22.06.2011

Gewerkschaft: Klinik-Pflege wird „gefährlich"

 

Die Pflege in den Krankenhäusern droht wegen der Überlastung des Personals nach Ansicht der Gewerkschaft Verdi zu einer „gefährlichen Pflege" zu werden. 93% der Pflegekräfte seien erschöpft, 62,5% gingen krank zur Arbeit, sagte der Landesfachbereichsleiter Gesundheit der Gewerkschaft, Steffen Kühirt, am Dienstag in Schwerin. Verdi habe bundesweit in Kliniken die Kampagne „Der Druck muss raus" gestartet, an der sich in Mecklenburg-Vorpommern 20 der 39 Krankenhäuser beteiligen. Die Beschäftigten sollen sich auf Fragebögen zu ihrer Arbeitsbelastung äußern. Daraus will Verdi ein „Belastungsbarometer" machen.

Zum Jahresende strebt Verdi Tarifgespräche mit den Arbeitgebern über bessere Arbeitsbedingungen an. Kühirt zufolge fehlen Zehntausende Pflegekräfte, vor allem jüngere unter 50 Jahren. Diese gingen dorthin, wo die Bedingungen besser seien. Im Herzzentrum Karlsburg (Ostvorpommern) etwa verdienten Pflegekräfte im Drei- Schicht-System nach zehn Jahren rund 1600 Euro brutto. „Da kommen keine jungen Leute nach", sagte Kühirt.

Die Pflegekräfte in den Kliniken können Diana Markiwitz von Verdi zufolge schwierige Zeiten wie die Urlaubssaison mit dem vorhandenen Personal nicht mehr abdecken. Überstunden würden nicht mehr abgebummelt, Pausenzeiten nicht eingehalten. Nachts gebe es auf den Stationen nur noch eine Minimalbesetzung. Markiwitz sagte, ihr seien keine Fälle bekannt, dass Patienten wegen der kritisierten „gefährlichen" Pflege gestorben oder gefährdet gewesen seien. Aber wenn Pfleger das Waschen von Patienten am Tage nicht schaffen und in die Nacht verlegen müssten, werde das beiden nicht gerecht.

Kühirt forderte die Klinikleitungen auf, neue Modelle für die Pflegeorganisation zu finden. Zudem sei es ein Unterschied, ob bei einer privaten Klinik am Ende eine hohe Renditeerwartung stehe, oder ob es, wie bei öffentlichen Krankenhäusern, kein Renditeziel gebe.

Die gesundheitspolitische Sprecherin der Linksfraktion, Marianne Linke, sagte, nachdem die ärztlichen Gehälter in den vergangenen Jahren deutlich wuchsen, müsse jetzt endlich beim Pflegepersonal nachgezogen werden. „Es ist unerträglich, dass Gelder der Versicherten nicht zur Betreuung, sondern in manchen Krankenhäusern zur Gewinnmaximierung eingesetzt werden und in die Taschen privater Aktionäre fließen." Gewinne in Krankenhäusern speisen sich nach Linkes Worten aus den Beitragsgeldern der Versicherten und aus Steuergeldern für Investitionen. Gewinne müssten wieder ins Gesundheitswesen zurückfließen und der Verbesserung der Arbeitsbedingungen und der medizinischen Versorgung dienen.

dpa