Ärztemangel auf den Stationen - Kliniken suchen Mediziner
Der Job von Klinikärzten ist hart, und die Helfer in den weißen Kitteln sind heiß begehrt. Manche Krankenhäuser in Rheinland-Pfalz suchen händeringend nach Medizinern, um freie Stellen zu besetzen.
Sie drucken Anzeigen, werben an Universitäten und engagieren sogar Headhunter: Rheinland-pfälzische Kliniken suchen teils händeringend nach neuen Medizinern. Der Mangel herrscht längst nicht mehr nur bei Hausärzten, wie eine Umfrage der Nachrichtenagentur dpa ergab. Viele Kliniken könnten offene Stellen mittlerweile nicht mehr besetzen, sagt Andreas Wermter von der Krankenhausgesellschaft Rheinland-Pfalz in MAINZ. „Der Ärztemangel schlägt sich vor allem dort nieder, wo die Standorte nicht so attraktiv sind." Mit dem Medizinermangel kämpfen zum Beispiel Krankenhäuser in Kaiserslautern, Klingenmünster, Ludwigshafen und in der Eifelstadt Daun.
Das Westpfalz-Klinikum in Kaiserslautern hat vor allem Probleme, Ärzte für seine kleineren Standorte in Kusel, Kirchheimbolanden und Rockenhausen zu finden. „Früher gab es zehn Bewerber für eine Stelle, heute müssen wir aktiv nach ihnen suchen", sagt der Leiter des Geschäftsbereichs Personal, Frank Ostermann. Das Klinikum versucht, möglichst auf die Wünsche der Bewerber einzugehen, bietet geregelte und flexible Arbeitszeiten an und bemüht sich um fundierte Angebote zur Aus- und Weiterbildung. Auch unter den Studenten an den Unis in Heidelberg und Mainz wirbt es für sich.
„Es entscheiden sich heute nicht mehr so viele Menschen für den Arztberuf", meint Wermter. Manche jungen Mediziner wechselten lieber in die Pharma-Branche. Einige Kliniken suchten bereits im Ausland nach jungen Doktoren. Die nötige Werbung - auch um deutsche Absolventen - koste. „Sie müssen (...) Anzeigen schalten - zum Teil in internationalen Zeitschriften." Oft böten Krankenhäuser auch mehr Stellen in Teilzeit an, etwa für Mütter und Väter. „Kliniken versuchen, die Arbeitsstelle möglichst attraktiv zu machen."
Mit Personalagenturen arbeitet das Pfalzklinikum für Psychiatrie und Neurologie in Klingenmünster zusammen. „Seit mehreren Jahren gibt es einen Ärztemangel, das betrifft alle Bereiche, auch junge Ärzte fehlen", berichtete Sprecherin Sabine Röhl. Das Klinikum hat insgesamt elf Standorte in der Pfalz. Und Ärzte fehlen sowohl in der Stadt als auch auf dem Land. Die Personalagenturen suchen auch im Ausland nach Bewerbern. Unter anderem wirbt die Klinik auch mit flexiblen Arbeitszeiten, ganztägigen Kita-Plätzen und Stipendien. Dennoch sind derzeit acht von rund 90 Ärzte-Stellen frei.
Die Zeiten, in denen sich 50 Bewerber auf eine Anzeige meldeten, sind auch im Krankenhaus Maria Hilf in der Eifelstadt Daun vorbei. „Es wird schwieriger und dauert länger, neue Stellen zu besetzen", sagt Geschäftsführer Franz-Josef Jax. Vor allem Ärzte mit einem bestimmten Fachbereich seien schwer zu finden. Eine Neubesetzung könne bis zu einem halben Jahr dauern. Derzeit hat das Krankenhaus mit einem insgesamt 40-köpfigen Ärzteteam zwei unbesetzte Stellen: für einen Chirurgen und einen Anästhesisten. Sechs Ärzte seien gerade in den vergangenen Wochen neu gewonnen worden.
„Man muss sich heute schon etwas anderes einfallen lassen", meint Jax, ohne sich weiter in die Karten blicken lassen zu wollen. Vieles gehe über „Mund-zu-Mund-Propaganda". Manchen Bewerbern, die etwa vom Bodensee oder Hamburg aus anriefen, müsse die Eifel erst schmackhaft gemacht werden. Der fehlende Lückenschluss der Eifelautobahn A1 werde da oft als Manko angesehen. Jax sagt auch, in einer Klinik sei der Ärztejob nicht gerade einfach. Es gebe Nacht- und Wochenenddienste sowie Schichtpläne. Wichtig sei es, dass der Beruf des Arztes wieder höher wertgeschätzt werde, meint der Geschäftsführer. Die hohe Belastung und Verantwortung rechtfertigen dies allemal.
Selbst das Klinikum Ludwigshafen hat in einigen seiner insgesamt 15 Kliniken immer wieder Probleme, alle Arztstellen unmittelbar wiederbesetzen zu können. Die meisten allerdings sind nicht von dem Problem betroffen, wie Sprecherin Monika Henig berichtet. Dennoch bemüht sich das Klinikum, für Bewerber attraktiv zu sein und lockt mit finanzieller Unterstützung für Fortbildungen und Kongressbesuche sowie einem Tutorenprogramm für junge Ärzte.
In ländlichen Regionen finden vor allem Hausärzte immer schwieriger einen Nachfolger. Sie schalten häufig Anzeigen im deutschen Ärzteblatt. „Der Anzeigenanteil dort ist in den letzten Jahren auf das Mehrfache angewachsen", berichtet eine Sprecherin der Kassenärztlichen Vereinigung Rheinland-Pfalz in MAINZ. Laut einer Hochrechnung könnten bis 2020 landesweit etwa 1277 Hausärzte fehlen. Probleme gebe es in der Eifel, im Donnersbergkreis, im Hunsrück und im Westerwald. Auch Fachärzte fehlen - aktuell etwa Augenärzte in Mainz-Bingen oder Hals-Nasen-Ohren-Ärzte im Kreis Germersheim.
dpa


