12.12.2011

Kieler Partikeltherapie für Krebspatienten noch denkbar

 

Die schon für gescheitert erklärte Partikeltherapie-Anlage zur schonenden Behandlung von Krebspatienten in Kiel könnte möglicherweise eine zweite Chance bekommen. Siemens hatte die Anlage fast fertiggestellt, war aber im September aus wirtschaftlichen Gründen aus dem Großvorhaben ausgestiegen. Nun habe ein Konsortium ein Nachfolgekonzept vorgelegt, sagte am Freitag der Vorstandschef des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein (UKSH), Prof. Jens Scholz. „Das Konzept wird ernsthaft geprüft." Siemens wolle möglichst noch vor Jahreswechsel ein erstes Gespräch mit dem Konsortium führen, sagte Scholz. Beteiligt sind potenzielle südkoreanische Investoren, die mit technischem Know-how ausgestattete dänische Firma Danfysik und auch regionale Vertreter.

Über die Realisierungschancen für das Konzept wollte der UKSH-Chef keine Prognose abgeben. Sollte es umgesetzt werden, würde der Umfang der Partikeltherapie aber deutlich geringer ausfallen, als es das Ursprungsvorhaben vorsah. Die Absage von Siemens an das 250-Millionen-Euro-Projekt war im September in Kiel mit großer Enttäuschung aufgenommen worden. Mit Hilfe der Partikeltherapie können Tumorzellen punktgenau zerstört werden, so dass umliegendes Gewebe weniger stark belastet wird. Das Verfahren gilt deshalb grundsätzlich als besonders geeignet für schwer zugängliche Tumore und für die Behandlung von Kindern.

Nach dem Rückzug von Siemens sei im Aufhebungsvertrag die Möglichkeit verankert worden, eine Nachnutzung zu verhandeln, sagte am Freitag die UKSH-Aufsichtsratsvorsitzende, Wissenschaftsstaatssekretärin Cordelia Andreßen. Der Aufsichtsrat ermächtigte den Vorstand, den Aufhebungsvertrag mit Siemens zu schließen. Dem Klinikum und dem Land entstanden aus den Regelungen zur Vertragsauflösung laut Scholz und Wissenschaftsminister Jost de Jager (CDU) keine finanziellen Schäden.

Sollte das jetzt vorliegende Konzept nicht umgesetzt werden, müsste die Partikeltherapie-Anlage abgebaut werden. Das Gebäude in der Kieler Innenstadt wird künftig aber in jedem Fall für konventionelle Strahlentherapie genutzt, zum Beispiel bei der Behandlung von Lungen-, Darm-, Brust- und Prostatakrebs.

dpa