Hospizhelfer warnen vor Ökonomisierung des Sterbens
Wenn die Sterbebegleitung zu einer neuen Einnahmequelle wird, könnte nach Ansicht der Diakonie die Menschlichkeit verloren gehen. Auf diesen Nenner lassen sich die Befürchtungen der ehrenamtlichen Helfer bringen. „Die Professionalisierung der Sterbehilfe ist sicher richtig und wichtig, aber sie birgt die Gefahr, dass die Betroffenen nur noch unter ökonomischen Gesichtspunkten wahrgenommen werden", sagte Pia Haas-Unmüßig vom Diakonischen Werk Baden der Nachrichtenagentur dpa.
Die professionellen Betreuer versuchten zwar auch, den Sterbendenden nahe zu sein. „Aber ihre Hauptaufgabe ist die Schmerztherapie und die medizinische Kontrolle. Gespräche und spirituelle Unterstützung stehen nicht auf ihrem Programm", sagte Haas-Unmüßig. Für diese Art der Betreuung gebe es keine Berechnungsgrundlage und keinen Finanzierungsschlüssel. „Zahlen, Daten und Fakten können aber nicht die Beziehung zwischen den Menschen widerspiegeln."
Die ehrenamtlichen Helfer müssten angesichts der Professionalisierung ihre Position im System neu finden. „Im Moment fühlen sich einige Helfer ins Abseits gedrängt und nicht ernst genug genommen", sagte die Referentin. „Dabei kommt das Thema Hospiz aus ihrer Mitte. Die Ehrenamtlichen haben der Bewegung den Weg geebnet."
Eine Streitfrage sei, wie professionell die Ehrenamtlichen selbst werden müssten. „Müssen wir ständig neue Kurse besuchen oder reicht auch unsere Lebenserfahrung?" Die Bewegung wünscht sich auch mehr Männer in ihren Reihen. Auf den jüngsten Hospiztagen in Pforzheim seien unter 200 Teilnehmern gerade einmal zehn Männer gewesen. Nach Angaben des Statistischen Landesamtes gab es Ende 2009 in Baden-Württemberg 16 Pflegeheime für Schwerstkranke und Sterbende.
dpa


