Hygiene-Skandal kostet Klinikum Fulda zehn Millionen Euro
Der neue Chef des in Verruf geratenen Klinikums Fulda tritt ein schweres Erbe an. Thomas Menzel muss den Hygiene-Skandal ausbaden, der das Krankenhaus viele Millionen Euro kostete. Es wird noch ermittelt, die neue Zentralsterilisation ist aber schon in Betrieb.
Das von Hygiene-Skandalen erschütterte Klinikum Fulda hat ohne großes Aufsehen seine neu erbaute Abteilung zur Reinigung von OP-Bestecken eröffnet. Die Zentralsterilisation werde seit dem 25. Juli genutzt, sagte der neue, seit drei Monaten amtierende Vorstandssprecher Thomas Menzel der Nachrichtenagentur dpa. Sein Krankenhaus kommt der Skandal teuer zu stehen: Menzel rechnet mit Kosten von insgesamt rund zehn Millionen Euro.
Betreiben darf das Krankenhaus die Anlagen auf Anordnung der Gesundheitsbehörden derzeit nur in Zusammenarbeit mit einem externen Dienstleister. Die Firma Orgamed sei verantwortlich, sagte Menzel. Zuvor durfte das Klinikum die Geräte noch selbst aufbereiten. Nach einer „Übergangsphase" wolle das Klinikum die Reinigung wieder übernehmen.
Das Krankenhaus hatte für Schlagzeilen gesorgt, nachdem es über Monate in der Zentralsterilisation zu technischen Problemen gekommen war - verunreinigtes OP-Besteck war die Folge. Die Abteilung, in der zum Beispiel Scheren und Klemmen nach dem Einsatz aufbereitet werden, war am 15. Januar geschlossen worden. Die Staatsanwaltschaft Fulda beschäftigt sich noch mit den Vorfällen.
Die millionenschweren Verluste hatten sich durch entgangene Einnahmen von Operationen und Ausgaben für neue Geräte angehäuft. „Zehn Millionen sind keine Peanuts für uns, sondern ein Betrag, der uns schwer belastet", sagte Menzel. Das Klinikum machte 2010 den Angaben zufolge einen Umsatz von 180 Millionen Euro und einen Gewinn von 2,6 Millionen Euro. Nun müssten alle Ausgaben, Baumaßnahmen und Personalkosten auf den Prüfstand gestellt werden, betonte Menzel.
Um die Finanzen kümmert sich von 1. Juli an Dietmar Pawlik, neuer Vorstand im Bereich Administration. Er bildet zusammen mit Menzel, dem Vorstand Krankenversorgung, die neue Doppelspitze. Klinikchef Harald Jeguschke hatte das Haus vor wenigen Wochen verlassen.
In der neuen Zentralsterilisation befänden sich nun „hochmoderne Anlage nach allerneuestem Top-Standard", sagte Menzel. „Parallel führen wir Verfahren ein, die verhindern sollen, dass solche Fehler noch einmal passieren." Eine neue Qualitätssicherungssoftware, die alles überwache, solle das Risiko mindern. Ausschließen kann Menzel erneute Probleme aber nicht: Menschliches Fehlverhalten sei immer möglich, werde aber durch die neue Organisation weiter minimiert.
In der heiklen Frage von Schadensersatzansprüchen gegen Hersteller und Zertifizierer der Reinigungsanlagen ist das Klinikum noch nicht entscheidend weitergekommen. Es bestehe Klärungsbedarf: „Wir warten auf ein Gutachten, gehen aber nicht davon aus, dass wir einen substanziellen Teil des Schadens abwälzen können", erklärte Menzel.
Bei der Aufarbeitung des Imageschadens gegenüber Patienten und Angestellten will das Klinikum auch eigene Stärken des Hauses besser darstellen. Einen guten Job machten die Mediziner bei der jüngsten Ehec-Krise und der Geburt eines extrem jungen Frühchens. Das Klinikum strebe Zertifizierungen für das gesamte Haus an, sagte Menzel. Welcher Leistungsnachweis es sein solle, sei noch nicht entschieden.
dpa


