10.01.2012

Adipositas-Zentrum baut bundesweite Gewebebank auf

Übergewicht macht oft krank. Doch nicht alle leiden an Folgen ihrer Fettleibigkeit wie Diabetes oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Warum das so ist, erforschen Wissenschaftler des Leipziger Adipositas-Zentrums.

Auf der Suche nach der ultimativen Schlankheitspille ohne Nebenwirkungen sind Wissenschaftler des Integrierten Forschungs- und Behandlungszentrums (IFB) Adipositaserkrankungen in Leipzig. Allerdings ist der Weg dorthin noch weit. „Die große Herausforderung ist, ein Medikament zu finden, das direkt am Fett ansetzt, ohne Nebenwirkungen auf andere Organe oder die Psyche", sagte Prof. Mattias Blüher von der Klinik für Endokrinologie und Nephrologie der Universität Leipzig über das Ziel der Forschungen.

Helfen sollen dabei Untersuchungen des Fettgewebes von adipösen Patienten. An dem vom Bundesforschungsministerium geförderten IFB in Leipzig entsteht derzeit innerhalb des Kompetenznetzes Adipositas eine bundesweite Gewebebank. Hier werden seit acht Jahren Gewebeproben gespeichert. Jetzt kommt das Material von Forschungseinrichtungen aus Dresden, Karlsruhe und München und in wenigen Monaten auch aus einer Kooperation mit verschiedenen Universitäten in Boston hinzu. Inzwischen lagert dort bei Minus 173 Grad Celsius laut Blüher Material von mehr als 800 Patienten und auch von Tieren.

„Wir wollen herausfinden, ob und wie sich Gewebe unterscheidet, etwa das Bauchfettgewebe von dem an der Hüfte, dazu untersuchen wir den genetischen Code", sagte Blüher. Es gibt Menschen, die adipös sind und dennoch nicht an Folgeerkrankungen wie Bluthochdruck, Diabetes oder Herz-Kreislauf- oder Magen-Darm-Erkrankungen leiden. Andere hingegen werden schwer krank. Wie die Wissenschaftler um Blüher schon herausfanden, lässt die Anzahl der Immunzellen und die Größe der Fettzellen Rückschlüsse zu, wie hoch das Risiko von Folgeerkrankungen ist.

Im Kampf gegen die Fettsucht dränge die Zeit, sagte Blüher. Die Übergewichtigen werden immer jünger. Während früher vorrangig Patienten im Alter zwischen 55 und 65 im Leipziger Forschungszentrum behandelt wurden, sei es mittlerweile die Gruppe der 40- bis 55-Jährigen. Schon Kinder und Jugendliche seien heutzutage oft zu dick. „Man muss sich überlegen, wie das in zehn Jahren aussehen könnte, wenn wir nicht gegensteuern."

Fettleibigkeit gilt derweil in Deutschland schon als Volkskrankheit. Laut einer Studie der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) sind in Deutschland 45% aller Frauen und 60% aller Männer übergewichtig. Jeder Sechste ist fettleibig, mit einem Body Mass Index (BMI) über 30.

Das Integrierte Forschungs- und Behandlungszentrum (IFB) Adipositaserkrankungen in Leipzig ist eines von bundesweit acht Zentren zu jeweils unterschiedlichen Themen, die vom Bundesforschungsministerium gefördert werden.

dpa