zu nehmen. Es seien mit der Kassenärztlichen Vereinigung Arzneimittelgruppen gebildet worden, die Beratungsgespräche mit den Medizinern führten und sie auf günstigere Alternativen hinwiesen. Ärzte, die ihr Verschreibungsbudget überschreiten, müssten mit Regressforderungen rechnen. In Mecklenburg-Vorpommern seien Rückforderungen zwischen 500 und 5000 Euro für ein Jahr üblich. Genauere Zahlen konnte Grübler nicht nennen.
Die Arzneimittelausgaben der gesetzlichen Krankenkassen sind nach Angaben der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände im vergangenen Jahr um 5,9 Prozent auf 27,3 Milliarden Euro gestiegen. In Mecklenburg-Vorpommern kletterten sie laut Techniker Krankenkasse um sechs Prozent auf 712 Millionen Euro. Rösler plant, dass Hersteller und Krankenkassen künftig die Preise für neue Arzneimittel aushandeln sollen und erwartet davon Einsparungen von bis zu zwei Milliarden Euro im Jahr. Der Minister will sein Konzept in einigen Tagen vorstellen.
dpa



