26.04.2011

Krankenhäuser wehren sich gegen Betrugsvorwürfe

 

Klinken und Krankenkassen sind sich nicht immer grün; denn die einen fühlen sich chronisch unterfinanziert, die anderen wollen meist nicht mehr zahlen. Neuester Zankapfel sind angeblich falsche Abrechnungen.

Die Krankenhäuser wehren sich gegen den Vorwurf von Falschabrechnungen. „Wir verwahren uns dagegen, dass uns regelrechter Betrug unterstellt wird", sagte Thomas Reumann, Chef der Baden-Württembergischen Krankenhausgesellschaft und Vorstandsmitglied der Deutschen Krankenhausgesellschaft. Eine entsprechende Beschwerde werde demnächst an den Bundesrechnungshof gehen, kündigte er im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa in Stuttgart an. Die Behörde hatte vor kurzem jede dritte geprüfte Krankenhausabrechnung für fehlerhaft erklärt. 875 Millionen Euro hätten die Krankenkassen 2010 zu Unrecht an die Kliniken gezahlt.

Reumann sagte: „Ich ärgere mich darüber, dass der Bundesrechnungshof die Argumente der Krankenkassen, deren medizinischer Dienst die Abrechnungen kontrolliert hatte, ungeprüft übernommen hat." Auch bei den Klinikärzten seien der Frust, die Verärgerung und das Unverständnis groß, fügte der Reutlinger Landrat hinzu. Die Deutsche Krankenhausgesellschaft vertritt die Interessen von mehr als 2000 Kliniken.

Der Medizinische Dienst der Krankenversicherung (MDK) hatte 2010 zwölf% der Krankenhausrechnungen kontrolliert. Von diesen wurden 40% beanstandet, zum Großteil, weil der MDK die Aufenthaltszeiten in den Kliniken für zu lang hielt. „Es geht also nicht um nicht erbrachte Leistungen, sondern um Beurteilungen der Ärzte am Krankenbett, die im Nachhinein nach Aktenlage infrage gestellt wurden", meinte Reumann.

Solche Entscheidungen müssten aber dem örtlichen Mediziner überlassen bleiben, zumal weder er selbst noch das Krankenhaus Vorteile von einer längeren Verweildauer des Patienten hätten - im Gegenteil. Auch die Hochrechnung der Ergebnisse auf alle Krankenhausrechnungen sei nicht seriös, weil gezielt solche Abrechnungen kontrolliert worden seien, bei denen hohe Einsparungen zu erwarten gewesen seien.

Überdies kritisierten die Kontrolleure der Krankenkassen falsche Codierungen für Fallpauschalen. „Das ist ein Dickicht von 13 200 Diagnosen und 25 000 möglichen Therapien, über deren Zuordnung man sich trefflich streiten kann", erläuterte Reumann. Auch hier dürfe den Ärzten kein bewusst falsches Handeln unterstellt werden.

Im Gegensatz zum Bundesrechnungshof sei sein Verband überzeugt, dass den Krankenhäusern ihrerseits eine Bezahlung für die erbrachten Leistungen zustehe. Er bezifferte die einzufordernde Summe für 2010 auf 640 Millionen Euro. Dass nur wenige Kliniken das ihnen zustehende Geld bei einem Sozialgericht einklagten, liege an der großen Resignation in den Krankenhäusern. Zudem könnten sich die Klinken den finanziellen und zeitlichen Aufwand langwieriger gerichtlicher Auseinandersetzungen nicht leisten.

dpa