26.10.2004

Egal wo: Reinstechen hilft gegen Schmerzen!

Millionenteure Akupunkturstudien der Krankenkassen liefert zwiespältiges Ergebnis.

Soll die Akupunktur Kassenleistung werden oder nicht? Der Bundesausschuss hat dies vor einiger Zeit abgelehnt, weil ihm die Wirksamkeit der Akupunktur nicht hinreichend belegt schien. Vielen niedergelassene Kollegen sind allerdings von der Akupunktur, vor allem bei Schmerzzuständen, überzeugt. Dass die Akupunktur dennoch keine Kassenleistung ist, stört längst nicht jeden Niedergelassenen – im Gegenteil: Auf diese Weise wird die Behandlung mit der spitzen Nadel nicht mit schwindsüchtigen Kassen-Punktwerten bezahlt, sondern kann privat abgerechnet werden. Weil die Akupunktur aber auch bei vielen Patienten sehr beliebt ist, hätte sie manche Kasse gerne als Marketing-Instrument benutzt.

In dieser Gemengelage hat der Bundesausschuss entschieden, dass die Kassen selbst Studien durchführen können, um fundierte Erkenntnisse über die Wirksamkeit der Akupunktur zu gewinnen. Und so haben die Bundesverbände von AOK, BKK, IKK, Landwirtschaftskassen zusammen mit der Bundesknappschaft und der See-Krankenkasse die German Acupuncture Trials – kurz: GERAC – ins Leben gerufen und die. Ruhr-Universität Bochum mit der Auswertung beauftragt. So sollte der Bundesausschuss genug Munition bekommen, um im kommenden Frühjahr endgültig über die Kassenfähigkeit der Akupunktur entscheiden zu können.

In den Studien wurden Patienten mit Rückenschmerzen und arthrotischen Knieschmerzen in drei Gruppen randomisiert. Ein Teil wurde nach alter chinesischer Tradition akupunktiert, ein weiterer Teil bekam eine „Sham-Akupunktur“, bei der Nadeln an Punkten gestochen wurden, die weitab der traditionellen chinesischen Nadelpunkten liegen. Außerdem wurden die Nadeln längst nicht so tief versenkt, wie es die chinesische Tradition verlangt. Eine dritte Gruppe bekam schließlich eine leitlinienorientiert Standardschmerztherapie ohne Akupunktur. Pro Indikation und Gruppe nahmen 300 bis 400 Patienten teil – also eine durchaus respektable Basis.

Jetzt wurden die 6-Monats-Ergebnisse der Studie zum chronischen Kreuzschmerz und die 3-Monatsergebnisse zum Knieschmerz präsentiert. Viel wird der Bundesausschuss damit nicht anfangen können, denn sie lassen sich vordergründig auf einen Nenner bringen: Auf Nadeln sprechen die Schmerzen besser an als auf die konventionelle Schmerztherapie. Aber ob richtig chinesisch akupunktiert wurde oder ob die Nadeln an den falschen Punkten eingestochen wurden, war ziemlich egal – die Erfolge waren vergleichbar.

Für die Entscheidung im Bundesausschuss dürften die Studienergebnisse nicht sonderlich nützlich sein. Denn die tradionelle chinesische Akupunktur ist offenbar nicht besser als die Plazebo-Akupunktur. Und dass die Kassen zukünftig ein einfaches unkoordiniertes Herumstechen gegen Schmerzen bezahlen sollen, dürfte nur schwer zu begründen sein. Zumal nicht so ganz klar ist, wie es zu den besseren Ergebnissen in den genadelten Gruppen kam. War es einfach die intensivere Beschäftigung mit den Patienten, die mit den Akupunktursitzungen zweifellos verbunden war? Sicher ist derzeit nur eines: Die beiden Studien werfen Fragen auf – Antworten geben sie nicht.